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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 523

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Die subjektive Judenfrage
Date
1938-03-01
Page
523 (sequence 8)
Language
German
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Die subjektive Judenfrage verstehen, der es entstammt Und wie der Einzelne für sich einen Lebens- und Selbsterhaltungstrieb hat, so hat er ihn normalerweise auch für seine Gruppe, sein Volk. Die Besonderheit des jüdischen Volkes liegt hierbei darin, daß es sich weniger an sichtbaren Merkmalen (Sprache und Land) charakterisieren läßt. Welche ungeheuren Kräfte aber gerade aus dem Bewußtsein dieser einzigartigen Besonderheit strömen können, sagt ein Gedicht wie Beer-Hofmanns „Schlaflied für Mirjam" schöner, als jede logische Beweisführung es könnte. Die Bejahung eines jüdischen Lebenswillens ergibt sich erst recht aus psychologischen Notwendigkeiten. Die jüdische Überseewanderung unterscheidet sich von der Palästinawanderung dadurch, daß ihr eine unmittelbare jüdische Sinngebung fehlt. Das Auswanderungsziel hängt mehr oder weniger von persönlichen Zufälligkeiten (Verwandtschaft, Beruf, Einwanderungsbedingungen) ab. Die dauernden Veränderungen in den einzelnen Einwanderungsländern bringen es mit sich, daß mancher im letzten Augenblick gezwungen wird, seine Route zu ändern und statt des Landes, auf das er sich lange Zeit vorbereitet hatte, plötzlich ein völlig andres Land, ja einen andern Erdteil aufzusuchen. Die lebensentscheidende Tragweite einer solchen Zielverschiebung kommt uns oft gar nicht zu Bewußtsein, und wir tauschen die Schiffskarten vielfach nicht viel anders um, als wir auf einem Ausflug die Vorortbahnkarten umtauschten, wenn wir den ursprünglich vorgesehenen Zug gerade verpaßten. Sicherlich ist es gut so, die Nerven nicht noch mit solchen Überlegungen zu überlasten. Die unverschuldete Beziehungslosigkeit, die jede Überseewanderung in sich schließt, verlangt dennoch nach einem Ausgleich. Wir müssen unsere Wanderung adeln, indem wir sie als Juden antreten. Und wir müssen, nicht ohne Ehrfurcht und Schaudern, uns mit dem Gefühl erfüllen, als einzelne Staubgeborene nicht wie der „normale" Mensch einem räumlich fest abgesteckten, durch Gewohnheit und Tradition vertrauten Lebensraum für immer verhaftet zu sein, sondern dem Erdball in seiner ganzen Größe gegenüberzustehen. Vor allem aber gilt es, dem Einzelnen einen menschlichen Rückhalt an seiner Gemeinschaft zu geben. Wenn auch eine Das Februarhefi enlhiell u. a.: Judentum für alle Taae / Eduard Slrauß, Martin Buber / Marlin Buber, Worte an die Zeit f Manfred Sturmann, Elegien I Armand Lunel, Purim im Comtat I Werner Cahnmann, Theodor Herzl — so oder so? / Max Birnbaum, Binnenwanderung als Etappe der Auswanderung | Oskar Gultmann. Wie schaffen wir eine jüdische Musik? Im Aprilhefi schreiben u. a. Jakob Picard, Erinnerung eignen Lebens / Moritz Kaswan, Die Verlobung 523

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