Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 231-232 (20.9.1960)
- Date
- 1960-09-20
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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20. September 1960. “DAS ECHO” 9. Gedanken zur Für unzaehlige Menschen aller Religionen, aller Gesellschaftsschichten und aller Bildungsgrade ist der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode eine tiefe Überzeugung und eine liebe Hoffnung und damit ein Ansporn zu einem verantwortungsbewussten Lebenswandel. Moegen wir auch zuweilen den “Starken” spielen und so tun, als ob uns das Diesseits vollauf genüge, ja sogar, bei treuer PflichterfülMung, vollauf befriedige, 'es kommt doch einmal für einen jeden — und waere es erst auf dem Sterbebett — der Augenblick — man nenne ihn den “schwachen” oder den “einsichtsvollen” —, wo wir Ausschau halten nach jener verborgenen himmlischen Welt, in der wir weiter zu leben wünschen und wo wir unsere Lieben wieder zu finden hoffen, die uns in die Ewigkeit vorangegangen sind. Von dieser himmlischen Unsterblichkeit, die wir intuitiv ahnen, von der wir aber erfahrungsgemaess nichts wissen koennen, sagt die Thora in ihrer goettlichen Weisheit: “D'as Verborgene gehoert dem Ewigen, unserem Gotte; nur das, was offenbar liegt, srehoert uns und unseren Kindern”. Das Verborgene gehoert Gott; dem Menschen das, was klar liegt. Dies sind die Grenzen, die Gott selbst der menschlichen Erkenntnis gesetzt hat. ln den verborgenen Bereich kann der Mensch nicht eindringen. Jeder Versuch, diese Grenze zu überschreiten, führt auf gefaehrliche Irrwege und Abwege. Wir müssen Vertrauen haben, dass der Schoepfer, der uns das geheimmisvolle Leben gegeben hat, weiss, welch neuer und sinnvoller Bestimmung er es entgegenführt. Darum so'! auch unsere heutige Betrachtung nicht der uns wohl gewissen, aber doch unfassbaren menschlichen Unsterblichkeit gewidmet sein, sondern der Unsterblichkeit auf Erden. Diese liegt in unserem Bereich. Diese kann ein jeder sich verdienen, der Grosse wie der Kleine, der Reiche wie der Arme und sie ist die Vorstufe, die uns zur himmlischen Unsterblichkeit im Reiche Gottes führen kann. + Unsterblichkeit sollen wir erstreben auf Erden? In dieser Wellt, die jeden Sinnes bar zu sein scheint! In dieser Welt der Widersprüche. In dieser Welt, in der kaum jemand lebt, dem bittere Enttaeuschung erspart geblieben waere. Unsterblichkeit sollen wir erstreben auf dieser Erde, wo Leben und Tod, Freud und Leid so nahe beieinander wohnen; wo so viele Herzen gebrochen werden, so viele Blüten vorzeitig verwelken, wo. so viele bittere Traenen fliessen, wo so viel edler Stolz gedemütigt, so viel Freude getrübt wird, wo so viele hoff jiungsvolle Erwartungen vernichtet, so viel mühsam Aufgebautes nifidergerissen, so viel Recht zu Unrecht wird! Unsterblichkeit sollen wir erstreben in dieser Welt, wo so viele verzweifelte Menschen ausrufen: “Wenn dem so ist, wozu lebe ich?” + Der Talmud erzaehlt, als Rabbi. Jocharían ben Sakkai das Buch Kohelet zu Ende gellesen hatte, dieses Buch der jüdischen Skepsis, das die Weltführung Gottes und den Sinn der Welt in Frage stellt, und das zum Schlüsse kommt: es ist kein Unterschied zwischen Mensch und Tier, denn beide erwartet das gleiche Schicksal: der unerbittliche Tod; da rief er entsetzt über solche Betrachtungsweise aus: “Heil dem Manne, der im Glauben an die Thora gross geworden ,der eine so materielle Betrachtungsweise der Gottesschoepfung verwirft und der ein gottgefaelliges und sittliches Leben führt”. Rabbi Jochanan ben Sakkai, der berühmte Meister, bestreitet nicht, dass nach dem aeuss«ren Ablauf des Lebens Mensch und Tier gleichem Schicksal der Allmacht des Todes unterworfen sind, aber er weist zugleich darauf hin, dass nicht der Tod das letzte Wort behaelt, sondern das Leben, das triumphiert über den Tod, dass hoch über dem Tier steht der Mensch mit seinem freien Willen, mit seinem stets wachen, wenn auch unsichtbaren Gewissen, mit seinem ihm angeborenen ethischen Gesetz, das ihm die Mceglichkeit gibt, sich zu vervollkommnen, ja sich zu heiligen, teil zu nehmen an allem Edlen und Guten, einzutreten für Wahrheit und Gerechtigkeit, das ihm die Moeglichkeit gibt, sich einzusetzen für ein Ideal, für das er, wenn noetig, zu sterben bereit ist. Nur der Mansch hat die Moeglichkeit, mit ehernem Griffe das Andenken seiner guten Taten einzugraben in die Herzen seiner Mitmenschen und in die Annalen der Geschichte und so ein Segen zu werden für die kommenden Geschlechter. Nur der Mensch ist imstande, sich ein Mass von Unsterblichkeit auf Erden zu schaffen und nur auf ihn treffen die Worte zü: “Das i Andenken des Gerechten ist ein Segen”. Bei solcher Lebensbetrachtung und Lebensgestaltung fühlen wir uns emporgehoben über die Wirrnisse dieser Welt, der Staub des haessllichen Lebenskampfes zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk erreicht uns nicht mehr. Die Leiden Verlieren ihren bitteren Stachel, denn nun wissen wir: Aus diesem Chaos der Leiden und Leidenschaften wird eine hoehere Welt geboren, an der wir für unseren Teil mitschaffen und mitbauen dürfen und mitbauen sollen. So ist denn für den wahren Wert unseres Lebens nicht entscheidend, was , wir auf Erden gemessen, auch nicht, " was wir zufae'.lig besitzen ,auch nicht, ob wir früher oder spaeter diese irdische Welt verlassen. Entscheidend ■ allein bleibt, wieviel Segen wir als Mitarbeiter Gottes auf Erden zurücklassen. Das alleint ist das um uns Bleibende, das allein ist das Unsterbliche an uns im Himmel und auf Erden. -f Unsterblichkeit auf Erden! Mehr als alle Worte gilt die Tat. Es war im Jahre 1943. Im Warschauer Ghetto waren vieüe Hunderttausende von Deportierten zusammengepfercht, wie Schafe zur Schlachtbank bestimmt. Hunderte starben taeglich an Hungeroeden unter den furchtbarsten For men dieses qualvollen Todes. 30 Aerzte waren im Ghetto, zum Tode bestimmt wie alle anderen. Einer von ihnen versammelte alle Aerzte um sich und hielt ihnen folgende Ansprache: “Liebe Kollegen, wir wollen der Nachwelt zeigen, dass wir staerker waren als der Tod und dass unser Leben von unserem Feind nicht spurlos ausgdoescht werden konnte. Wir wollen den Humgertod, den wir sterben müssen, studieren in allen seinen Phasen, wir wollen woechentlich Zusammenkommen, unsere Erfahrungen austauschen, sie protokollarisch aufnehmen, zum Fortschitt der Wissenschaft, zum Wohle der Menschheit. Niitzen wir die wenigen uns noch verbleibenden Wochen aus, dann koennen wir ruhig sterben, dann aber koennen wir mit dem roemischen Dichter von uns sagen: “Non omnis inoriar”, wir sind nicht umsonst gestorben, wir lassei Leben auf Erden zurück”. Wer koennte angesichts solcher Seelengroesse und solcher Selbstverleugnung verkennen, dass im Menschen eine Kraft lebt, die über ihn hinausgeht. Eine geistige Kraft, die sich freimachen kann von allem Materiellen in ihm und sich einen Weg bahnen kann zu einer hoeheren Welt. Wer koennte leugnen, dass der Mensch imstande ist, Tod und Todesschreck zu überwinden, wenn er seinen Bück gerichtet hat.auf den Urquell alles Lebens. Unsterblichkeit auf Erden. Dieser Gedanke gilt auch für unsere lieben Toten, deren wir in der Seelenfeier gedenken. Sie sind nicht spurlos von uns gegangen, sie haben sich eingegraben in unsere Herzen, die seelischen Güter, die sie uns hinterlassen haben, sind wertvoller und dauerhafter als die irdischen. Ist nicht unsere Seele heute noch innig verschmolzen mit der ihrigen? Lebt nicht in uns fort ihre fFaltung, ihr Blick und der Tonfall ihres Wortes? Ist nicht ihre Ehre noch die unsrige, ist nicht die blosse Erinnerung an sie für uns anspornende Verpflichtung? Was Urahnen und Ahnen gesaet, ihre Kinder haben es ererbt und geben es weiter kommenden Generationen, so wie die Welle ihre Stosskraft weitergibt der naechsten, die naechste der naechsten, bis das Gestade erreicht ist. Nichts geht verloren im Reiche des Geistigen, wenn wir es nicht mutwillig ausstossen und verwerfen. Und wenn wir das Empfangene erhalten, pflegen und vertiefen, dann wirkt es sich aus im Leben wie im Tode, als ein unvergaenglicher Segen. Diese Gedanken geben uns Anlass, in der Stunde der Seelenfeier unserer lieben Toten zu gedenken mit Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit. Wissen wir doch jetzt, dass das Leben unserer Verstorbenen nicht unnütz gewesen, dass sein wahrer Inhalt nicht verlorengegangen ist. .Wissen dir doch jetzt, dass unsere Toten leben durch den Segen der Tugend, den sie bei ihrem flüchtigen Erdendasein hinterlassen haben. Dass sie leben in unserem Herzen, heute lebendiger noch als sonst, in der Weihestunde, die ihrem Seelenheile gewidmet ist. immilimiHllllH||.im|llIllIllllllllIlmi||II„g||Bl|||||I|||||||I1|IH||i|iH||i(HHHHHRal,biDr(A. 9PIPIEO U€€> AIUGI La Paz - Calle Potosí 1136 - Casilla 479-Teléfono 8443 DAS HAUS DER MODERNEN TECHNIK* STEREOFONIE: ““ ■ stiiSEsn ¡.siss" - “Zauberautomatic - Naehmaschinen Gritzner” “M*«;,. e* , Kühlschraenke “Liebherr” “Kralft” mit 5 “S‘rick ' Fix’ L KÖRTING ] "TRAMP 9 f der sensationelle neue Koerting- Transistoren - Rundfunkempfaenger! ‘Malag”-Elektroherde “Nomotta Edelstahlbestecke “Ernst Eickenberg, Soligen” Schachenmayr - Wolle und viele andere Artikel mehr! UNSERN JUEDISCHEN FREUNDEN UND KUNDEN WUENSCHEN WIR HERZLICH EIN GUTES NEUES JAHR’