Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 30 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 30. 24. November 1031 antireligiöse Perhalten der meisten Vertreter des Zionismus im heiligen Lande aufs tiefste verletzt fühlen, sodaß sie schließlich in der ganzen jüdischen „Invasion" eine Gefahr für die Anfrechterhaltung des religiösen Geistes im Kreise der Heranwachsenden Generation erblicken. Auch der jüdisch-nationale Militarismus, von Leuten mie Jabotillski und anderen an hervorragend der Stelle mirfenbeit zionistischen Führer wäre im orthodoxen Kreise aus inneren Gründen einfach unmöglich. Die Wahrhaftigkeit verlangt, dies denn doch einmal auszusprechen, lrachdem es voll nichtorthodoxer Seite erkannt und einigermaßen gewürdigt worden ist. Wir schließen diese Uebersicht mit dem Abdruck eines Auszuges aus den Aeuherungen des Warschauer „Jud" zur Agency-Frage, die dieses Blatt mit einer Betrachtung der gan-- zen derzeitigen Gestaltung des Palästina-Problelns rerblndet. Es heißt da u. a : Die englische Regierung, das muß zugegeben werden, hat es nicht gerade leicht, die Verpflichtungen des Palästina-Mandates in allen Teilen einzulösen. Es ist schwer, heute die inneren Beweggründe für die Balsour-Deklaration anzugeben. Aus alle Fälle hat doch England damit einen Wechsel ausgestellt, wenn auch einen Blanko-Wechsel, in dem die Verpflichtungen nicht präzisiert sind, aber immerhin einen Wechsel, der den Gläubiger zu Forderungen berechtigt. Und England ist es nicht gewöhnt, ein gegebenes Wort zu brechen. Aber, es ergeben sich unerwartete Faktoren, unvorhergesehene Hindernisse, die manchem in London vielleicht gar nicht so unwillkommen sind. Vor allem die Araber, die unter allen Umständen diesen den: jüdischen Volke gegebenen Wechsel zerreißen möchten und in dieser Richtung sowohl auf den Schuldner, wie aus den Gläubiger einwirken. Der englischen Regierung sucht mail vor Augen zu führen, daß das ganze Mandat auf einem Mißverständnis beruhe und daher keine Gültigkeit haben könne, denn die eigentlichen Herren des Landes, die allein den Anspruch auf dasselbe hätten, seien die Araber. Gegen die Juden geht man mit Drohungen und Gewaltmitteln vor, die vom ersten Pessach-Pogrom in Jerusalem bis zu den letzten Unruhen am Geoenktag der Balsour-Note in jeder Form angewandt werden, mit der alleinigen Absicht, die Juden sä einzuschüchtern, daß sie von ihren Forderungen ablassen. Es steht leider fest, daß es heute in England Antisemiten genug gibt, die aus der Arabersrage Kapital für ihre Tendenzen und zu Ungunsten der Juden schlagen möchten. Und die Regierung selbst spricht mit bewährtem diplomatischem Geschick eine Sprache der Zweideutigkeit, ohne sich nach einer Seite hin richtig festznlegen. Klar gesagt wurde bis jetzt nur, daß England die jüdische Arbeit, die jüdischen Kapipitalien zum Aufbau Palästinas mit heranziehen will. ''Aber auch hierin entsprechen die Taten nicht den Worten, Wie oft haben schon die Vertreter der orthodoxen Judeuheit, dje am meisten und am engsten mit dem Lande der Väter verbunden ist, Gelegenheit gebabt, mit den Settern der englischen Regierung darüber zu verhandeln. Wie oft wurden schon tlicht den orthodoxen Juden weitgehende Versprechungen gemacht und Konzessionen in Aussicht gestellt für die Hilssarbeit in Palästina, die man von dieser Seite zu leisten gewillt ist. Und doch bleibt es bei Worten, . wenn es daran geht, konkrete Beweise für dieses Entgegenkommen zu liefern. preffestimmen. „Die Zeit", das Organ der Poale-Ziow Arbeiterpartei in Amerika, bespricht in einem längeren Artikel die Organisation der Aguda und schreibt unter anderem: Die Organisierung der orthodoxen Juden, die gegenwärtig in der ganzen Welt — in den letzten Monaten auch in Amerika - unter dem Namen „Agudath Jisroel", vor 'sich geht, ist eine erfreuliche Erscheinung. Die mächtige Strömung im orthodoxen Judentum, sich zu organisieren, ist nicht etwa ein Ergebnis von Reaktion oder verstärktem Klerikalismns, um' so viele Schmalköpfe unserer Radikalen meinen, sondern: im Gegenteil, diese Strömung ist ein Resultat der europäischen Revolution. Dem jüdischen Volke ist es nur ein Vorteil, daß der orthodoxe Teil des Judentums endlich weltlich organisiert ist, denn damit ist der Prozeß, alle produktiven Teile im Judentum zu organisieren, sozusagen beendigt. Die große Mehrheit der jüdischen Masse befindet sich zwischen den Klausjuden. Im jetzigen Moment, wo das Judentum der ganzen Welt so viel, gelitten hat und in allen seinen Winkeln zerstört wurde, ist eine _„»lütte r." Die Leiter der „Agudas Jisroel" haben bereits wiederholt das gerechte Ansuchen gestellt, ihre' Vertreter beim Ausarbeiten der Pläne für den Ausbau Palästinas zur Mitarbeit heranzuziehen, in der Ueberzeugung, daß ohne Mithilfe der Orthodoxie das jüdische Problem in Palästina nie gelöst werden kann. Und dennoch mußte aus dem letzten Briefe Churchills an die Agudas Jisroel ersehen werden, daß er bis jetzt noch nicht in der Lage war, die Forderungen der Aguda zu erfüllen. In England weiß man sehr wohl, oaß die Forderungen der Orthodoxie, die Forderungen des wahren Judentums sind. Sollte nun etwa die kühle Haltung der Regierung, diesen Forderungen gegenüber der beste Beweis dafür sein, wie wenig ernst es den Herren in London überhaupt mit der Lösung des jüdischen Problems in Palästina ist? Uns erscheint zunächst diese Annahme unglaublich. Wenn Churchill der Meinung sein sollte, daß die Forderungen der Agudas Jisroel für den Moment unerfüllbar seien, so wäre es doch in Ordnung gewesen, wenn er demgegenüber andere reale und konkrete Vorschläge gemacht und gleich gezeigt hätte, wie diese Minimal-Fordernngen ihre Erfüllung finden werden. Ein gewisser Trost besteht nun darin, oaß die Antwort des Ministers weitere Verhandlungen möglich macht und in Aussicht stellt. So ist wenigstens zu hoffen, daß bei einer Modifizierung der Vorschläge und Forderungen der Aguda, diese von der Regierung rückhaltlos anerkannt und erfüllt werden. Man muß hoffen, daß in diesem Fälle die Gerechtigkeit den Endsieg davontragen wird. Und diese gebietet auch der englischen Regierung einzusehen, daß, wenn Juden je in und für Palästina gelitten haben, es zum größten Teil orthodoxe Juden waren, die ihre Liebe zum Lande mit den schwersten Opfern betätigt und bis heute die Hoffnung auf Neubelebung des Landes und ihre Rückkehr ins Land nicht aufgegeben haben. Die orthodoxen Juden, die nicht gewöhnt sind, ihre Liebe zum Lande an äußere Faktoren zu binden Und sie von Erfolgen oder Mißerfolgen abhängig zu machen, werden auch jetzt weiter dahin arbeiten, das zu erreichen, was in diesem Momente zu erreichen ist, um die Position des religiösen Judentums in Palästina zu stärken." Wir werden auf diese Ausführungen noch zurückkommen. Gm neues Aguda-Waisenhaus in Sieoenbürgen. Wien, 10. Nov. Die „Jüd. Presse" berichtet: Dank den unermüdlichen Bemühungen der Frau Alexander Ullmann in Großwardein ist es gelungen, die materielle Basis eines Aguda-Waisenhauses in Rumänien zu schaffen. Es ist bereits gelungen, ein außerordentlich geeignetes Objekt, ein großes Haus mit Hof und Obstgarten, anzukaufeit, wobei die Herren David Kohn und Lajos Freund gute Arbeit geleistet haben. Es handelt sich nun darum, den darin wohnenden Parteien eine andere Wohnung zu verschaffen. Mit besonderem 'Danke muß der großherzigen Spende des Herrn Max Pollacsek in Gurahore gedacht werden, welcher Frau Ullmann eine Spende von 100 000 Lei zugesendet hat und durch zehn Jahre hindurch k übernatürliche Anstrengung aller Polkskräfte erforderlich, tun es vom Untergang zu retten . . . j Die Leiter der Aguda sind sich vollkommen der; großen Gefahr bewußt, die uns von der Des- ' organisation und Zersplitterung unserer Kräfte ' droht ... Es ist sicher, daß, wenn solche reine!! und ideale Persönlichkeiten, wie Doktor Nathan \ j Birnbaum uud Rabbi Zirelsohn an der Spitze j j der Agudas Jisroel stehen, sogar der Kampf i zwischen ihr und uns eine „Machloko lschem schomajitn" sein wird, und ivir werden gewiß viele Berührungspunkte haben, wo ivir friedlich und brüderlich zum allgemeinen Wöhle unseres leidenden Volkes werden arbeiten könne::. „Slot Jisroel", das Organ der Aguda in Jerusalem, schreibt über den Zionistetckongreß: Die Misrachi hat auf dem Kongreß eine Resolution eingebracht, daß die zionistische Organi-! satio:: ::ichts gegen den jüdischen Glaubet: unternehmen wird, ::nd daß an: Sabbath i:: den Komitees nicht' gearbeitet werde. Die Resolution wurde jedoch in der Abstimmung abgelehnt und erst zufolge einer Intervention Weizmanns ist j ein nichtssagender Vergleich zustande gekommen. Cs ist sonderbar, daß diese Tatsache von der monatlich 5000 Lei für das Waisenhaus geben will. '2to3 ist wahrlich eine Großtat der Humanität und Herr Pollacsek hat sich damit ein dauerndes Ruhmesblatt eingelegt. Es ist damit ein schönes Beispiel zur Nachahmung gegeben, die hoffentlich nicht ausbleiben wird. Besonders richtet sich unsere Hoffnung auf bte Glaubensgenossen in den Ländern der schweren Valuta. Es ist vorläufig eine Einrichtung von 80 Betten gedacht, die natürlich mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Frau Alexander Ullmann unternimmt demnächst eine Reise nach Temesvar, um die dortigen vermögenden Kreise zur Mithilse an der Ausgestaltung des Waisenhauses zu gewinnen, später auch eventuell nach Befsarabien. Aron Kober *?■"su Einen schweren Schlag hat die Sache der „Agudas Jsroel" durch das plötzliche Hinscheiden Aron Kobers in Breslau, der von Anfang an an der Spitze unserer Bewegung stand und in diesem Jahre in Wien zum Mitgliede des Zentralrates gewählt wurde, erlitten. Mit einem ganz besonders lebendigen Gefühl für die Einheit des auf dem Boden der Thora stehenden Klall Jsroel begabt, verband der Heimgegangene ein tiefes ideales Verständnis der Grund-' gedanken der Agudas Jsroel mit nimmer ermüdender Tatkraft, wenn es galt, ihre Ziele der Verwirklichung näher zu führen. Auf seinen zahlreichen Reisen hatte et den jüdischen Osten gründlich kennen gelernt, während ihm auch die westlichen Länder in ihrer allgemeinen und jüdischen Eigenart nicht fremd waren. So konnte er am B er atungs tische, wie mitten im praktischen Leben der Agudasache in höherem Maße als viele andere hervorragende Dienste leisten, von dem Augenblicke an, da in Kattowitz der Grundstein zu dem großen Bau gelegt wurde, bis zur Ueberleitung in die neuen Verhältnisse. Ein ganz besonders großes Maß von persönlichen Opfern an Zeit, Bequemlichkeit und finanziellen Mitteln hat Kober der A r b e i t e r für so r ge der „Agudas Jsroel" gewidmet. Unter den schwierigsten Verhältnissen, oft angesichts zahlreicher Enttäuschungen den: Verzweifeln nahe, hat sich Aron Kober in der Liebe zu den ostjüdischen Brüdern, denen er vor allem den Sabbat retten wollte, für die 'Beschäftigung jüdischer Arbeiter in Oberschlesien eingesetzt und jahrelang daran gearbeitet, um die nach Deutschland Gekommenen in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht zu fördern und vor den naheliegenden Gefahren zu schützen. Aber weit hinaus über dieses spezielle Arbeitsgebiet schlug sein Herz für jedes einzelne Anliegen, das die deutsche Aguda oder die Welt- Organisation beschäftigte und wenn er selbst nicht persönlich anwesend sein und Mitwirken konnte, jüdischen Welt ohne Protest hingenonnnen wurde. — Wie viel Mühe hat es den jüdischen Gemeinden in Polen gekostet, damit die Regierung die Heiligkeit des Sabbath anerkenne. Was für einen Wert hätte die ganze Arbeit, wenn die Regierung auf die zionistische Abstimmung Hinweisen kann? — Hunderteinundfünfzig Juden haben gegen die Heiligkeit des Sabbath gestimmt. Sie haben das nicht als Privatleute getan, sondern als Vertreter Hunderttausender Juden. — Diese Abstimmung wird der Außenwelt als Beweis crenen, daß der Kongreß nicht als Vertreter von Klal Jisroel anzusehen ist, weil Klal Jisroel nrcht gegen die Heiligkeit des Sabbath stimmen würde. Jüdische Jugend. Die zweite Nummer res Organes der Aguda-Jugend in der Slowake: „vzumsche Jugend", wird Anfang Dezember Inhalte und in sehr schöner Ausführung erscheinen. 'Die hiefür entfallende Subvention aller Jugendgrnppen möge ehebaldigst erngesendet werden.