Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 19 (2.10.1928)
- Article
- Leibesübungen bei den Juden
- Date
- 1928-10-02
- Page
- Seite 301 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 18 BaneriMik Israelitische Gememdezenung 301 Aufmarsch der Teilnehmer beim 1. Pessach Sportfest in Jerusalem die anderen vorhandenen Schriften sind teilweise wegen der allgemeinen Einstellung der Verfasser den Juden gegenüber nur mit gewisser Vorsicht zu verwerten. Mit dieser „Ungunst der Verhältnisse" müssen wir rechnen, wenn wir historisch die Entwicklung zu betrachten suchen. I. Die biblische Epoche weift uns darauf hin, daß das jüdische Volk ein urwüchsiges Arbeitervolk von Ackerbauern und Viehzüchtern war. Nach Jesajah (28, 26) soll diese Arbeit den Menschen von der Gottheit selbst gelehrt worden sein und damit eine besonders heilige Beschäftigung darstellen. Neben der Betonung einer körperlichen Betätigung an sich ging eine bewußte körperliche Erziehung einher, die zunächst in den Händen deö Vaters lag. Wir wissen, daß es dem Vater eine Pflicht war, seinen Sohn schwimmen zu lehren, ebenso wie er ihn in Thora und Beruf zu unterrichten hatte. Im Sefer hajjaschar soll ein alter Brauch, das Bogenschießen, bereits verzeichnet sein- Vermutlich kann man alle Arten von Leibesübungen anführen, denn an einzelnen Stellen sind immer wieder besondere Ubungsarten zu finden. Das schon aus dem Grunde, weil im Kriegs- und Ritualdienft eine große Mannigfaltigkeit von körperlichen Geschicklichkeiten notwendig waren. So wird über Ringen, Gewichtheben, Stemmen bei Sacharjah 12, 3 gesprochen, wozu Hieronymus bemerkt: „Mos est in urbibus Palaestinae et usque hodie per omnem Judaeam vetus consuetudo conservatur, ut in viculis, oppidis et castellis rotnndi ponantur lapides, gravissimi ponderis, ad quos iuvenes 86 exercere soleant et eos pro varietate virium sublevare.... (ed. Migne Bd. 5 — 6, S. 1185). Dr. Muntner weift darauf hin, daß es für den Tanz nicht weniger als zehn Ausdrücke in der hebräischen Sprache gibt. Sicher war der Tanz auch die älteste Form des Gebetes. Der Tanz ums goldene Kalb, das ^inv2 rac* -nSi-p, das David dem Volke zurief, und selbst die Bezeichnung unserer Feste mit jn ist wohl auf :un, einer jener zehn Möglichkeiten für das Wort Tanz zurückzuführen. Auch in der talmudischen Zeit, die von vielen Rabbinern des Mittelalters als eine die Leibesübungen ablehnende Epoche dargeftellt wird, war dem Tanz besonderes Augenmerk gewidmet. Man kannte allein achtzig verschiedene Arten (Lev. v. 12, 156b). „Das Ideal dieser Zeit war der körperlich und geistig ebenmäßig durchgebildete Mensch. Eher, als das Römerwort: „Sit mens sana in corpore sano“ fiel, prägten die Juden das Motto: ncip '^2 by n'ir N2'22'N „die Weisheit (die göttliche Allmacht) ruhet in wohlgestalteten Menschen". (Ned. 38a.) Ähnlich klingt der Ausspruch: Im gesunden und wohlgestalteten Körper offenbart sich Gottes Allmacht. (Bechor 64a.) In das Sanhedrion und als Priester wurden nur gesunde und schön gebaute Menschen zugelassen (nach Sanhedr. 17a, Menach. 49a, 65a). Der Judenfeind Tacitus kann nicht umhin, zu schreiben (Hist. 5, 6 ff.): „Corpora salubria et ferentia laborum“, „ihre Körper sind gesund und den Strapazen gewachsen". Die Chaldäer baten ihren König, die jüdischen Jünglinge, „welche an Schönheit die Sonne beschämten" (Sacch. 92b) umzubringen, weil sich bei deren Anblick Eros ihrer bemächtige (nach Dr. Muntner, Menorah 26, zitiert). Es ließe sich noch eine Fülle einzelner Tatsachen anführen, die recht wohl geeignet wären, die ablehnende Stellung der Juden den Leibesübungen gegenüber zu zerstreuen. Selbst das Talmudverbot, Theater und Zirkusse der Römer zu besuchen, spricht nicht dagegen, da auch heute die verschiedenartigsten Auswüchse des Sportes: die Sechstagerennen, Berufsboxkämpfe den Gladiatorenspielen und Tierhetzern analog sind, zu denen ein wirklicher Sportsmann auch jetzt nur abweisend Stellung nehmen kann. Bisher wurde einem Gebiet keinerlei Beachtung geschenkt, nämlich der H e i l g y m n a ft i k. Es ist selbstverständlich, daß Turnstunde im Hofe der Realschule in Haifa XS3H.- STOLtWERCK i SCHOKOLADE-PRALINEN 1