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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 376

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Judentum und Humanität
Date
1926-10-01
Page
376 (sequence 11)
Language
German
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Alfred Stern: Judentum und Humanität Voraussetzung beruhe, als habe Mendelssohn erst aus Jaoobis Schrift dessen Behauptung, daß Lessing ein Anhänger der Lehre Spinozas gewesen sei, erfahren, und als sei es diese bloße Behauptung an sich gewesen, deren aufregender Eindruck als Ursache des Todes Mendelssohns anzunehmen sei. Und da er einmal auf Moses Mendelssohn zu sprechen kam, so benutzte er die Gelegenheit, sich auch gegen andere Stellen der Bauerschen Artikel zu wenden, in denen das Andenken Mendelssohns verunglimpft wurde. „Wir werden, rief er ihm zu, den erhabenen Verdiensten Mendelssohns um die humane Bildung seiner Glaubensgenossen stets mit dankbarer Verehrung huldigen, wenn wir auch die äußere Gestaltung, die er für die dem religiösen Leben wesentliche hielt, aus Überzeugung aufgegeben haben. Als seine Jünger werden wir uns stets fühlen in den Lehren der Weisheit und der reinen Menschlichkeit, und folgen werden wir ihm namentlich darin, daß er in dem überlieferten Religionsleben selbst einen Keim edler Menschlichkeit, einen Ausgangspunkt humaner Bildung erkannte. Hätte der Mensch in ihm sich stolz und feindlich zu den Juden verhalten, hätte das Judentum nicht eine Stelle in seiner Empfindung, in seinem Herzen eingenommen, keine Schonung, keine künstliche Rücksicht hätte den Mangel der Liebe ersetzen können, und seine geistige Wirksamkeit würde die Gesamtheit seiner Glaubensgenossen, an die keine lebendige Beziehimg ihn geknüpft hätte, unberührt gelassen haben. In dem rechten natürlichen Verhältnis des Allgemeinen zum Besonderen, des Menschen zu den Lebenskreisen, unter deren bildendem und belebendem Einfluß er Mensch geworden, beruht auch die segensreiche Rückwirkung des rein Menschlichen auf eben jene Kreise, beruht die Fortbildung, die Entwicklung der Individuen zur echten Humanität." — 376

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