Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 236 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Goldstein ihre Unfehlbarkeit in Bedenken. Ihr Einfluß schwand mit dem Schwinden ihres Ansehens und empfing den Todesstoß, als uns mit der Verachtung gegen ihre Anmaßungen und lächerlichen Hochmut zugleich die Widerwärtigkeit ihres Charakters und die Roheit ihrer Sitten verekelt wurden". Einige der aus Polen stammenden Rabbiner redeten und warfen Donnerkeile gegen Mendelssohns Uefoersetzung, ohne bisweilen auch nur ein Blatt davon gesehen zu haben. Besonders scharf und hartnäckig ging Raphael Kohen vor, der Rabbiner der drei Gemeinden Altona-Hamhurg-Wandsbeck. Von ihm brachte der Hamburger Korrespondent die Nachricht, daß der Oberlandesrabbiner alle diejenigen Juden in den Bann getan, welche die Uebersetzung der Bücher Moses, die H.M.M. in Berlin zum Verfasser hat, lesen werden. Ein anderer bekannter Oberrabbiner, Ezechiel Landau zu Prag, sprach sich ebenfalls gegen das Unternehmen aus, und zwar weil das Deutsch Mendelssohns „zu hoch" wäre und namentlich die jüdische Jugend zu sehr von den Grundlehren der Thora ablenken könnte. Aus diesem Grunde empfahl Rabbi Landau eine neue wörtliche, mehr sklavische Uebersetzung von S. Gloga. Dieser Einspruch verletzte die Freunde Mendelssohns, und einer von ihnen trat im „Sammler" mit aller Schärfe gegen die Herabsetzung des Meisters und die Empfehlung der neuen Uebersetzung auf: „Wer beherrscht so wie Mendelssohn die deutsche Sprache, daß er den Sinn des Originals in wenigen knappen Worten und Wendungen wiedergeben könnte? . . . Alle Weisen der Völker und ihre Aeltesten erkennen ihn emstimmig als den Vater der Uebersetzungskunst an". : Der also Angegriffene und Verteidigte „nahm seine Seele in Händen, richtete sein Auge auf die Berge, gab seinen Rücken den Schlägern preis" und sprach die klugen Worte: „Ich weiß es leider, wie viel Widerspruch, Haß, Verfolgung und dergleichen die geringste Neuerung, wenn sie auch wichtige Verbesserung zur Folge hat, beim Volke findet . . . Wenn meine Uebersetzung von allen Israeliten ohne Widerrede angenommen werden sollte, so wäre sie überflüssig. Je mehr sich die sogen. Weisen der Zeit widersetzen, desto nötiger ist sie." Es wäre verlockend, noch dem Leumund nachzugehen, den sich Mendelssohn durch seine beiden anderen Polemiken, durch die Kämpfe mit Lavater und Friedrich Heinrich Jacobi, erwarb. Beide Fehden verliefen, allen Böswilligkeiten und Verfolgungen zum Trotz, letztlich für ihn nicht unrühmlich. Im Lessing-Spinoza-Streit mit dem modernen Bonnet-Schüler Jacobi stand 236