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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-10-01 · 19 (1.10.1936) · p. Seite 413

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
19 (1.10.1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung' 413 Schwarzen und einem sterbenden Kind, hat ein ganzes Land, ja eine Welt, in Aufruhr gebracht. „Sind Sie die kleine Frau, die den großen Krieg entfesselt hat?", grüßte Benjamin Franklin später die tapfere Frau. Harriet Becher-Stowe wurde später von ihren Zeitgenossen mit Mirjam. Debora und Judith verglichen. Auch sie durfte, wie man ihr bezeugte, am Ende ihres Lebens 'das Lied anstimmen: „Singet dem Herrn, denn er hat wunderbar gesiegt". — Während aber die Befreierin der Sklaven in einem langen Leben ihre Aufgabe zum großen Teil erfüllen konnte,, mußte Josephine Butler, die schmachvollsten Angriffen von Ärzten, von Politikern, von Zeitungen ausgesetzt gewesen ist, einen noch schwereren sieglosen Kampf durchführen. Es war der Kampf gegen die staatlich geschützte Prostitution, gegen die Erniedrigung einer Gruppe von Frauen, gegen die Ungerechtigkeit und Heuchelei der doppelten Moral. Wenn es ihr auch nicht beschieden war, die Verwirklichung ihres Gedankens zu erleben, so hat sie doch den Grund geschaffen für eine neue geschlechtliche Sittlichkeit und eine würdigere Beziehung zwischen Mann und Frau. Der Raum erlaubt es :nicht, die dramatisch bewegten Lebensläufe dieser Kämpferinnen für das Gute hier im einzelnen darzustellen. Da ist Amalie Sieveking, die Hamburgerin, die einst die Armenpflege neu gestaltete und den sozialen Beruf der Frau eigentlich erst entdeckte. Florence Nightingale erkämpfte sich und ihren Zeitgenossinnen den Beruf der Krankenpflegerin und gelangte auf diesem Wege zu einer Reform der gesamten Krankenpflege während des Krimkrieges. Louise Otto-Peters und Susan B. Anthony stritten für die Selbständigkeit und geistige Freiheit der Frau und für ihr Recht auf Bildung und: Arbeit. Bertha von Suttner, die vielverlästerte „Friedensbertha", steht in der vordersten Reihe jener Menschen, die dem Weltfrieden zustrebten. Es wird die Leser dieses Blattes besonders berühren, daß sie auf ihrem dornenvollen Wege zur Verwirklichung ihres Gedankens auch mit Theodor Herzl in Berührung kam. Endlich hat Eglantine Jebb nach dem Weltkriege Tausende von; Kindern vor Hunger und Verwahrlosung bewahrt. Es ist eine erlauchte Reihe von Kämpferinnen, die uns hier vorgeführt werden; es tut gut, in der reinen Luft dieser Menschen zu atmen. Zu ihnen tritt als würdige Schwester eine Frau, deren Name in diesem Buche nur einmal erscheint, nämlich auf dem Titelblatt: Alice Salornon, die Gründerin der sozialen Frauenschule in Berlin. Wer dieses Buch gerade jetzt liest, dem wird dabei das Bild einer anderen heroischen Frau auftauchen, deren. Leben ein einziger Kampf um die Verwirklichung des gleichen Ideals gewesen ist: Bertha Pappenheim, die vor kurzem von uns gegangen ist «und deren heroischer Kampf gegen alle Schäden und Schwächen und für alle Ideale unserer Gemeinschaft uns allen unvergessen bleibt. B. B. St. Wäscherei Rammerstetter Herzog-Wilhelm-Straße 24 Telefon 10086 Herren- und Damenwäsche, Haushaltu. Pfundwäsche, Bügelwäsche sorgfältig ♦ rasch preiswert. Die gute Qualität entscheidet! Winfer-Ulsler und Paletot werden Iknen ohne Kaufzwang bereiiwilligsi vorgelegt. Fachmännische Beratung! Itosciifelder Gegr. 1878 Bayerstrarje 5 Aus der Gemeinde München Zum Heimgang von Isaak Bacharach. Nach längerem Leiden verschied im 72. Lebensjahr Isak Bacharach, eine der beliebtesten Persönlichkeiten innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde München. Seit langen Jahrzehnten war er unermüdlich im Dienst der Krankenpflege und der Fürsorge für die Toten tätig, außerdem besorgt um Ausstattung und Würde des Gottesdienstes. So hatte er Sitz im Synagogenauscbuß nind im Ritualausschuß der Gemeinde, er hatte das Ehrenamt des gemeindlichen Beauftragten und Aufsichtsrats für die Friedhöfe inne und betätigte sich unermüdlich für 'die Chewra-Kadischa. Bis zu seiner Erkrankung vertrat Isak Bacharach die Gemeinde im synagogalen Ehrendienst. Die allgemeine Verehrung und Dankbarkeit, der sich der Heimgegangene erfreute, kam zum Ausdruck bei der Beerdigung, bei der die Trauerhalle die vielen Hunderte von Gemeindemitgliedern, die sich eingefunden hatten, um Isak Bacharach die letzte Ehre zu erweisen, nicht fassen konnte. Gemeinderabbiner Dr. Leo Baerwald zeichnete ein Bild des Entschlafenen und hob hervor, welch grundgütiger, immer hilfsbereiter und frommer Mann in ihm von uns gegangen ist. Der Vorsitzende der Gemeinde, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neameyer, brachte den Dank der Gemeinde und ihrer Führung zum Ausdruck, Herr Albert Neubörger den der Chewra-Kadischa und Landgerichtsrat Dr. Moritz den des Synagogenausschusses der Gemeinde. Leo Graetz SO Jahre. Am 26. September konnte Professor Leo Graetz, durch seine Forschungen und Lehrbücher auf dem Gebiet der Elektrizität auch weiteren Kreisen bekannt, seinen 80. Geburtstag feiern. Leo Graetz ist der Sohn des jüdischen Geschichtsschreibers Heinrich Graetz. 1883 habilitierte sich Leo Graetz an der Universität München, der er seit 1907 als ordentlicher Professor für Physik b\s zu seiner Emer.itierung angehörte. Sein Lehrbuch „Die Elektrizität und ihre Anwendung" (1925 in 22. Auflage) hat auch außerhalb der Fachkreise physikalische, besonders elektrotechnische Kenntnisse gefördert. 75. Geburtstag. Am 27. September konnte Herr Simon Löwenthal. München, Sigmundstraße 1, seinen 75. Geburtstag feiern. Chug Iwri 3. Oktober, 20.30 Uhr, Lessingsaal. Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München Konzert des Mendelssohn-Trios (Leipzig:) am 10. nnd 11. Oktober (Museum) Lichtbilder-Vortrag Dr. Max Osborn (Berlin) „Alte nnd nene Kunst in Palästina' am 28. und 29. Oktober (Museum)

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