Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 225 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen „In der Entwicklung seiner Begriffe war etwas so Nettes..., daß kein Schriftsteller, den ich kenne, ihm darin gleichkommt" (Garve). „Er ist's, der seine Weisheit in ein Licht der Deutlichkeit zu stellen weiß, als hätte es die Muse seihst gesagt" (Herder). „Es ist nicht in jedes Gewalt, den philosophischen Geist mit dem Schwünge der Schreibart und den feinsten Blumen der Belesenheit wie ein Moses und Abbt zu verbinden" (Herder). „Es ist nicht jedermann gegeben, so subtil und doch zugleich so anlockend zu schreiben als David Hume oder so gründlich und dabei so elegant als Moses Mendelssohn" (Kant). „Es sind wenige so glücklich, für sich und zugleich in der Stelle anderer denken und die ihnen allen angemessene Manier im Vortrage treffen zu können. Es ist nur ein Mendelssohn" (Kant). „Wenn auf irgendeinen der deutschen prosaischen Schriftsteller angewandt werden soll, was Homer von seinem Nestor sagte: Honig enttriefte den Lippen des Redenden, so ist's gewiß unser Weltweiser; nie ist Wahrheit und Schönheit so schwesterlich beieinander gegangen" (Jenisch). „Wie Regen fließt Deine Rede, wie Tau fließt Dein Wort" (Hartwig Wessely). Selbst sachlich Andersdenkende werden, wie Jakob, der Kritiker der „Morgenstunden", sagt, durch „die wohlklingende und einnehmende Sprache unseres Philosophen so bezaubert, daß „auch der stärkste Gegner sich wenigstens auf eine Zeitlang besiegt glaubt." Richtig ist das wiederholte Urteil, daß Mendelssohn von der französischen Windmacherei und Witzelei weder im Inhalt noch in der Form viel wissen wollte und Wert auf geradlinige Einfachheit des Ausdrucks legte. Über den Phädön bemerkte er selbst einmal zu Nicolai, daß im ganzen Buche nicht eine einzige Antithese sein werde, — ein bewußter Gegensatz zu den Künsteleien der aus Frankreich kommenden „lustigen, abgebrochenen, witzigen Schreibart" ä la mode. Erwähnenswert ist noch, daß Mendelssohn sich im Gespräch ähnlich ausgedrückt haben muß wie in schriftlicher Rede. Nach Moritz beobachtete er die Reinlichkeit und Eleganz der Sprache auch in seiner mündlichen Ausdrucksweise — mit einer Genauigkeit, setzt von Schütz hinzu, daß selbst geborene Deutsche ihn mit Recht beneiden konnten. Nach ihrer mehrstündigen Unterhaltung mit Moses schreibt Königin Ulrike von Schweden, er habe eine Klarheit im Ausdruck, wie sie sich unter den Metaphysikern nicht mehr findet, und 16 225