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Der Morgen · 1936-10-01 · Heft 7 (Oktober 1936) · p. 299

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 7 (Oktober 1936)
Article
Über Grundsätze einer Jüdischen Politik
Date
1936-10-01
Page
299 (sequence 7)
Language
German
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Über Grundsätze einer Jüdischen Politik litischen Handlungen ist das Angebot, daß die Juden die undogmatische Taufe nehmen. Hier wird das Ziel der jüdischen Politik die Negation der jüdischen Wirklichkeit. Die radikale Konsequenz ist zwar vereinzelt, aber eines ist bei allen Vertretern der Epoche klar: Im neunzehnten Jahrhundert waren die politisch agierenden Juden auch eine Art von Schtadlanim, aber es besteht ein wesentlicher Unterschied zu früher. Cremieux, Montefiore, die Rothschilds, Gabriel Riesser, ja sogar schon Mendelssohn wurden zu jüdischen Politikern, weil sie sozusagen „in ihrem Hauptberuf" bei den anderen Völkern akkreditiert waren. Ihr Akkreditiv für die jüdische Politik erhielten sie nicht von der Stellung innerhalb des Judentums, sondern von der Stellung der außerjüdischen Sphäre. Sie waren das, was man Notabein nennt, und ihre Laufbahn wurde eingeleitet durch die Notabelnversammlung von 1806, wo in einem geschlossenen und sehr feierlichen Akte die noch jüdisch-akkreditierten jüdischen Notabein endgültig entmachtet wurden. Im Zionismus haben zum erstenmal wieder jüdische Politiker jüdische Politik gemacht, weil sie beim jüdischen Volke akkreditiert waren. Theodor Herzl ist nicht nur der Begründer der jüdischen Politik, sondern die erste von diesem Volke akkreditierte politische Persönlichkeit. In seiner Begegnung mit Rothschild und dem Baron Hirsch stehen zwei jüdisch-politische Welten einander gegenüber: Die Repräsentanten einer jüdischen Pseudopolitik von sehr hohen Graden und von sehr großer Bedeutung und der von dem Judenvolke ernannte und diesem Volke verantwortliche Führer Theodor Herzl. Das System der jüdischen Politik, das hier geschaffen wird, schafft sich eine neue Wirklichkeit. Zum ersten Male vielleicht in der Geschichte der Nationen übernimmt eine Gruppe die politische Führung einer Nation, obwohl ihr nur eine Minderheit folgt. Der Zionismus konstituiert sich selber als das jüdische Volk, und dieses jüdische Volk als ein „Volk unterwegs". Es ist aber nicht nur unterwegs zu seinem Lande, sondern es ist auch unterwegs zu sich selber. Wieso kann diese Minderheit jüdische Politik machen? Weil es keine jüdische Politik geben kann, ohne den Anspruch, die gesamte Nation zu vertreten, weil es nur eine Politik der Nationen geben kann und weil die Teile, die diese Nation nicht wollen, nur dann in dieser Politik agieren können, wenn auch sie sich in eine Vertretung, eine Jewish Agency, für dieses Volk begeben. Die unsystematische Politik der Schtadlanim mag es weiter in jedem Lande geben; auch ihre Rolle wird eines Tages von der gesamten Organisation übernommen werden müssen, weil sich von einem System der jüdischen Politik her schließlich auch inhaltliche Perspektiven für alle Ländergruppen ergeben werden. Von dieser inhaltlichen Bestimmung kann hier und in diesem Zusammenhange keine Rede sein. Es soll nur noch eines gesagt 299

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