Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 235 (3.11.1960)
- Date
- 1960-11-03
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Stargardt; Verlag: Editorial “El Progreso’\ Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz — Miraflores. — Büros: La Paz, Harrison 3 — Telefon 6080 / Cochabamba, Baptista 429. / Postanschriften: Revista EL ECO , Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba / Druck: Editorial Kollasuyo , Loayza 400 _ iinn/v v . lT/irn t rk i DAS ECHO ersch am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. Emoresa HUGO LANGER Lei Paz. + 6OO.OOO; kleinere F.aecheii entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion (nach vorherig “ t telefonischer Vereinbarung) Mittwoch nachmittags._ t Jahrgang XI. — Nummer 235. — 3. NOVEMBER 1960. — PREIS: Bs. 500.- Entgötterte I Unsere Zeit ist die Zeit ungegeheuerer technischer Fortschritte. Von 1.700 bis 1.900 wurden das Quecksilberthermometer, die Dampfheizung, der Blitzsableiter die Spinnmaschine, ’die Hydraulische Presse, die Lithographie, das Dampfschiff, die Buchdruckschnellpresse, die Schiffsschraube, der Elektromotor, die Lokomotive, die Harnstoffsynthese, die Stahlfeder, das Streichholz, die Zentrifuge, die Schie.ssbaumwoile, der Bunsenbrenner, das Fahrrad, die Kohlenfcrdenlampe, das Telefon, die Schreibmaschine*, Dynamit, Mikrophon, Elektrische Eisenbahn, die Dampfturbine, Gasglühlicht, das Benzinautomobil, die Kunstseide, das Grammophon, der Dieselmotor, der Kinematograph, das Prismenfernrohr und die Funkentelegraphie erfunden bezw, entdeckt. Gewiss waren diese Erfindungen gewaltig und gaben ‘der Menschheit die Moeglichkeii, die Zivilisation .und auch die Kultur wesentlich voran zu treiben. Aber die relativ kurze Spanne von 1.900 bis 1950 wurde erfindungsgeistig derart ausgenutzt, wie in keinen Zeitraum zuvor. Diese 50 Jahre waren wahre Triumpfe der ingenioesen Wissenschaft. Denken wir nur an Roentgenstrahlung, Quantenphysik, Relativitaetstheorie, Atomforschung und Astrophysik Marksteine auf dem Wege revolutionierender Physik! Die Naturwissenschaften haben einen siegreichen Marsch in die Zunkunft angetreten, der nicht mehr aufzuhalten ist, der die Menschheit in neue Lebensformen zwingen wird. II Den Sieg der Technik aber hat die Menschheit schwer bezahlen müssen. Das mechanische Prinzip führte den menschlichen Geist zur Oberflaechigkeit, zum Routinewesen, zum Schalthebelbediener. Der Weg in dieser Hinsicht führt weiter abwaerts. Die Me.- chanisierung im Leben muss zwangsweise zur Mechanisierung des Geistes führen. Alles ist, alles wird standardiert, genormt, alles lasuft in vorgeschriebenen Bahnen, der Mensch wird hol, er wird robot. Die beherrschende Technik schafft wohl Bequemlichkeit, aber wenig Freude. Die Freude des einfachen, natürlichen Menschen wurde getrübt durch den straffen, stampfenden Maschinenrythmus unserer Zeit. Die Vergnügen sind recht schal geworden, das Herz des Menschen wurde stumpf, die Hoerigkeit zum Flachen wurde entscheidender als zum Erhabenen und zum Guten. III Der westeurcpaeische Mensch, der Mensch in dessen direktem Umkreis der technische und pysikalische Umbruch geschieht, ist dem Umstürzenden nicht ganz ausgeliefert, da dies in seiner Welt geschieht. Trotzdem mehren sich immer mehr die Zeichen, dass auch Zeitgenossen in unserem Kulturraum, immer mehr im religioesen und philosophischen Denken von der Gottheit Technik beeinflusst werden. Die moderne Technik transformiert nicht nur die aeusseren Lebensformen, sie wirkt auch gravierend auf das seelische Leben. Der West-Mensch steht heute im Kampf zwischen dem Heut und dem Morgen, zwischen persoenlicher Freiheit und geistmordender Mechanik. Er wird viel Kraft, Ethik und menschliche Tradition aufzubieten haben, um in diesem Kampf als MENSCH zu bestehen. IV Der europaeischei und der amerikanische Mensch werden auf das Staerkste von der Potenz, der Technik beeinflusst. Aber primitive (?) Menschen werden von dem: Strem der neuen geistigen und technischen Erkenntnisse mitgerissen und sind oft zum sinken in die Leere verurteilt. Die Welt der Zukunft liegt im asiatisch-afrikanischen Gebiet. Diese Welt wurde durch ein Kolonialstem versklavt, der Aufbruch der Massen wurde immer wieder brutal unterdrückt. Das Zeitrad aber rollte vorwaerts und es kam auch für diese Menschheit der Tag der Freiheit und des Rechtes, ihr Leben selbst zu formen. Aus der Nacht des Sklaventums wurden diese Menschen (Fortsetzung Seite 2) 9, NOVEMBER 1938 Zu den geschichtlichen Daten trauriger Geschehnisse zaehlt der 9. November 1938. An diesem Tage bewies ein nationalistisches Ungeheuer antisemitische Taten, die an Planung und Tat nur einem teuflischen Hirn entspringen konnte. Dieses Hirn war die Führung des deutschen Volkes, des Grossdeutschen Reiches. An diesem 9. November vor 22 Jahren zersprang nicht nur sehr viel Kristall, sondern auch jüdische Herzen. Im Deutschland der Nazis wurde ein Scherbenhaufen von Moral, Glauben und Hoffnung errichtet. An diesem Tage wurde es zur Weltgewissheit, zu welchen Grausamkeiten wahnsinnstoller Faschismus faehig ist. Geschaefte, Warenhaeuser, Wohnungen der Juden wurden an diesem Tage ausgeraubt und «ingeeaschert, Gotteshaeuser, Friedhofskapellen, Krankenhaeuser wurden in Brand gesetzt. Eine Unzahl von jüdischen Menschen wurden geschlagen, zerschlagen, in Konzentrationslager verschleppt. Die nazistische Bestie feierte an diesem Tage mordfrohe Feste. Die gesittete Welt aber hüllte sich nicht in Staub und Asche, sie ging nicht nach der ersten Schockwirkung zur Aktion gegen das System der politischen Verbrecher vor. Die “Demokraten” hielten ihre diplomatischen Beziehungen mit Hitler-Deutschland aufrecht, sie stellten sich blind um nicht die unmenschlichen Ungeheuerlichkeiten zu sehen und dagegen energisch protestieren zu müssen. An diesem 9. November 1938 ging die gute Welt offensichtlich aus den Fugen. Der Urwald regierte und diktierte. Die Menschen wurden schwach .iund die demokratischen Regierung waren eingeschüchtert. Tyrannis legte seine Mutigen Spuren rund um die Welt. Die Feigheit der Welt machte das Hitler-Regime stark. Hier besteht eine geschichtliche Schuld die wohl kein Weltmeer wird loeschen koennen. Washington, London, Paris versagten klaeglich, selbst dann, als Hitler bereits die Kriegsfackel in die Tschechoslowakei warf. Man war nett zum braunen Unhold, man wollte ihn nicht reizen, man trieb eine .Politik, die diesen Tollen immer toller werden liess. Am 9. November 1938 begann der Nazikrieg, zuerst mit Schaendungen von Kultur und Zivilisation, von Menschlichkeit, spaeter immer weitere verbrecherische Untaten ziehend. Bis die Welt im hellen Brand des Kriegselend stand. Auch heute regt sich wieder kraeftig der Faschismus, der Nationalismus. Auch heute steht wieder die demokratische Welt auf Posten und sieht dennoch nicht das herannahende Unglück Der 9. November 1938 muss ein Fanal für immer bleiben. Er muss die Lehre dafür sein, dass man eine Bestie toeten muss, bevor sie ganze Voelker auffriesst! I ZUM 9. NOVEMBER jj/'EIN Blick, kein Gedanke, kein innig Erleben * Kann treulos verhauchend der Welt sich entheben. Vermag das Gedaechtnis die Flut der Gestalten. Im Rahmen des Spiegels nicht bergend zu halten, So draengt es entfesselt, was immer empfunden, Der Kraft zu, an die es von Anfang gebunden. Es toent eine Stimme aus ewigen Zelten: "Gewaltig entreisst euch dem Urquell der Welten, Ihr Stroeme, auf dass ihr die Herzen durchfliesst, Befruchtend zurück euch ins Weltall ergiesstl" (Aus: “Theresienstadt”, Gedichte von Gerty Spies).