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Das Echo · 1960-11-18 · 236 (18.11.1960) · p. [Seite 10]

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Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
236 (18.11.1960)
Date
1960-11-18
Page
[Seite 10] (sequence 10)
Language
German
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10. “DAS ECHO“ 18. November 1960. »EITE DER ERAR Vor einiger Zieit fand in Basel der Kongress des “International Council of Jewish Women” statt, der von 155 Delegierte aus 17 Laendem besucht wurde, die 550.600 jüdische Frauen vertraten. Wir entnehmen diesen Aufsatz dem Mitteilungsblatt des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland, “Die Frau in der Gemeinschaft", DER MENSCHHEIT DIENEN! Die festliche Eroeffnungssitzung im; neuen Zentrum der lsraelistischen Gej meinde Basel vereinigte zahlreiche; Redner zu herzlichen Worten der Begnissung: Für die Stadt Basel sprach | Regierungsrat Dr. E. Wyss, für die Vereinigung schweizerischer Frauenorganisationen Dr. Denis« Berthoud, für den Schweizerischen Israelistischen Gemeindebund Praesident Dr. G. Brunschwig, für den Vorstand der Israelistischen Gemeinde Basel deren Praesident Goetschel und für den jüdischen Frauenvereih Basel Frau H. Bodenheimer. Eingeleitet wurde die festliche Eroeffnungssitzung durch ein feierliches Gebet von Rabbiner Leo Adler und durch den herzlichen Willkommensgruss der Praesidentin des. Verbandes der schweizerischen jüdischen F-auenvereine, Vera Dreylus de Gunzburg Abschliessend richtete die Praesidentin des ICJW, Mrs. Robinson (Kanada) aufrichtige Dankes- und Begrüssungsworte an die festliche Versammlung. Kraft aus der Religion lm Mittelpunkt des ersten Kongresstages standen die Berichte der Vorsitzenden der staendigen Komitees, Kurzreferate der Damen Schulz (Kanada), Raich (Frankreich), Blumenfeld (Israel), Mandelstam (Südafrika) und das hervorragende Referat von Henry Shaw (London), dem Direktor der Hillel Stiftung von Grossbritannien, dei über “Judaismus und Fortbestehen jü- (USA) vorgeführt. Abschliessend sprachen die Damen Willen (USA) und P* levsky (von Joint in Genf) über “Ric tungen der Sozialfürsorge”. Rechtslage der Frau in ,adischert Gesetz Am dritten Konferenztag wurde das Hauptreferat von Marie-Helene Le. faucheux (Paris), Praesidentin des International Council of Women, zu d'sm Thema “Die Rolle der Frauen in den Vereinten Nationen" gehalten. Dieser Sitzungstag war vorwiegend Fragen der allgemeinen Erziehung, der jüdischen Erziehung, dem Status der Frau im allgemeinen Recht und dem Status der Frau im jüdischen Religionsgesetz gewidmet. Die Kurzreferate waren von grossem Interesse, besonders die der Danren Moses (England), Sloman (Südafrika) nnd Ide]- son (Israel), Mrs. Slom.an, die Praesidentin des Komitees für die Rechte der jüdischen Frau?n, gab einen Ueberblick über die Rechtslage der Frau im jüdischen Gesetz und ging Frau sprach Mrs. Reha Ideison (Israel), Sie wies darauf hin, dass die Rechtsstellung der jüdischen Frau insbesondere durch zwei Faktoren bestimmt wird: die Umgebung, in welcher sie lebt, und die Tatsache, ^dass sie ein Teil des jüdischen Volkes ist. Das Leben der jüdischen Frauen in Israel, so führte sie aus, wird von diesem Dualismus nicht berührt, die Gleichstellung der Frau wurde -zu einem der Grundsaetze der Unabhaengigkeitserklaerung des Staates erhoben. In einer kurzen Uebersicht legte sie die Familiengesetze, die der Rechtsprechung gemaess den Religionsgesetzen unterliegen, dar und steilte dann die Frauenrechte allgemeiner Art, wozu die politischen Rechte, das Recht auf Arbeit, auf gleichen Lohn, auf Zulassung zu Ausbildungs- und wirtschaftlichen Moeglichkeiten gehoeren, in den Vordergrund ihres Referates. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Beisp'el Israel auch ausserhalb der Grenzen des Staates seinen Widerhall finden moege. Die Frau der Gegenwart sei sich ihrer mannigfachen Aufgaben be. wusst: a'ls Staatsbürgerin, als Faktor der nationalen Wirtschaft, ais gleich- ELTERN - es betrifft euere KINDER! In der ganzen Welt bestehen SCHUL-VER- SICHERUNGEN. Die "Credinform" hat dieses Versicherungsfach nun auch in Bolivien eingeführt vnd bittet Elfem rrit den betr. SchuldirekLcnen darüber zu sprechen oder sich direkt an die Direktion für Bolivien der > AMERICAN LIFE La Paz — C. Potosí 1230 — Telefcn 5623 zu wenden, wo Herr Otto Dcmbusch den Interessenten gern zur Verfügung ¡Steht t I i discher Werte” sprach. Der Ehre, das Sch usswort zu halten, kam Jetnette Wolff (Berlin) in ausgezeichneter Weise nach. In bewegenden Worten brachte sie zum Ausdruck, dass es nur der Optimismus, welcher der jüdischen Religion innewohnt, war, der die Kraft zum Wiederbeginn, zu neuer Arbeit nach dem Ende des Nationalsozialismus gab. Der zweite Tag war dem Thema “Dienst am Menschen und internationale Programme der Sozialfürsorge” gewidmet. Unter der Leitung von Viola Hymes (USA) hielten die Damen Brown (USA), Domb (England), Krausz (Brasilien), Lorie (Kanada), de Kohan (Argentinien) und Goldsmith (USA) inhaltsreiche Kurzreferate die allen Anwesenden als Leitfaden’für die praktische Arbeit dienen werden. Ferner sprach Dr. John Rees i (London), Direktor der Weltfoedera- | tion für geistige Gesundheit zu dem I Thema ‘‘Probleme der gelberen Oe- ■ sundheit in der modernen Welt”. An- , schliessend wurde ein vom National j Council of Jewish Women of the Unij ted States entwickeltes sehr instrukti- I ves Schaubild über dieses Problem : von den Damen Goldenberg und Stern dabei im einze'nen auf die Probleme der Scheidung, der Agunah, Halitzah und des Erbrechts ein, die noch immer entwürdigenden Bestimmungen für die jüdische Frau enthalten. Sie schilderte dann die bisher in diesen Fragen erreichten Aenderungen lind forderte im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Anpasssung der jüdischen Gesetze an die modernen Lebensformen eine eingehende Ueberpi’üfung und Erneuerung dieser tief in die Sph.aere der jüdischen Frau eingreifenden Verordnungen im Sinne des Wortes: “Das Alte soll erneuert und ' das Neue soll geheiligt sein“. Ergaenzende Ausführungen zu diesem Refe- ' rat machten die Vertreterinnen des; Iran, die besonders unter den Bestim- : mungen des Scheidungs- und Erbrechts | zu leiden haben, da für sie in persoent liehen Angelegenheiten das jüdische; Recht gilt. Die Erleichterung ihrer j Lage soll durch einen Appel an führ. ' ende orthodoxe Rabbiner erreicht werj den. 1 Ihrer Verantwortung bewusst Ueb«r die allgemeinen Rechte der lO' ^llaof/clt DAS ECHO hat bereits einige. m.ale die Frage aufgerollt: Warum für unsere weibliche Jugend keine Batli- Mizwah? Leider blieb diese — wie so viele unserer Fragen — ohne Antwort, obwohl es sich hier um ein wirklich wichtiges jüdisch-religioeses wie paedagogisches Problem handelt. Es ist selbstverstaendlich dass unsere jungen das Heilige Fest der Bar- Mizwah erleben, ein Fest, welches den ganzen Familienkreis mit stolzer Freude erfüllt, und der für den Bar Mizwah ein strahlend heller Tag ist, an den er sich mit Freude immer wieder erinnert. Das Judentum haengt stark am Traditionellen, es ist schwer für das Neue zugaenglich. Aber auf allen Gebieten, den geistigen und wirtschaftlichen, stroemte die Welle modernen Zeitgeistes und forderte Reformen auf allen moeglichen Gebieten — auch auf dem des Kultus. Als unsere Aelteren Bar Mizwah waren, da war alles patriarchalisch ausgerichtet und der Gedanke wurde zur SelbstverstaendOichkeit, dass der Sohn der Traeger des Hauses ist, der besonders geehrt werden musste, die Tochter aber zur Hausfrau erzogen wurde. D,as ist lange her, dies sind verstaubte Ansichten, de für Zeitgenossen kaum noch Berechtigung haben. Wenn wir uns heute in der Welt umsehen, so erkennen wir, dass die Frau heute auf allen, aber auch wirklich: auf allen Gebieten, dem Mann kongenial ist und sich überall vollauf bewaehrte In amerikanischen Reformgemeinden gibt es sogar Frauen die Kantoren, ja sogar Rabbi sind, und die grossartig ihr Amt verwalten. Also warum noch heute die Trennungswand zwischen Jungen und Maedchen, warum keine Gleichberechtigung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft? ln Israel, in Nordamerika, aber berechtigter Ehepartner, Gestalterin des Heimes und als Mutter, die für Erziehung und Entwicklung der jungen Generation verantwortlich ist. Sie sei willens und in d°r Lage, diese Aüfga^- ben zu bewaeltigen. Der aktive Anteil der jüdischen Frauen in allen Lebensbereichen s”i augenscheinlich, und dfe zusaetzliche Aufgabe als Toechtei dieses alten Volkes, so schloss Beba ldelson, das dank einzigartiger Lebenskraefte trotz aller Verfolgungen eine wundeibare Auferstehung erlebt hat, sei eine besondere Verpflichtung. Der letzte Sitzungstag war der Fortsetzung der Diskussionen, der Abfassung von Resolutionen und der Wahl der Exekutve gewidmet. Ein besonoeres Wort der Anerkennung ual des Dankes muss an dieser Stelle der Praesidentin des ICJW, A. Robinson (Montreal) und d«n Mitgliedern des Komitees zur Vorbereitung der Kongresses ausgesprochen werden, die diese Tagung, in so ausgezeichneter Weise vorbereitet und für eine beispiellose Gastlichkeit und Herzlichkeit der Aufnahme Sorge getragen haben; es waren Mrs. Notkin (Kanada) und die Schweizer D.am!Jn Hacker, Dr. Bloch, Bernheim, Einsenmann und Dr. Feinstein, die in hervorragender Weise zum Gelingen dieses eindrucksvollen und interessanten Kongresses beitrugen. Das Erlebnis, an einer so wohldurchdachten und gut geleiteten internationalen Frauentagung teilgenommen zu haben, wird für uns alle ein£ bleibende Erinnerung und ein Ansporn für die zukünftige Arbeit sein. Lilli Marx. auch in vielen andern Laendern, hat sich die Bath Mizwah bereits so eingeführt, dass die Einsegnung von Maedchen zur schoenen Se'bstver-- staendlichkeit wurde. Besonders in Israel werden diese. Feiern im grossen Massstab durchgeführt: nach orientalisch-chassidische.m Brauch werden die 13-jaehrigen Maedchen kollektiv ein-. gesegnet, die mit allen Attributen dieses grossen Tages, wie Kaeppchen,, I Tallith und Gebetbuch, ansgestattet! sind. Gerade bei uns in Bolivien, woder soziale Einfluss nicht sehr charakterstaerkend wirkt, sollte man auf religioese Vertiefung im Jungmenschen besonders achten. Füer jeden Jungen ist die Bar Mizwah eine wundervolle Sache, aber auch für jedes jüdische Maedchen sollte eine Bath Mizwah eine Sache der haeuslichen Ehre sein. Die Einsegnung jüdischer Jungen und Maedchen ist der grosse Schrift, der sie in die Gemeinschaft aufnimmt und ihnen die Bindungen gibt, die sie als jüdischer Mensch im Lebenskampf brauchen. Unsere Maedchen werden1 heut«1 nicht mehr “auf den Mann dressiert”, sie wissen, was sie wollen, und füllen ihre Posten aus. Diese Maedchen, die zukünftig oft grosse und influssreiche Positionen bekleiden, sollen von dem jüdischen Wissen erfüllt sein, damit sie es spaeter an Kindern und auch an Andere weiter geben koennen. Die Bath Mizwah — Weihe ist die Erhebung aus dem Profanen zum edlen Religioesen, sie ist die erste Stufe des jüdischen- Menschen zur jüdischen Welt. Jüdische Eltern: Euere Maedchen sind ebenso wertvdll, wie Jungens! Be. nachteiligt euere Toechter nicht, indem ihr ihnen das grosse, erlebnissfrohe Fest der Bath Mizwah vorenthaltet. Curt Ludwig

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