Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 13 (1.7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 263 Theodor Herzl Z u s e i n e m 3 0. Todestage a m 7. Juli 1934. Von Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn- Breslau Als vor nunmehr dreißig Jahren Theodor Herzl seine Augen für. immer schloß, da erschien das, was er erstrebte, den meisten Juden noch als eine ganz unmögliche Utopie, und heute müssen auch diejenigen erkennen, die jener Gedankenwelt einst fern gestanden -haben, daß von seinen Träumen ein großes Stück Wirklichkeit geworden ist. Wenn Erez Israel in einer so kritischen Zeit, wie sie das deutsche Judentum im vorigen Jahre erlebte, für Zehntausende von deutschen Juden eine neue Heimat werden konnte, so wäre das niemals denkbar gewesen, wenn nicht eine Persönlichkeit wie Theodor Herzl mit der ganzen Reinheit seines Wollen sich für dieses Werk eingesetzt hätte. So sind wir sicher, daß,, wenn wir ihm heute einen Augenblick stillen Gedenkens weihen, auch diejenigen mit uns gehen werden, die der Gedankenwelt des Zio: nismus als solchem fernstehen. Das Leben Theodor Herzls unterschied sich in seinen Anfängen durch nichts von dem Leben anderer junger jüdischer Menschen des westlichen Kulturkreises. Er war im Jahre 1860 zu Budapest geboren und erhielt eine Erziehung, die nur äußerlich jüdisch war. In Wien besuchte er die Universität, beschäftigte sich neben seinem eigentlichen Studium, der Rechtskunde, vor allem mit literarischen Fragen, und da er keinerlei Aussichten hatte, in Österreich Beamter zu werden, so wurde er, wie so viele andere junger begabter Juden jener Zeit Journalist. Als Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" hat er dieses Blatt mit zu Weltruhm gebracht. Seine Feuilletons wurden überall im deutschen Kulturkreis gelesen. Er war ein besonderer Meister auf dem Gebiet der Milieukunde. Trotz alledem gehörte er heute zu den Vergessenen, wenn er nicht beim Dreyfußprozeß in Paris als Berichterstatter jener Zeitung seine große jüdische Erschütterung gehabt hätte. Damals wurde ihm mit einem Sehlage klar, daß auf dem Stuhl des Angeklagten nicht der Kapitän Dreyfuß säße, sondern das ganze jüdische Volk. Sein Schicksal, so schien es ihm, war immer das gleiche, immer im kritischen Augenblick für die Schäden der Zeit verantwortlich gemacht zu werden. In diesem Augenblick kam ihm seine unsterbliche Vision: Das alte Judenvolk muß aus den Ländern der Zerstreuung in sein eigenes Land zurückgeführt werden. In halfevisionärem Zustande schrieb er seinen ,,Judeiistaat". Er glaubte, daß sich das Judentum begeistert hinter ihm stellen würde. Seine erste Enttäuschung war, daß die reichen Juden versagten. Diej die in ihrer eigenen Existenz unerschüttert waren, begriffen die Judennot nieht, da sie keine eigene Not verspürten. Um so stärker war der Widerhall vor allem bei den jüdischen Massen des Ostens. Man fühlte dort, daß von Theodor Herzl eine Kraft anging, wie man sie einstmals Sabbattai Zwi zugeschrieben hatte. Als später der Führer nach Wilna kam, da konnte man sich dort in dieser Stadt, wo die Juden unter dem Joche des Zarismus schmachteten, in Verehrung für den, der ihnen einen Weg in die Freiheit wies, nicht genug tun. In dem Augenblick, als Theodor Herzl seinen Judenstaat schrieb, da wußte er noch nicht, welch dornenvollen Weg er vor sich hatte. Palästina gehörte der Türkei, und er wollte sich nicht mit seinen Juden ins Land hineinschleichen.. Er wollte einen „Charter" haben, d. h. eine offizielle Zuweisung des Landes Vinter türkischer Oberhoheit. Deswegen mußte er versuchen, bei den Großen, dieser Erde Eingang zu finden. Der gütige Großherzog Friedrich I. von Baden erwärmte sich ganz besonders für Herzls Gedanken. Es war nur seine Sorge, daß man ihm, wenn er sich für den Judenstaat einsetzte, etwa Judenhaß vorwerfen würde. Durch Friedrich von Baden, fand Theodor Herzl Zugang bei der kaiserlich-deutschen Regierung, er wurde vom Reichskanzler Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, vom Staatssekretär von Bülow und später in Konstantinopel und Jerusalem von Kaiser Wilhelm II. empfangen. Es war ein historischer Augenblick, als Theodor Herzl als Vertreter des Judenvolkes dem deutschen Kaiser gegenübertreten durfte. Schwieriger waren die Verhandlungen mit der Türkei. Der korrupte Staat, bei dem letzten Endes der den Sieg davontrug, der in der Lage war, das größere Bakschisch zu geben, ließ sich nicht zu endgültigen Zusagen bringen. Und so ist es bekanntlich zu Lebzeiten Herzls zu keiner Verwirklichung des politischen Zionismus gekommen. Herzl hat prophetisch vorausgesehen, daß dies erst später möglich sein wTürde. Sein Leben in diesen Jahren verlief wie ein gewaltiger Sturmwind. Er war fast ständig unterwegs, um in London, in Paris, in Konstantinopel, zu verhandeln. Da er nicht vom Zionismus leben wollte, im Gegenfeil, ihm sein ganzes Vermögen opferte, mußte er die Brotstelle bei der „Neuen Freien Presse" behalten, um für seine Familie sorgen zu können. Es gehört zu den tiefsten menschlichen Tragödien, Oin unfm (Bemcuiitemüglteöct! fiefeu tfie die Qfatffütyrungen in diefer Hummer t.u.x.Jeite. 4ie gewinnen filer ein auöerlnffigeö #ild tum öet ferneren totetfdfcßfcfcn ^0* «nferer Fernande. IdRetj #ie tüte dfe fjälffc der öom $man$amt geforderten Äuttuöö&gQ&en ote faefönflige törganäungöfteuet m die &B0e der (Bemerode, ßntjietyen Sic fiti) nirfjt unferer dringenden $itte um $eu}ü7e für die 1Do$lfa$rtäpflege/ für unfere in ujrem fteftond gefährdeten SinftaKetr und iStnrufftungenl ©er Öocftanö 6vt 3fcaelttif4en Äuttuägememöe {Hunden*