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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 237

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Warum ich Jude bin
Date
1928-08-01
Page
237 (sequence 25)
Language
German
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Warum ich Jude bin vorteilhaft entwickelten; schließlich forderte ein neuer Apostel, Theodor Herzl, die Juden der ganzen Welt auf, den jüdischen Staat zu schaffen. War dies die Lösung, die ich suchte? Sie erklärte gar manches. Wenn die Juden wirklich eine Nation waren, wurde verständlich, daß man sie auch noch für Juden hielt, wenn sie ihre Religion nicht mehr einhielten und man begriff auch, daß die Nationen, die sie aufgenommen hatten, sie beschuldigen konnten, ihre nationalen Interessen nicht immer zu teilen. Dann war es die Größe der zionistischen Idee, die auf mich wirkte; ich bewunderte an diesen Juden — und ich hätte es gern an mir selbst bewundert — die Treue zum Boden ihrer Ahnen, die 2000 Jahre überdauert hatte und ich stellte mir mit Erschütterung die allgemeine Auswanderung vor, die sie aus ihren zahllosen Verbannungen zur wieder errungenen Einheit zurückführen würde. Mein „Logiker" war seinerseits mit meinem Enthusiasmus sehr einverstanden. Er sah in der Möglichkeit meines Anschlusses an den Zionismus einen Weg zur Verständigung mit seinem jungen Nationalismus, sogar mit gewissen seiner antisemitischen Konsequenzen; auf diese Art hätten wir zwei gleichlaufende Wege verfolgt und hätten die Idee der Menschheit gegen die Idee des Vaterlandes vertauscht; für mich war es das jüdische Vaterland. Aber von allem Anfang an fühlte ich wieder einmal dunkel, daß meine Logik weniger streng war als die seine und daß ich, wenn ich nach meiner Gewohnheit aufrichtig gegen mich selbst sein wollte, seinen Schlußfolgerungen unmöglich bis zum Äußersten würde folgen können. Der dritte Zionistenkongreß sollte in Basel eröffnet werden. Ich entschloß mich, ihm beizuwohnen. Meine Kenntnis der deutschen Sprache gestattete mir, den Reden leicht zu folgen. Theodor Herzl erzählte von den Schritten, die er unternommen hatte, die Zustimmung des Sultans zu erreichen. Aus dem Bericht des Aktionskomites ging hervor, daß 100000 Juden schon der Partei angehörten, daß wenigstens 5ooooo Juden auf der ganzen Welt schon Zionisten waren. Das Projekt einer jüdischen Kolonisation auf Cypern, das man dem palästinischen Projekt entgegengestellt hatte, wurde fallen gelassen. Man widerlegte die Behauptung gewisser Gegner des Zionismus, daß die Bewegung eine Gefahr für die nichtzionistischen Juden bedeute. Ich gewahrte viel Beredsamkeit, Begabung, Glaube, vor allem aber beobachtete ich. Welche Kontraste innerhalb des Judentums, dessen Vertreter hier versammelt waren: der bleiche Pole mit den vortretenden Backenknochen, der Deutsche mit der Brille, der Russe mit seinem gütigen Blick, der bärtige 237

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