Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Ein ungedruckter Brief von Caroline Herder an Garlieb Merkel
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 404 (sequence 2)
- Language
- German
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Paul Michaelis einandergekommen sind. — Erlassen Sie mir's aber — es ist mir unangenehm. Frölich mag in seinem Brief recht gehabt haben; er hatte mich aber als ein so gemeines Weib behandelt, als ob ich ihn in die größte Gefahr setzen wollte, daß alle meine Kinder einstimmig waren, zurückzutreten, zumal da er sich in die innere Einrichtung der Schriften zu dictatorisch einmischte. Er war durch das juristische Einreden zu sehr erbittert. Wir konnten's nicht mehr anders einleiten — es war Schicksal, — es sollte nicht seyn. Demohngeachtet bleib© ich Frölich dankbar, und vor allen, Ihnen, ewig dankbar. Sie haben uns auf den rechten Weg geholfen — und dies werden ich und meine Kinder nie, nie vergessen. Auch jetzt noch müssen Sie fortfahren Theil an uns zu nehmen. — Wenn wir gleich von Frölich zurückgetreten sind, so sind wir's doch nicht von Ihnen, theurer innig Verehrtester, der unsern Seligen s o hiebt und ihn öffentlich ehrtl — Ein jedes Wort, das Sie über unsern Unvergeßlichen sagen, dankt Ihnen mein Herz unaussprechlich. So, für die Yergleichung Seiner mit Engel1), und anderes. Ach, Sie gießen damit jedesmal in das wunde Herz Balsam. — Seit einem Vierteljahr habe ich Ihren Freimütigen 2) nicht mehr gelesen; — ohnerachtet er in Schneeberg gelesen wird, so habe ich ihn doch nicht habhaft werden können. Ich werde ihn hier wieder lesen — mein einziges Zeitungsblatt. Theurer, ich sende Ihnen, zutrauensvoll zu Ihrer unwandelbaren Freundschaft, mehrere Anzeigen — auch S i e werden unser großes Anliegen als das Ihrige ansehen und bei Ihren nahen und fernen Bekannten und Freunden Theilnahme erwecken und es zu fördern suchen (o, die Clique möchte so gern das Gegenteil befördern und prophezeien — dieses Neue hat mich hier bei meiner Rückkunft bewillkommt!) Treue edle Freunde müssen jetzt thätig für uns seyn — und diejenigen aufsuchen, die subscribieren können. Sagen Sie Ihrem Freund Friedländer 3) meinen herzlichen Gruß — er ist ja auch ein» Freund unseres Seligen — vielleicht findet Er unter den Edlen seiner Nation einige Theil-; nehmer, Subscrihenten! Bitten Sie Ihn in meinem Namen darum. Mich dünkt der orientalische Geist unseres Unvergeßlichen müsse von dieser Nation vorzüglich erkannt und geliebt werden. — Er hat ihr ja noch in seiner Adrastea *) ein so gerechtes Denkmal errichtet! Theurer, ich bitte ferner, außer Ihren Freunden und Bekannten in Berlin, unter denen Sie hie oder da Einen durch Ihren Geist und iiebevolle Vorsprache gewinnen werden, suchen Sie auch unter Ihren entferntenFreunden einige auf. Wir müssen die Guten in Deutschland einzeln aufsuchen, wie die Perlen am Meer. Wir dürfen nicht zuviel erwarten. Daher wird mir jeder Einzelne dankbar willkommen sein. Haben Sie in Potsdam, wo Sie einige Zeit lebten, in Frankfurt a. d. Oder oder in Liefland Theilnahme zu hoffen? Herr General Superintendant Sonntag und Herr Wilpert in Riga wollen Subscrihenten sammeln. — Vielleicht finden Sie noch einige in Ihrem Vaterland, die Jene nicht finden. Lassen Sie sich die Mühe nicht schwer werden.Theurer, Seine Schriften, Seinen Geist verbreiten — alle Guten gehören zu Ihm und Er zu ihnen. Haben Sie die Güte beikommende Anzeige in den Freimütigen einrücken zu lassen, wenn es nicht schon geschehen ist. Wir sind noch in der Schuld von der ersten Anzeige — über Beide lassen Sie mir die Note fertigen, Gütiger. Wenn Sie im Großen uns reelle Dienste leisten, so müssen Sie auch nicht noch für uns bezahlen. Werden Sie in Berlin die Humanitäts-Gesellschaft zur Subscription gewinnen?!) Engel (17^1—1802), der „Popularphilosoph". Hauptwerk: „Der Philosoph für die Welt". 2) Im „Freimütigen" führten Merkel und Kotzebue einen literarischen Kampf gegen Goethe und die Romantiker. 3) David Friedländer (1760—1834), Schüler Moses Mendelssohns, bat im Jahre 1799 Merkel, Herder zu bewegen, etwas über den moralischen Wert der Judentaufe zu sagen. Herder antwortete: er wisse auf diese Bitte Friedländers keine andere Antwort als den Zuruf Voltaires: „Puisque vous etes juif, soyez — le donc!" 4) Im 7. Stück der Adrastea heißt es: „Nicht durch Einräumung neuer mercantilischer Vorteile führt man sie (die Juden) der Ehre und Sittlichkeit zu; sie heben sich selbst dahin durch rein menschliche, wissenschaftliche und bürgerliche Verdienste. Ihr Palästina ist sodann da, wo sie leben und edel wirken, — allenthalben.' 404