Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 12 (März 1937)
- Article
- Ein Symposium der Forschung [Rezension]
- Date
- 1937-03-01
- Page
- 569 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wiesen, dann aber mit allen Ehren und Auszeichnungen bedacht wurde. Von Gasters rumänischer Forschung erzählt N. Cartojan als Vertreter der Rumänischen Akademie. Den Leser in Deutschland werden vielleicht am meisten jene Beiträge berühren, die zu den großen Lehrern Gasters in der Wissenschaft des Judentums hinführen: Zunz und Graetz erscheinen beide mit unveröffentlichten Briefen. In Freud und Leid eines jüdischen Forscherlebens lassen die von Ismar Elbogen veröffentlichten Briefe von Zunz hineinsehen, der am Ende seines Lebens zwar als „Held der jüdischen Forschung" gefeiert wird, in seinen persönlichen Erwartungen aber doch aufs tiefste enttäuscht ist. Anziehender noch sind die wenigen Briefe von Graetz, die, in der verschollenen Zeit des Berliner Kongresses geschrieben, zusammen mit eigenen Briefen des jungen Gaster davon berichten, wie Gaster schon damals für die Sache der rumänischen Juden zu wirken suchte. In das Reich biblischer Forschung führen dann u. a. eine scharfsinnige Studie von S. Krauss, die sich an einen vielumstrittenen Ausdruck im Hohenliede anschließt, der in hebräischer Sprache geschriebene Beitrag Büchelers, der den Begriff des „Kanaanitischen Knechtes" behandelt, Kaminkas Erklärungen einiger schwierigen Stellen aus den Psalmen und G. Travers, des Pharisäer- Forschers, Hypothese über die Entstehung der Pirke Abot. Gaster war ja auch ein „Hohepriester der Jiddischen Forschung"; zu diesem Gebiete sprechen hier B. Heller und J. Grünfeld, die sich mit dem von Gaster oft behandelten und ins Englische übersetzten Maasse-Buch beschäftigen, und Professor Jopson von der Universität London, der das Judaeo-Spanisch behandelt, während Max Weinreich vom Jiddischen Institut in Wilna in einer formpsychologischen Untersuchung die Entwicklung des Jiddischen darstellt Es ist an dieser Stelle nahezu unmöglich, auf alle die lockenden und inhaltsreichen Studien aus den Gebieten der Volkskunde und der Archäologie einzugehen. Erwähnt seien noch die Studien zu Moses Mendelssohn von Simon Ravidowicz, der eine Gesamtwertung des Aufklärungsphilosophen von der Gegenwart her versucht, und von Bruno und Bertha Strauss, die ein vielumstrittenes Mendelssohn-Rätsel, „Wer war der Mann von Stande?", aufgrund von textlichen Hinweisen und neuen Quellen zu lösen versuchen und in dem unbekannten adligen Judenfreunde, dessen geheimnisvoller Brief an Mendelssohn, wohl ein Judenstaatsprojekt enthielt, den Grafen Rochus von Lynar entdecken. Als ein besonderer Leckerbissen auf der reichbesetzten Tafel aber erscheint der nicht nur mit bekannter Sachkenntnis, sondern auch mit überlegener Stilkunst geschriebene Aufsatz des Nestors der Jüdischen Bücherfreunde Elkan Adler, der, nach einem Überblick über die Gattungen der illustrierten jüdischen Handschriften, die aufregende Geschichte von seinem erfolglosen Kampf um eine bibliografische Kostbarkeit erzählt, um ein illustriertes jüdisches Andachtsbuch aus dem 15. Jahrhundert, das von „Aramban" (= Ramban) geschrieben und von 569