Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1921-08-18 · 23 (18.8.1921) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
23 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641060-9626354--1166-9626356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

18. Äuoust im. Geile 3 Nr. 23 Judentums d u r ch Juden und Nichtjud en. Solche und ähnliche Anliegen, überhaupt alles, wobei die Aufrechterhaltung, Verteidigung, Pflege und Förderung der in unserer Gegenwart zu verwirklichenden Aufgabe des orthodoxen Judentums in Frage steht, dürfte mehr als je ein Zusammenwirken orthodoxer Gesiunuugsgenossen wünschenswert erscheinen lassen. Es versteht sich von selbst, daß die hier beispielsweise hervorgehobenen Ziele lediglich die Richtung andeuten möchten, in welcher die beabsichtigte orthodox-jüdische Vereinigung sich zu bewegen haben dürfte, daß sie aber keineswegs zugleich, und überhaupt nur wach und nach in Verhältnis der zu Gebote stehenden Kräfte und Mittel anaestrebt werden können. Eines glauben wir im vornhinein bemerken zu sollen. Ein irgend welches Einschreiten in die inneren Angelegenheiten einer Gemeinde oder auch nur der Versuch eines Einwirkens auf das amtliche Verhalten eines. Angestellten wird der orthodoxen jüdischen Vereinigung jederzeit fern zu liegen haben. Und so wagen wir denn zur 'Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums aufzusordern. Wir bitten vorläufig nur alle aufrichtigen Gesinnungsgenossen, denen die Bildung einer solchen Vereinigung wünschenswert erscheint, um die baldgefällige. Erklärung ihrer Bereitwilligkeit, zu einer solchen Vereinigung zusammenzutreten, und werden, sobald sich eine entsprechende Teilnahme gezeigt, in einer Generalversammlung, die zur Verwirklichung dieses Vorhabens zweckdienlichen Schritte zu beraten und zu beschließen haben. Der Beitritt zu dieser Vereinigung verpflichtet ein jedes Mitglied, einen jährlichen Beitrag von mindestens 3 Mark zu zahlen und die Vereinszwecke nach Kräften in seinem Kreise zu vertreten und zu fördern. Die Mitglieder des löblichen Vorstandes unserer Religionsgesellschaft, in gerechter Würdigung der hohen Bedeutsamkeit der Bildung einer solchen Vereinigung für das gesetzestreue Judentum, auf dessen Boden unsere Gesellschaft steht und dessen Zielen sie geweiht ist, sind auf den Wunsch des Unterzeichneten als Provisorisches Komitee für die Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodox enJu de ntums demselben zur Seite getreten und sind bereit, Beitrittserklärungen für dieselbe entgegenzunehmen. Wohl wissen wir, daß nach gewöhnlicher Annahme eine überwiegende zeitgenössische Majorität einer von dem orthodoxen Judentum sich entfernenden Richtung huldigt und unser Vorhaben auf eine numerisch große Teilnahme von vornherein verzichten muß. Allein es ist nicht das erste Mal, daß Gott zu den Seinen spricht: tSPan an«/ und es ist doch in dem Abschiedsworte der Prophetie für alle kommenden Zeiten verheißen: "1 mm Sk 2TK "“T ■'KT nm: tk mrcrm "*t vam p-o? anm mtm mjD TOP "DK TO« CV3 '1K22C "“T T 1'NI 1TO und auch schon das Bewußtsein von einer freien und offenen Zusammenstimmung treuer Genossen für das Eine Heilige und Wahre, kann, wie in alter Zeit, sich wirkungskräftig erweisen, und nmi narr in’?j?si "n nn Frankfurt a. M., im Tischri 5646. Samson Raphael Hirsch." Trotzdem Rabbiner Hirsch S"acT wie kein zweier von der Bedeutung eines blühenden Gemeindelebens durchdrungen, wußte er doch, daß die wahrhaft jüdische Gesinnung nicht an den Grenzpfählen der Gemeinde Halt machen darf, wenn die Aufgaben der Klal Jsroel die Lösung finden sollen. Der damalige Vorstand der Israelitischen „Blätter? Religionsgesellschaft stellt sich freudig in den Dienst der von ihrem geistigen Führer vorgezeichneten Aufgabe und die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" konnte ihre segensreiche Tätigkeit entfalten; zunächst innerhalb der Grenzen Deutschlands — aus technisch innerpolitischen Gründen — sie gab aber auch den ersten Anstoß zur Gründung der Agudas Jisroel, die nunmehr ihre deutschen Vertreter wieder in Frankfurt a. M. versammelt sieht. Der genius loci wird über ihren Verhandlungen schweben und die Teilnehmer der Tagung mit dem Bewußtsein erfüllen, daß sie Verwalter seines Erbes sind und die Verantwortung dafür tragen, daß seine weitausschauenden Ziele zur Verwirklichung gelangen. Zeigen wir uns würdig, Schüler des großen Meisters zu sein. E. Esra-Führettagmig in Fulda. 27. bis 29. TaMmus 5681. In derselben Woche, in der die Esra- Führer mto -Führerinnen aus allen Teilen Deutschlands nach Fulda zusammenkamen zu ernster Beratung, sanden dort oben im Hessischen Berglande noch zwei andere Tagungen von jüdischen Jugendverbänden statt, die des Blau-Weiß und des Jung-jüdischen Wanderbundes. Sie beide standen unter dem Zeichen der Trennung zwischen denen, die bewußt die Assimilation erheischten (in jüdisch-nationalem Sinn), und denen, die, wenn zunächst auch noch unbewußt, in der Gestaltung ihrer Persönlichkeit sich wahrhaft jüdisch einzustellen versuchten. Ganz im Gegensatz zu diesen beiden Tagungen, denen inbezug auf Zerrissenheit die demnächstige des Kameradenbundes in nichts nachlstehen wird, stand unsere Tagung. Sie bot ein Bild der Gemeinschaftlichkeit und Einheitlichkeit, wie man es wohl selten bei derartigen Zusammenkünften zu sehr bekannt. Zunächst rein äußerlich: Ter alte, hohe Schloßisaal, der in anderen Zeiten wohl nur Damen und Herren in tadellosen Balltoiletten zu schauen bekommen hatte, mußte es sich schon gefallen lassen, daß die Esra-Mädels restlos einen Teil seines Raumes in Besitze nahmen, während die Jungens in einer gewissen Distanz nun auch ihrerseits einen abgeschlossenen Kreis bildeten. .Und diese Jungens, wie sahen sie aus!! Struppige Gesichter, die garnicht recht in den blitzsauberen Saal passen mußten, zumal von einem schönen, männlichen Barte garnicht die Rede sein konnte, weil die meisten von uns nur bartähnliche Gewächse spazieren führen durften. Aber es gibt einen Begriff „Jüdische Schönheit", der sich nicht deckt mit einem glattrasierten, geschniegelten Antlitz» Und diese „jüdische Schönheit" verursacht schnell ein inniges, oft mit heiterem Unterton durchsetztes Bekanntwerden auch derjenigen, die sich früher noch nie gesehen hatten. Mit Recht sagt ein anwesender Raw, auch ohne das Esra-Abzeichen könne man die Jungens schon an ihren „3 Wochen- Bärten" als Esra-Führer erkennen. Aber diese Einheitlichkeit bezog sich nicht allein auf das Aussehen der Csräer. Es war ein gewagtes Unternehmen, als am Dienstag morgen unser Landesvorsitzender Louis Lewing er (München) nach einleitenden rnm-Worten die Generaldebatte eröffnete, um jedem Gelegenheit zu geben, sein Herz auszuschütten. Aber, was viele wohl mit Recht befürchtet haben mochten, trat nicht ein. Im Verlaufe von wenigen Minuten war die Diskussion schon so weit entwickelt, daß die behandelten Probleme sich bald, ohne lange Abschweifungen zu gestatten, um gewisse grundlegende Fragen drehten, deren Behandlung durch gesonderte Referate schon vor der Tagung vorhergesehen war. Wäre der einheitliche Wille, in ernster Arbeit etwas Positives zu schaffen, nicht so stark ausgeprägt gewesen, die Generaldebatte hätte sich ins Uferlose ergossen. So aber erfolgte auch nicht dre geringste Geschäftsordnungsdebatte, fodaß noch am Dienstag vormittag das Referat von Harry Abt (Frankfurt a. M.): „Die Organisation in den modernen Jugendbünden, eine Nutzanwendung auf Iden Esra" gehalten werden konnte. Tie am Mittwoch stattfindende Diskussion über das Referat ergab in prinzipiellen Dingen völlige Einmütigkeit, besonders in der Frage: Qualitätsarbeit oder Quantität?, die im ersteren Sinne beantwortet wurde. Dienstag nachmittag folgte in einer gesonderten Führersitzung das Referat von Hugo Stark (Beuchen O.-S.) über Sexualethik. Ohne näher auf den Inhalt seiner Ausführungen einzugehen, möge doch auch hier gesagt sein: Selten ist mit solcher Ehrlichkeit und solcher Schärfe der Problemstellung der gesamte Gedankenkomplex behandelt worden, wie Hugo Stark es getan hat. Man mag mit seinen Lösungsversuchen einverstanden sein oder nicht, wohl keiner der Anwesenden konnte sich des überwältigenden Eindruckes erwehren, Den seine Ehrlichkeit und Offenheit hervorgerufen hatte. So konnte es denn keinen schöneren -Abschluß des ersten Tages geben als den Vortrag von Herrn Tr. Jos. Breuer, der eigens zu der Tagung nach Fulda gefahren war, über den Begriff der “213k Wir entledigen uns einer Tankespflicht, wenn wir im Namen aller Esra- Führer und -Führerinnen auch auf diesem Wege Herrn Tr. Jos. Breuer unseren herzlichsten Dank aussprechen für seine warmen Worte, die er air jenem Abend uns und unserer Esraarbeit widmete. Ter Mittwoch vormittäg brachte dann das Referat von Moses Bamberger (Kissingen) über das „Lernen im Esra", an das sich eine lebhafte Aussprache anschloß über die Lernmethode im Esra. Man war sich klar darüber, daß das Lernen der wesentlichste Bestandteil des gesamten Aufgabenkreises des Esra bedeutet. Die bis jetzt so beliebt gewesene Dreigliederung: Lernen, Heimnachmittag und Wanderung, die als Erziehungsprinzip aufgestellt, in den meisten Fällen doch nur eine hohle Phrase bleibt, konnte —- es wurde das zwar nicht so ausgedrückt, ging aber aus dem Worte aller hervor — nicfjt mehr aufrecht erhalten werden; denn wer möchte so vermessen sein und alle 3 Faktoren völlig getrennt gleich einem Stundenplan in den Esra einzwängen? Eine wertvolle Ergänzung des Bambergerschen Referates bildete der etwas allgemein gehaltene Vortrag von Arnold Merzbach (Berlin), über: „Tie Ausbildung der Kleinen". Es war bewunderungswürdig, mit welcher Geschicklich^- keit Merzbach das Empfinden eines Kindes zu analysieren verstand, um nachher auf Grund dieser Analyse die Wege zu zeigen zu einer richtigen Ausbildung der besonderen Eigenschaften des Kindes. Tie 'Aussprache über das Referat, die erst am Donnerstag erfolgte, drehte sich hauptsächlich um eine rein prinzipielle Frage psycho- Pädagogischer Natur, zu deren Klärung auch Herr Rabbiner Tr. Cahn das Wort ergriff, nicht lohne noch andere wertvolle Anregungen zu geben. Am Donnerstag morgen wurden noch mehrere praktische Beschlüsse gefaßt, die von einschneidender Bedeutung für die Entwicklung des Esra sein werden. Es war das Verdienst von zwei bis tief in die Nacht hinein beratenden Kommissionen, die alle Anträge vorher gründlich durchgesprochen hatten, daß die endgültige Beschlußfassung ohne mißliche Kleinlichkeiten vor sich ging. — — Die Mädchen hatten in einer getrennten Sitzung den Beschluß gefaßt: „Das Tanzen ist mit dem Geiste des Esra unvereinbar". Solche Entschließungen sprechen für sich. Voii ebensolcher Bedeutung ist folgende: Ter Esra unterstellt sich dem Wäad horabonim der Agudo. Aber auch in Fragen, die zuiiächst mit dem pH nxd)tä zu tun haben, ist die Bundesleitung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.