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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 472

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Mendelssohns Tod
Date
1934-02-01
Page
472 (sequence 3)
Language
German
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Bertha Badl-Strauß heiten bieten und vor allem, weil diese Äußerungen in dem damals auflodernden Streit um die Ursache von Mendelssohns Tod eine besondere Stellung einnehmen. Rasch seien hier nur die Grundlinien dieses neuen „Streites um Mosis Leichnam" nachgezeichnet. Unmittelbar nach Mendelssohns Tode war seine letzte Schrift „Moses Mendelssohn an die Freunde Lessings" erschienen. In Engels Einleitung dazu fanden sich die vielumstrittencn Worte: „Den nächsten Anlaß zu diesem hier so gerecht und so allgemein bedauerten Tode gab eben das, was den Anlaß zu dieser Schrift gab . . ." Nun hatte zuerst die Vossische Zeitung in ihrer Anzeige dieser Schrift auf diese Worte Bezug genommen und sie noch verstärkt: „Lavaters Zudringlichkeit gab seinem Leben den ersten Stoß, Jacobi vollendete das Werk" (24.1.17SÖ). Dagegen erklärte sich der Kapellmeister Reichardt zum Verteidiger Jacobis und veröffentlichte zuerst in zwei Hamburger, dann auch in der Vossischen Zeitung ein Gespräch mit Mendelssohn, aus dem hervorgehen sollte, daß Mendelssohn durch Jacobis Schrift „durchaus nicht beleidigt wäre" und daß er die ganze Sache „leicht behandele". Sogleich aber wurden ihm in der gleichen Nummer der Vossischen Zeitung (7.2.17S6) von Herz und David Friedender nicht nur Ungenauigkeiten in der Wiedergabe des Gesprächs vorgeworfen, sondern es wurde ihm auch entgegengehalten, daß der bescheidene Mendelssohn mit seinen vertrauten Freunden in ganz anderem Tone über Jacobi gesprochen habe — „empfindlich und voller Indignation" — als mit dem flüchtigen Bekannten Reichardt. Leider verbietet es der Raum, den weiteren Verzweigungen dieses Streites nachzugehen, in dem wahrscheinlich, wie in den meisten irdischen Angelegenheiten, beide Parteien recht haben. Hofrat Herz, der Arzt und Freund Moses Mendelssohns, fällt das ärztlich salomonische Urteil: gewiß sei die Erkältung, die Moses sich zuzog, als er seine Schrift gegen Jacobi zum Drucker brachte, die wirkende Ursache seines Todes gewesen; aber Jacobis Schrift selbst, die ihn mehr als je irgend eine andere erregt habe, sei jedenfalls als die disponierende Ursache anzusehen. — Hören wir nun, wie die junge Kurländerin Mendelssohns Tod erlebte und beurteilte: Berlin, den 9. Januar I7S6 Sophie Becker an Elise Reimarus Welchen innigen Dank, edle Seele, sagt Ihnen mein Herz für Ihren Brief, den mir vor ein paar Stunden Nicolai selbst bredite! Er hat midi nach unseres Aloses Hintritt die erste Freude wieder empfinden lassen. Meine Elise! so werth. von dem Seligen mit Enthusiasmus geliebt zu werden, wie soll ich Ihnen meine Empfindungen über jedes Wort Ihres Briefes ausdrücken? . . . Alles ist heute Abend in die Oper. . . . Ich blieb zurück, theils weil idi einen harten Schnupfen 472

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