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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 474

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1928-12-01
Page
474 (sequence 2)
Language
German
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Fritz Friedlaender mann und Walther Rathenau obwaltenden Freundschaft — infolge ihres Reichtums und ihrer seelischen Produktivität die schlagende Widerlegung des völkischen Dogmas vom Fremdsein des jüdischen Deutschen. Richtungweisend wirkte natürlich die Freundschaft Lessings mit Moses Mendelssohn, denn hier war zum ersten Male der Beweis erbracht, daß zwei Männer aus getrennten Lagern sich auf der Ebene des deutschen Kulturinteresses zu schöpferischer Arbeit zusammenfinden konnten; indem ein Jude auf den Geist Lessings nachdrücklich Einfluß gewann, wurde das moralische und intellektuelle Ansehen seiner Glaubensgemeinschaft ungemein gehoben; von nun an fühlte sich der Jude zur Mitarbeit am Fortgange der deutschen Kultur legitimiert Gewiß, viele Schwierigkeiten und Hemmnisse waren auf beiden Seiten zu überwinden, bevor ein fruchtbringender Austausch stattfinden konnte, denn groß und überwältigend bot sich das deutsche Kulturgut dem aufnahmebereiten Sinn der Juden dar: gerade weil es unerprobt, geheimnisvoll und begehrenswert vor ihnen stand, durften sie die gegebenen Vermittler und Verwalter dieser Schätze werden; an diesem Gegenstande entwickelte sich die dem Juden eigene Begabung für Kritik und Interpretation. Die humane und tolerante Stimmung der Aufklärung hatte die Aneignung des deutschen Kulturguts durch die Juden wohlwollend gefördert, jedoch auch viele mißtrauische und scheele Augen hatten jenen seltsamen und befremdenden Prozeß begleitet, bis dann in dem nationalistischen Milieu der späteren Romantik die mehr passive Gehässigkeit zu einer offenen Feindseligkeit ausartete. In gegenseitigem Verständnis war der kümmerlich lebende Jean Paul seinem jüdischen Freunde Emanuel Osmund nahegekommen. Emanuel Osmund wurde 1763, also in demselben Jahre wie Jean Paul, in der Nähe von Bayreuth geboren. Er hieß eigentlich Emanuel Samuel, denn den altdeutschen Namen Osmund hat er nicht zuletzt auf Jean Pauls Rat hin erst später, als die emanzipierten Juden allgemein deutsche Personennamen empfingen, sich beigelegt Im Jahre 1793 wurde Jean Paul mit ihm bekannt und aus der flüchtigen Begegnung erwuchs ein ungemein herzlicher Freundschaftsbund, so daß bereits am 3o. Oktober des folgenden Jahres der Dichter ihn als seinen „geliebten Emanuel" anredete. Er fühlte sich zu der Person des Freundes lebhaft hingezogen; nicht nur die körperliche Wohlgestalt, das gediegene Wissen und der klare Verstand, sondern namentlich die einfache Art, sich zu geben, sowie 474

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