Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 22 (11.8.1921)
- Date
- 1921-08-11
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
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11. August 1921. Seite 2. Nr. 22. schannngen mir oben dargetan haben, nicht ihren Kindern schädlich sein könnte? Fühlt der Verfasser die Verantwortung, wem: er nns das jüdische Fühlen durchweg abspricht, heute, wo nns die (der Agndo und Esra gemeinsamen) Gegu.er umgeben, die stolz auf ihre jüdisch fühlende Brust schlagen? Ich wünschte dem Verfasser, er hätte dem' Fnldaer Führertag beigewohnt nnb hatte auch nur einen Moment auf das jüdische Aeußere der Teilnehmer und der ganzen Tagung einen Blick geworfen. Ich wollte, er hätte das Urteil der anwesenden Vertreter der Thanro vernommen, hätte gehört, wie die Worte der Thanro cm geworden sind im Mund unserer Führer. Er hätte anders gedacht. Es wäre mit eingestimmt in das Wort eines anwesenden Raw, den die Begeisterung hinrih, mitten in den ,,drei Wochen" die Brochoh zu sprechen: mn |En i:y\3rnr -n~o Bundesvorstand der Esra. Louis L e v i n g e r, Zum Delegiertentag -er Ortsgruppen -er Agu-as Jisroel am 18. Aw (22. August) in Frankfurt a. M. II. Die Besprechung des Frankfurter Programmentlvnrfes wird wohl im Mittelpunkt nnserer Tagung stehen. Ist doch hier ein Weg gewiesen, welcher dem beschämenden Zustand ein Ende machZen soll, daß gewöhnlich die Geistigkeit innerhalb der Aguda ihre Zuflucht nur bei den Jngendgrnppen findet, während die Mitglieder der Ortsgruppen mit mehr oder mit "minder Verständnisinnigkeit sich damit begnügen, die) Publikationen der Aguda und ihrer Gegner zu. lesen und zu glauben, daß alle Kräfte lediglifi) für lokale Angelegenheiten zu verwenden Heien. Daß im tiefsten Grunde der Anschluß /an den Klall fördernd und befruchtend auch ans ^die Kehillv wirkt, ist ein Gedanke, der jetzt allmählich in einzelnen Ortsgruppen Platz greifen läßt. Daß bei dem heutigen Ringen um die Seele eines jeden Einzelnen, der beiden großen Bewegungen innerhalb der deutschen Judenheit (areligiöser Nationalismus und Thoravolk), es nötig ist, daß jeder Einzelne mit dem geistigen Rüstzeug vertrant wird, welches ihm ermöglicht, seine Stellungnahme sich selber und anderen gegenüber vertreten zu können, ist eigentlich der Ausgangspunkt für dse Notwendigkeit eines geistigen Programmes der Ortsgruppen. Nachdem nunmehr doch schon ein gut Teil der früheren Jugend zu Baale-Battim geworden sind, steht zu hoffen, daß es dem Delegiertentag gelingen wird, den Vertretern der Ortsgruppen, die Ueberzeugnng beiznbringen, daß es eine unabweisbare Pflicht einer jeden Ortsgruppe ist, sich systematisch sowohl mit den Ewigkeitsfragen des Judentums wie auch mit beit Zeitfragen der Gegenwart anseinanderznsetzen. Ob das Frankfurter Programm oder ein anderes hierzu die geeignete Grundlage ist, wird der Delegiertentag zu entscheiden haben. Unsere Stellungnahme zu beit Palästinafragen wird weiterhin einen breiten Raum in den Verhandlungen einnehmen. Es ist erfreulich, daß die Palästinazentrale schon vor der Delegiertentagnng eine Zusammenkunft von Vertrauensmännern veranstaltet. Es wird hier vor allem darauf ankommen, nicht dasjenige zu unterstreichen, das schon längst durch die Wiener und Preßburger Beschlüsse festgelegt ist, daß die Aguda nämlich auf kulturellem Gebiete selbständig in Palästina arbeite:: muß und daß sie auf wirtschaftlichen und politischen Gebieten nur dann mit anderen Organisationen zu arbeiten imstande ist, wenn sie dabei nicht Gefahr läuft, ihre Prinzipien preisgeben zu müssen, sondern es wird vor allem darauf ankommen, festznstellen, ob die in der Aguda geeinte Orthodoxie sich dessen bewußt ist, daß bte Gegnerschaft gegen | „Blätte r."__ den Zionismus nicht identisch ist mit der Gegnerschaft gegen Erez Jisroel. Daß vielmehr das Recht, den Zionismus zu bekämpfen, erst erworben wird durch möglichst positive Tätigkeit für Jischuw Eres Jisroel. Es sollte allmählich für Freund nnb Feind darüber kein Zweifel bestehen, daß die Aguda es als ihre heiligste Pflicht empfindet, neben ihren Diasporaanfgaben die Konsequenzen daraus zu ziehen, daß die'politische Lage es heute gestattet, Mizwas Jischuw Erez Jisroel in weit ausgedehnterem Maße zu erfüllen, als wie es in den letzten 2000 Jahren der Fall gewesen ist. Wem: nach Ansicht der Aguda andere Organisationen diese Mizwvh falsch auffassen, so ist es doppelte Pflicht der Aguda, ihrerseits das Ideal des Gottesvolkes im Gotteslande mit Aufbietung aller ihrer Kräfte zu fördern und jedem einzelnen ihrer Mitglieder das Gewissen hierfür zu schärfen, daß es nicht angeht, mit Schwarzseherei und Pessimismus sich der Verpflichtung zu entschlagen, sein Teil dazu beizutragen, um die materiellen und ideellen Voraussetzungen dafür zu schassen, daß die Blfourdeklaration sich als ein Instrument zur Förderung des altjüdischen Erez Jisroel-Jdeals erweise . Alle theoretischen Programme aber, alle Besprechungen über die Aufgaben der Ortsgruppen, werden nur dann Wert und Bedeuntung haben, wenn der Delegiertentag auch dafür sorgt, daß die Organe, in der deutschen Landesorganisation vorhanden sind, welche für die Verwirklichung der zu fassenden Beschlüsse sorgen. Es müßten unseres Erachtens nach für die einzelnen Arbeitsgebiete (soziale Tätigkeit, geistige Bereitstellung, Erez Jisroelarbeit, Finanzfragen) in jeder Provinz und in jeder Ortsgruppe eigene Gremien gebildet werden, die im engsten Zusammenhänge mit dem Grnppenvorstande ihre Tätigkeitsgebiete nach lokalen Verhältnissen einteilen. Es müßte vor allem auch dafür gesorgt werden, eie unzweifelhaft vorhandenen Kräfte, welche bisher unansgenützt sind, in den Dienst der Aguda zu stellen. Es müßte beispielsweise ein leichtes sein, die Privatinitiative agudistischer Kaufleute zur industriellen Betätigung in Palästina anzuregen und dergleichen mehr. Nur dann, wenn sich Oie geeigneten Menschen in den Dienst der Aguda stellen und der Delegiertentag allen Gruppen den Ansporn dazu gibt, weiterzubauen, fortzuschreiten, Wärme und Begeisterung in den einzelnen Ortsgruppen zu verbreiten, wird die deutsche Landesorganisation' den Platz in der Aguda eiünehmen können, den sie kraft ihrer historischen Bedeutung verdient; denn es ist kein Zufall, daß von Deutschland ans die Anregung zur Gründung gegeben wurde. Am eigenen Leib hatte es die deutsche Orthodoxie gespürt, wie die Organisation der Gleichgesinnten dazu oient, das Gefühl der Isolierung dem Einzelnen zu nehmen. Fast überall in den deutschen Provinzen sind Verbünde der Gesetzestrenen (Rheinlano, Bayern, Westfalen, Württemberg, Baden) und außer der „Freien Bereinigung" haben wir noch den „Bund deutscher gesetzestreuer Gemeinden". Es müßte auch hier Aufgabe der Landesorganisation sein, eine gemeinsame Basis zu finden, welche alle diese Verbände umschließt und so den Agudagedanken in immer weiterem größerem Maßstabe zur Verwirklichung bringt. Die Tagung wird zeitlich unter dem Zeichen des ratr ""löro stehen. Wenn ihre Teilnehmer den Ernst der Stunde begreifen, so wird sie den Charakter der echten jüdische:: ."12N2 tragen, welche nicht durch Reden, sondern durch Taten unsere zerstörten Heiligtümer wieder anfbanen will. Ihr Wahrspruch sei daher: > nmn rnrri tora -rua« Aus -er Bewegung. Frankfurt a. M., 29. Juli 1921. Die Palästinazentrale schreibt uns: Aus Anlaß des bevorstehenden Tischo B'aw erlauben wir uns die Anregung zu geben, daß die Mitglieder der Orts- und Jugendgruppe t den Betrag, den sie durch das Fasten ersparen, unserem Erez Jisroel-Fonds znfließen lassen mögen. . ' Während wir an diesem Tage über d:e Zerstörung unseres Heiligtums und über die Vernichtung unserer staatlichen Selbständ:gke:t trauern, helfen wir gleichzeitig durch diese unsere Spende den Grundstein zu einem neuen Gemeinwesen in mir in» legen. Frankfurt a. M, 8. August. D:e Frankfurter .Jugendgruppe veranstaltet Donnerstag, den 25. August, 8 Uhr abends, einen Sftum auf Traktat Makkoth. Freunde der Jugendgruppe, die au dieser Thorafeier teilzunehmen wünschen, können Teilnehmerkarten 3, 10 Mk. beim Verwalter der Jugendgruppe erhalten. Lodz, 15. Juli. In der nüchtern-trockenen, vom Materialismus durchtrünkten Atmosphäre von Lodz, machte sich plötzlich eine gehobene Stimmung, die nichts mit dem alltäglichen Kleinkram Gemeinsames hatte bemerkbar. Am Bahnhof von Lodz herrschte Dienstag lebhaftes Treiben, eine große Menschenmenge erwartete mit Ungeduld jeden aus Warschau kommenden Zug. Präzise 6 Uhr ist der ersehnte Gap, der Gerrer Rabbi, angelangt, von einem begeisterten Haufen stürmisch bewillkommt. Der Rabbi ist in der Wohnung seines Bruders „DrebNachmi" abgestiegen. Bis Mitternacht dauerte vor dem Hause ein lebensgefährliches Gedränge. Ter Rabbi hat eine kurze Versammlung im Hause des Herrn Abraham Eimer abgehalten. 'Mitttwoch um 12 Uhr mittags erschien der Rabbi bei einer Sitzung im Agudalokar. Vor dem Lokale bemühten sich die „Zeire Emuna Israel^ mit der Polizei, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Im Saale.feierliche Stille. Herr Ratmann eröffnete die Sitzung. Herr Münzberg erklärte die Notwendigkeit die Aguda zu verstärken, berührte die Cheder und Bad-Frage. In ehrfurchtsvoller Andacht lauschte die Versammlung den folgenden Worten des Rabbi. Alle wissen (sagte er), wie sehr er mit der Aguda shmpatisiere. Es sei die moralische Pflicht jedes Juden dem Wohle der Allgemeinheit zuliebe sich in der Aguda zu betätigen. Jeder Jude solle Zeit erübrigen ein Blatt ,,Gomoro" und „Mischnajit" zu studieren, ferner dre „Zeire Limud" zu unterstützen besonders die Zeirim die sich in der Aguda beschäftigen und ihre Zeit dem Thorastudium widmen. Kein Jude darf sich entziehen man muß sich der Witwen und Waisen, der vielen Obdachlosen erbarmen. Ter Rabbi gab seinem Wunsche. e:n Komitee für die ukrainischen Flüchtlinge zu bilden, Ausdruck. Der Rabb: spendete eine beträchtliche summe für die Opfer worauf die Anwesenden seinem Beispiele folgten sodaß in kurzer Frist eine Viertelmillion zusammengebracht wurde. Das Schlußwort hielten die Herren Ratmann und Ginzberg, sie legten allen Anwesenden ans Herz, in ihren Bekanntenkreise:: Propaganda für die Sache zu machen. Nachmittag ist in der Wohnung des Herrn Bialer, der unlängst aus Palästina zurückkehrte und einen fertigen Plan für den Bau eines orthodoxen Unternehmens in Jaffa mitbrachte, eine geschlossene Sitzung :m engen Kreise, an der der Gerer Rabbi teilnahm, abgehaltten worden. Es wurde die Durchführung einer großen Aktion in Palästina behandelt. Tie angesehensten Lodzer Orthodoxen haben bereits das ihrige'dazu beigetragen, den Plan zu realisieren. Noch am selben Sage hat der Rabbi Lodz verlassen. Spen-elisten: Erez-Jisroel-Fo nds: B a i s i n g e n: Teil der Sammlg. bei der Hochzeit Hed: Löwenstein ff. Ad. Kahn BaMngen durch Tr. M. Kahn Mergentheim 100. ' Frankfurt a. M.: Otto Fischer 57 S. Kleinplatz 3. Guxhagen: Joel Speier I 20, Jos. Katzenberg 5. Halberstadt: Agudas Jisroel 1233,30 Ansbach: Tistriktsrabbiner Rausch Chaudeschspenden 238. H alb erstadt: Weichselbaum 5, Rausch Chaudesch- Spenden der Orts- und Jugendgruppen Hal- ' berstadt 2084, N. N. 5, Jacob Oppensseim Kiel: H. Nagelberg (R. M. b. H.) 100 Lu: senthal: M. Schönstadt 5. ' M " nnh bim: Durch. Sigmund Würzburger: Ungen. P /v. 5ch Alfred Kalter dankt Frau Jfaac Sohn Wwe. Freudenheim für E^er 4 deri. gratuliert z. Verlobung v. Johanna Leffmann m?nroetm mÜ Earl Engelstein-Kitzingen 10 zu>. oy. Sie"6Ä*"lS 2°,°PH Strauß. Mb. Aufruf- '""fSa'fÄir.s Siegfried Fulda 2, Alfred Freund ....«' l dL b!,tii i i ch: durch A. W. Rvsenzweig für Schweiz Larr-esorgamMon 887,50.