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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 226

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
Date
1929-08-01
Page
226 (sequence 7)
Language
German
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Ludwig Goldstein Nicolai meint, daß es zu dem Mißverständnis zwischen Jacobi und Moses bei mündlicher Aussprache gar nicht gekommen wäre. „Denn er besaß eine ihm ganz eigene Gabe der Konversation, eines andern Gedanken zu fassen, zu vergleichen und das tertium mediae zu zeigen, worin sie mit dem seinigen zusammen kämen." Das wurde ihm um so leichter, als es seine gewöhnliche Art war, den anderen erst einmal ohne alle Unterbrechung ganz anzuhören. Zur Kennzeichnung des Schriftstellers Mendelssohn zieht Herder ein Wort Pascals heran: wie wohl einem werde, wenn man statt eines Schriftstellers einen Menschen in einem Buch reden hört: „noch wohler wird's einem, wenn dieser Mensch zugleich ein Weiser ist". Und ganz ähnhch meint Garve: „Man sieht, wie in Piatos Schriften, immer zugleich den Menschen, und zwar den guten, edlen, liebenswürdigen Menschen". Und in der Tat dürfte das Geheimnis von Mendelssohns außerordentlichen Erfolgen nicht zuletzt in seinen reinmenschlichen Eigenschaften begründet sein. Ein ungewöhnlicher Autor, weil ein ungewöhnlicher Mensch — ein „in der höchsten Bedeutung des Worts edler und vortrefflicher Mensch" (Nicolai), „der vortrefflichste, weiseste Mensch, den ich kenne" (Biester). Bei ihm waren Philosophie und Leben, Lehre und Tun eins. „Er predigt nicht nur schön, er handelt auch danach", singt Mindis („Chofschi") von ihm. „Wir können mit Zuversicht", sagt David Friedländer, „sein öffentliches und sein Privatleben, seinen Charakter als Mensch und Bürger, als Hausvater und als Ehemann, als Lehrer und als Freund der strengsten Untersuchung unterwerfen: überall werden wir ihn musterhaft, überall gleich groß, gleich liebens«- würdig finden." Und wirklich ist es eine schier unabsehbare Tugendliste, die man von ihm aufstellt: er ist durchaus liebevoll und sanft, gefällig, diensteifrig, freigebig, vertraulich und offenherzig im Umgang, unwiderstehlich einnehmend durch die überall aus ihm redende Güte des Herzens und hervorleuchtende Klarheit seines Geistes. Er kann aber auch der scherzhafteste Mann und angenehmste Gesellschafter sein. Weiter sagt man ihm sanfte Gemütsart und gute Laune nach (Kant), Selbstbeherrschung, Mäßigkeit und Seelenruhe, Edelmut, Redlichkeit, Wohltätigkeit, Uneigennützigkeit, Menschenliebe und Bereitwilligkeit,. Feinden zu vergeben. Hamann, der später mit ihm auseinanderkam, gefiel er zu Anfang „sehr wegen seiner Unschuld und Bescheidenheit", die er nach anderen bis zur Demut, Schüchternheit und Selbstentäußerung besaß; er trat immer eine Stufe niedriger als der, mit dem er sprach (M. Herz). Diese edle Bescheid 226

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