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Blätter · 1921-07-14 · 20 (14.7.1921) · p. [Seite 6]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
20 (14.7.1921)
Date
1921-07-14
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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Seile 6. Nr. 20. 14. Juli 1921 Nürnberg. Aus der Erkenntnis, daß jedes zrelbewußte Arbeiten in einer Agudagruppe erst dann ermöglicht wird, wenn sie aus einer Gruppe von Agudisten besteht, hatten wir es unternommen,^ der Anschauung unserer Mitglieder, besonders ucheres Nachwuchses, ein gründliches Fundament dadurch zu verleihen, daß wir sie mit Breuers Schriften intensiv bekannt machten, die augenblicklich Wohl die Ideologie, d.h. die Wegzeichen auf unsrer Bahn zu unserem Hochziel zur Thaurooerwirklichung darstellen, durchbesprochen. _ ,, a . . Im ersten Referat legte stud. Phil. A. Rathaus dre kritisch-analysierenden Gedankengänge des Autors über das Wesen der Judenheit dar. Der zweite Abend brachte, von demselben Referenten eindringlich ^vorgetragen, die Lösung der jüdischen Frage, in der Darlegung der Idee des Messianismus, der in seiner Einfachheit und zugleich höchsten Erhabenheit die Stellung des Juden zur Innen- und Außenwelt klar beleuchtet. Stud. jur. G. Münz behandelte den Roman „Ein Kampf um Gott", in dem sich die vielen Problemstellungen in großer Zahl zusammendrängen, um in dem Messianismus ihre Krönung und Vollendung zu finden. Alle diese schwierigen, aber grundlegenden Fragen wurden und werden in unserm Zirkel eingehend durchbesprochen, sodaß wir daraus unseren Zweck, bewußte Agudisten zu erziehen, vollauf erzielten. (Unliebsam verspätet.) Wien. Wir haben in der letzten Nummer berichtet, daß die Aguda zwanzig der hier weilenden strenggläubigen Chaluzim in einem in der Nähe befindlichen Landgut zur praktischen Erlernung der Oekonomie probeweise beschäftigt. Ter Versuch ist äußerst befriedigend, sowohl die Gutsverwaltnng als auch ibie Chaluzim sind hochzufrieden. Tie Chaluzim erhalten nebst vollständiger Verpflegung während ihrer Lehrzeit 40—50 Kr. pro Tag. Ter befriedigende Erfolg ermutigt zur Fortsetzung der Aktion und wird demnächst ein zweiter Zug orthodoxer Chaluzim ausgerüstet mit Betten und zweierlei Eßgeschirr auf das Landgut gehen. Anmeldungen im Büro der Aguda II. Malzgasse 12a. Wien. Tie von der Sitzung des Zentralrates der Aguda mit den Vorarbeiten für die Wahl des Rabbinischen Rates betraute Kommission richtete dieser Tage ein Rundschreiben an sämtliche Landesvrganisationen, worin diese ausgefordert werden, die Grundlagen für die Wahlmodalitäten in kürzester Zeit zu schaffen. Wien. Major Mindel, der Beamte der palästinensischen Regierung, ist in Wien angelangt, um den Stand der Palästina-Einwanderer zu überprüfen. Major Mindel hat auch das Bureau der Aguda besucht, behufs Revision der Chaluzim-Listen und hat sich bei dieser Gelegenheit eingehend über die Ziele der Aguda informiert. Wien. Tie „Jüd. Presse" meldet: Wie mitgeteilt hat Obmann Pappenheim in Begleitung des Generalsekretärs Tr. Pollak eine Propagandarerse nach Siebenbürgen angetreten. Wir erhalten vorläufig folgenden telegraphischen Bericht aus Oradea mare: „Begeisterte Stimmung, kolossaler Empfang. Sonntag Massenmeeting" . Eine zweite Depesche lautet: „Riesenmeeting glänzend ausgefallen. Oberrabbiner Fuchs, Wolf Pappenheim, Tr. Pollak begeistert akklamiert. Jugendgruppe." Wien. Ter Gabbai des Rabbi oon Kopyzcince veröffentlicht folgende Erklärung: „Entgegen anders lautenden Zeitungsnachrichten erkläre ich im Aufträge Seiner Ehrwürden des Herrn Großrabbiner Jsak Meier Heschel aus Kophzcince, daß derselbe aus dem Verbände der „Agudas Jisroel" nicht ausgetreten ist und auch nicht die Absicht hat, aus diesem Verbände auszutreten, sondern vielmehr auf dem Standpunkt steht, daß es die Pflicht eines jeden Juden ist, alle Institutionen dieses Verbandes und aller anderen Verbände, welche auf dem Grundsätze unserer heiligen Schrift aufgebaut sind, sei es im heiligen Lande oder außerhalb desselben, nach besten Kräften zu fördern und zu unterstützen, was der Herr Großrabbiner selbst bisher in einem, seine Privatverhältnisse weit übersteigenden Ausmaße geübt hat und mit Gottes Hilfe auch in Zukunft üben wird." Teitelbaum. Posen. Unsere Mitgliederzahl ist aus ein Minimum herabgesunken und manche, die da kommen könnten, bleiben auch fern. So haben wir immer wieder erneut versucht und wieder versucht, neue Jugend um uns zu scharen. Jetzt scheint es uns gelungen zu sein. Tie weibliche Schuljugend wird vielleicht zu uns kommen. Ein Lag beomer Morgenfpaziergang vereinigte uns und hinterließ besonders bei den jugendlichen neuen Teilnehmern eine dankbare „B l ä 11 e r." Stimmung. Wir hielten uns einige Stunden im frischen Grün auf und fühlten uns sehr behaglich. Ein auf rot? gelegter Sidra- und Haftauroschiur erfreut sich einigermaßen regen Zuspruches. Ein Leseabend vereint die Mitglieder einmal wöchentlich, bei dem die Aguda-Blätter gelesen werden, Zeitfragen besprochen und sonstiges Aktuelle zur Sprache kommt. Mein Bericht entbehrt jeder Phrase, daher klingt er recht trostlos, aber ich will lieber mit hochtrabenden Worten sparen, bis ich Tatsachen sprechen lassen kann. Vielleicht gelingt es uns doch noch mit'Hilfejüdischen Geist und jüdische Lebensanschauung in unsere so verödeten Reihen zu tragen. Budapest, 30. Juni. Am 21. und 22. Juni fand eine Sitzung der orthodoxen Landesreprchentanz statt. Ter Präsident der Landeskanzlei Adolf Franke führte in seinem Tätigkeitsbericht u. a. aus: Tie ungarische Orthodoxie müsse sich zuerst neu organisieren, um dann als eine kompakte Einheit den Anschluß an die Aguda auszusprechen. Er hebt besonders den Punkt des Agudaprogrammes hervor, in Palästina ' selbständige, auf streng konservativer Basis begründete Kolonien zu schaffen und appelliert an die ungarische Orthodoxie, schon jetzt diese Aktion durch Beisteuer zum Keren Erez Jisroel zu fördern. Er beantragt ferner das statutengemäße 100 gliedrige Komitee zu wählen. Tie ausgezeichnete Darstellung des Präses wurde mit Spannung angehört und die Anträge nach kurzer Debatte angenommen. Man beschloß nach den Jomim towim eine große Landesversammlung einzuberufen, an welcher diese Beschlüsse durchgeführt werden. Warschau. An Stelle des Sejm-Deputierten des allzu früh verstorbenen Rabbi Moses Halpern s. l. ist, laut Beschluß der Lodzer Aguda am 30. Juni, Rabbiner Josef Feiner (Lodz), der als Ersatzdeputierter gewählt war, vorgerückt. Warschau. Eine Delegation der polnischen Aguda unter Führung des Radsiner Rebbe beim dortigen Unterrichtsministerium legte die Wünsche der Orthodoxie in der Chederimfrage dar. Der Unterrichtsminister sagte weitgehende Berücksichtigung zu. Galant« T-er Csornaer Raw (Landesmitglied der orthodoxen Kanzlei Ungarns) hat den hiesig-m Oberrabb. Tuschinskh, die maßgebendste gelehrte Instanz der Tschecho-Slowakei, durch Depesche angefragt, ob er den Anschluß der orthodoxen Landesgemeinde an die „Aguda" befürwortet, worauf mit „Ja" geantwortet wurde. Amsterdam, 28. Juni. Tie Versammlung der holländischen Oberrabiner nahm auf ihrer letzten Versammlung offizielle Kenntnis von den Schritten des Oberrabbiners Onoerwyzer zwecks einer Verständigung zwischen Agudas Jisroel und zionistischer Organisation. Tie Versammlung würde einen Erfolg dieser Versuche mit Freuden begrüßen. London, 1. Juli. Wie aus zuverlässiger Quelle berichtet wird, ist der frühere hiesige Rabbiner Dr. Schönfeld bereits seiner jetzigen Stellung als Misrachi-Sekretär in Palästina müde und wünscht sie mit seinem früheren Wirkungskreis zu vert ruschen. London. Auf einer öffentlichen Versammlung der Londoner Aguda, wurden nach einem Referate von Tr. Leo Jung, Cleveland (Amerika), folgende Resolutionen angenommen: 1. Tie Versammlung beschließt, der Leitung der Agudas Jisroel-Weltorganisation ihr volles Zutrauen auszudrücken für ihre energische Arbeit für Klall Jisroel in Erez Jisroel. Insbesondere begrüßt die Versammlung die Palästinareise des Gerrer Rebben, die sie als Anfang einer segensreichen, praktischen Aufbautätigkeit der Orthodoxie in Erez Jisroel betrachtet. — 2. Tie Versammlung richtet an die englische Regierung das dringende Ersuchen, das Verbot der Einwanderung nach Erez Jisroel sofort aufzuheben, damit es insbesondere auck der Orthodoxie ermöglicht werde, am Aufbau des Heiligen Landes im Geiste der jüdischen Tradition mitzuhelsen. London. Tie Jugendgruppe in Glasgow hat für 50 ukrainische Waisen die Ueberfahrtsspesen nach Palästina und sonstige Mittel der Verpflegung gesammelt.; : New-York, 25 Juni. Das erste, von etwa 3000 Personen besuchte Massenmeeting der Agudas Jisroel am 21. Juni war von großem Erfolge begleitet. Folgender „Die Erste Probe überstanden" betitelter Leitartikel im New-Morker Jewish Morning Journal berichtet hierüber: Das erste Auftreten der europäischen Agudath Israel-Führer vor dem New Yorker Publikum ist von . Erfolg gekrönt, und das ist bereits ein gutes Vorzeichen für den Erfolg ihres Besuches in Amerika. Tie Looper Union-Halle (gemeint ist das Meetingslokal), ist ein Ort, wo Menschen und Bewegungen auf die schwierigste Probe gestellt werden, nicht etwa in Newhork allein, sondern in den gesamten Ver-! einigten Staaten von Amerika, und nicht etwa bei den Juden allein, sondern bei sämtlichen Einwohnern dieses Landes. Seit jeher, seit der Zeit, da Abrabam Lincoln vor ungefähr sechzig Jahren nach seiner Rückkehr aus einem kleinen Orte des „Mittel-Westens" an der Plattform der „Cooper Union" erschienen ist, um die Sklaverei zu bekämpfen und das neue republikanische Programm zu propagieren, von dieser Zeit bis zum gestrigen Tage, an welchem die Vertreter unserer allweltlichen Orthodoxie dortselbst die feierlichen Erklärungen abgegeben haben, war die Kritik des Publikums im „Cooper Union Hall" oftmals für den Erfolg einer Bewegung ausschlaggebend. Tie Vertreter der Weltorganisation der orthodoxen Juden kamen zu einer Zeit, da Taumel und Unwissenheit im jüdischen Lager herrschen; und dir falschen Beschuldigungen ,die man gegen sie erhoben, hinderten anfangs etwas, die Gäste mit der ihnen gebührenden Ehre und Achtung, die sie wohl verdienen, zu empfangen. Es war sehr schwer, das Ohr des Volkes zu gewinnen; es bestand die Gefahr, daß die Stimme der Wahrheit nicht nur etwa zurückgewiesen würde, sondern daß man solche von vornherein überhaupt nicht würde hören wollen. Das Eis i auf dem am Montag Abend (2 2. Juni) stattgefundenen Meeting durchbrochen worden. Ter historische Versammlungsplatz war überfüllt, und die Anwesenden lauschten begeistert. Was die Agudath Israel den Juden in Ameiika zu sagen hat, hat sie gesagt, klar und überzeugend, und es ist aufgenommen worden von einem Publikum, das eigentlich selten von seiner Gleichgültigkeit aufwacht. Nunmehr ist der Weg für eine weitere Entwicklung der Agudah in Amerika frei. Nacb einer solchen Versammlung kann die Arbeit in Synagogen und Bothei Midroshim fruchtbarer sein, als früher, und die anderen Städte Amerikas werden „sich in der Reihe anstellen" wie sie es immer tun, wenn Newhork irgend einer Bewegung ihre Anerkennung und günstige Zustimmung verleiht. Wenn die Grundsätze der Agudath Israel richtig verstanden werden, kann letztere der Unterstützung des jüdischen Publikums, das sein Judentum ernst nimmt, auch sicher sein. Tie Agudath Israel repräsentiert in Wirklichkeit eher eine Stimmung als eine Bewegung; in ihr ist auch der Standpunkt der „Sabbath-Hueter" in allen ihren Tätigkeitsgebieten, die irgend eine Beziehung mit jüdischen Angelegenheiten haben, vertreten. Tiese Prinzipien müssen andere jüdische Bewegungen beeinflussen, oder richtiger, die Juden, die an diesen Bewegungen teilnehmen, beeinflussen, und die angesehenen Gäste werden dies dem großen orthodoxen Publikum in den Vereinigten Staaten mit Erfolg klar zu machen wissen. Newhork. Tie Aguda-Delegation erwirbt sich erfreulicherweise hier stets größere Stzmpathien, vor allem bei den führenden Peisönlichkeiten der amerikanischen Orthodoxie, welche dank der zionistischen Presse bisher völlig falsche Vorstellungen vom Wesen der Aguda hatten und nunmehr mit dem Gedanken inner selbständigen Organisation der Weltorthodoxie aufs wärmste sympathisieren. Eine Tagung der amerikanischen Ortsgruppen ist in Bälde vorgesehen. Spendelisten: Agnda-Hauptfond. Aschaffenburg: Martha Emanuel-Hamburg, verlorene Wette 5, Markus Emanuel drausgelegt 15 Mk. Frankfurt a. M.: Familie Levi Lindenbaum zu Marthe Goldschmidts Hochzeit 50, Josef Rosenbaum für ein gefülltes Brückenauer Ei 10. Fulda: Durch Prov.-Rabb. Dr. Cahn: Ergebnis verschiedener Sammlungen 364, durch A. Liebstädter-Hettenhausen 150, durch Menko Freudenthal-Tann 166, durch Lehrer Gundersheimer- Wüstensachsen 1330, durch Lehrer Oppenheimer- Rhina 2350, zus. 4360. Halberstadt: Fänni Goldschmidts Sammelbuch buch 40, durch Hirsch Auerbach 19. Hann.-Münden: Zu Marthe Goldschmidts Hochzeit 5. Homburg (Pfalz): Heinrich Levh 50. Oldenburg: Jos. Helberg anläßlich der Silberhochzeit des Lehrers und Kantors Metzer Meyberg lemispor chaj 18. Recklinghausen: H. Fernbach, Büchsensammlung 52. Würzburg: Cand. med. Seckbach zur Jahrzeik s. sei. Mutter 20. _ Zusammen 4644 Mk. Marken-Erlvs: Breslau: H. Sichel 250. Brückenau: Müdchengruppe 60. Frankfurt a. M.: Turch Jugendgruppe: verkauft von H. I. Hofmann 300, von Bettina Katz 297,55, von Jugendgruppe Tarmstadt 200, von Jos. Wohlfarth 50, Aron Kober-Breslau 38,60, Jugendgruppe Frankfurt 263,85, zus. 1150. Halber st adt: Heinrich Mchelberg 100. Leipzig: Dr. Dzialowski 4, Frl. Weinberg 10, durch Elfriede Strauß 11. Zusammen 1585 Mk.

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