Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 19 (2.10.1928)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1928-10-02
- Page
- Seite 304 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 (perusdsimsse 'Truassi 'ixM^irmlhmiyeklskkif)^ Aass-SthneLdem. - Aodisches Beiwerk. entfernt von den ehrwürdigen Heiligtümern auf dem Sportplatz Jungen und Mädchen, sonnengebräunt und in ungebundener Freiheit, unter hebräischem Kommando an den Turngeräten oder bei der Leichtathletik sehen. Auch die arabische Jugend, sei sie mohammedanisch oder christlich, holt dann ihre Fußbälle hervor, um sich im sportlichen Wettkampf mit den alten-neuen Nachbarn zu messen. Und wenn z. B. an einem Großkampftage Jerusalem die aus Bagdad per Flugzeug und Auto herbeigeeilte Militärmannschaft besiegt hat, so ist das keine Erzählung aus Tausend und eine Nacht, sondern Wahrheit.Selbstverständlich ist die Turnsprache hebräisch und dem außenstehenden Beobachter, dem hebräisch nur als tote, klastische oder höchstens im Gebete lebende Sprache bekannt war, mag es wunderlich genug erscheinen, daß man sich heute mit Ausdrucksmitteln der Bibel über Tiefstart, freie Felge und Mittelstürmer unterhalten kann. Tempora mutantur! Die Zeiten ändern sich; wir fanden einstmals ein kriegsfrohes Volk, das unter Bar Kochba den Römern zu trotzen vermochte, wir sahen ein körperlich schmächtiges und verfallenes Gemeinwesen in Ghettis eingesperrt, wir erleben fetzt, daß Juden Olympioniken werden, wie es Abraham 1924 im Hundertmeterlauf wurde, daß eine Bewegung besteht, deren höchstes Ziel wieder der schöne, wohlgestaltete und würdige Jude ist. Seligmann vaer vamberger Der 2. Sukkaus-Feiertag dieses Jahres ist ein bedeutsamer Gedenktag der Würzburger Gemeinde. Sind doch an ihm 50 Jahre verflossen seit jenem Tage, an dem der bekannte Rabbiner Seligmann Baer Bamberger mitten während des Gottesdienstes in der Synagoge seine reine Seele aushauchte. S. B. Bamberger wird mit Recht häufig neben den anderen großen Führern des traditionellen Judentums, neben Samson Raphael Hirsch und Esriel Hildesheimer genannt. Eine selten markante und eigenartige Persönlichkeit. Sein Bildungsgang weicht stark von dem in heutiger Zeit gewohnten ab. Geboren am 6. November 1807 in Wiesenbronn, wo er als Knabe den Unterricht des Ortsrabbiners erfuhr, kam er als kaum 15jähriger Knabe auf die Jeschiwa nach Fürth, und wurde so Schüler des Rabbiners Wolf Hamburger, von dem er auch später die Hatoras Haurooh (Rabbinatsautorisation) erhielt. Nach etwa 5jährigem Aufenthalt in Fürth kehrte er nach Wiesenbronn zurück, wo er eine Materialienwarenhandlung eröffnete und ungefähr gleichzeitig sein Hauswesen begründete. Sein Name als eines bedeutenden Gelehrten hatte sich schon derart verbreitet, daß viele Schüler zu ihm kamen und bei ihm lernten. Anläßlich einer 1836 von der Regierung einberufenen Versammlung trat er zum ersten Male öffentlich hervor. Es war eine Zeit, in der die Reformbewegung im Judentum bereits große Anhängerschaft erworben hatte und es wurde geplant eine Art Oberkirchenbehörde für ganz Bayern zu schaffen, was Bamberger durch fein entschiedenes Auftreten zu verhindern wußte. Durch dieses Auftreten war er in weiteren Kreisen bekannt geworden und als es sich nach dem Tode des Rabbiners Bing um die Besetzung des Rabbinats Würzburg handelte, wurde Bamberger im Jahre 1840 zum Rabbiner gewählt und hat dieses Amt dann 38 Jahre verwaltet. Hier hat er seine bekannte Jeschiwa begründet, die aus allen Teilen Deutschlands besucht war. Eine ganze Generation von Rabbinern und sonstigen Kennern des jüdischen Schrifttums hat beim „Würzburger Raw" — als solcher war er im Volksmunde bekannt — ihre Ausbildung erfahren. Es war nicht nur das große Maß von Wissen, das dieser Meister seinen Schülern mit hinausgab aus ihren Lebensweg: mindestens ebenso groß war der starke Einfluß seiner in sich geschlossenen, ernst gewissenhaften Persönlichkeit, die ihm Liebe und Verehrung seiner Schüler sicherte. Ist doch von ihm — um nur ein kleines aus seinem Leben zu erzählen — bekannt, daß er jedesmal, wenn er einem Schüler oder Freunde einen Brief zur Besorgung gab, die entsprechende Briefmarke vernichtete, um so dem Staat nicht das ihm zukommende Recht zu rauben. Durch diese Jeschiwa hat Bamberger starken Einfluß auf die Entwicklung des jüdischen Lebens in Deutschland geübt. In gleicher Richtung dienten auch seine Werke in erster Linie dem praktisch religiösen Leben; es sei erinnert an seine Arbeit über die Schächtvorschristen (Maure lesowchim), über das Schreiben der Thorarollen (Meleches schomajim), über die Chaliza (nachale dewasch) und an das deutsch geschriebene Werk über die Ehegesetze (Amiro lebes Jaakauw). Im Jahre 1855 wurde auf seine Veranlassung die jüdische Unterrichts- und Erziehungsanstalt von der Gemeindeverwaltung geschaffen, die heute noch als staatliche Volksschule besteht. Veranlassung bot die Erkenntnis, daß den Kindern, die fast ausschließlich öffentliche Schulen besuchten, die nötige Zeit zum Studium der jüdischen Religion und das jüdische Milieu überhaupt fehlten. Als 1859 die unterfränkische Regierung an die Rabbiner herantrat und auf den starken Mangel an Religionslehrern hinwies mit der Aufforderung Mittel anzugeben, wie die Verhältnisse zu bessern seien, ging Bambergers Streben dahin, eine besondere Israelitische Lehrerbildungsanstalt zu schaffen, die er dann kraft der ihm eige- Viktoria-Motorräder 350 bis 600 ccm. Prospekte und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr» München Thalkirchner Str. 66/70 Tel. 55136 und 57 5 93