Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 221 (30.3.1960)
- Date
- 1960-03-30
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i MUSIKTRUHEN Modell 1960 Eine Zierde für das* Heim - Ein Genuss Für den Musikkenner! in Hi-Fi und Stereo Jetzt zu Sonderpreisen! KOERTING “der strahlende Klang” Empresa HUGO LANGER La Paz C. Potosí 261 — Telefon 8445 — Casilla 479 S REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN Die unabhaengigte Halbmonatsschrift Boliviens in deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschaft Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Verlag: Editorial “El Progreso ’, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz — Miradores. — Büros: La Paz, Harrison 3 — Telefon 8403. / Cochabamba, Baptista 429. / Postanschriften: Revista “EL ECO’’, Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba / Druck: Editorial Kollasuyo”, Loayza 400 DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden 600.000; kleinere Flaechen entsprechend weniger. - telefonischer Vereinbarung) Mittwoch nachmittags. Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. - Sprechstunde der Redaktion (nach vorheriger Jahrgang X Nummer 221 30 MAERZ 1960. Preis: Bs. 500, — Die christliche Krankheit Eteanor Roosevelt, die heute 75jaehrige, Witwe des grossen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, sagte einmal: “Antisemitismus ist feine hoese Christliche Krankheit!” Diese Definition ist überaus zutreffend, es ist eine Formel die den morbiden menschlichen Charakter ausdrucksvoll skizziert. Antisemitismus ist ein Leiden, eine Krankheit, ein phatogemer, kontagiofeser Zustand, den die Christenheit aus* hoe)t und zersetzt; Antisemitismus sind ansteckende Bakteriten, die in Zel. len christlichen Blutes liegen. Antisemitismus, eine zivilisatorische Degenenerationsterscheinung, die ein Ocean von Blut und Traenen ausloeste; Antisemitismus ist eine der widerlichsten menschlichen Geieteshajtungen. Antisemitismus ist keine Zeiterscheinung; Judenhass gab es gestern und heute, ob Antisemitismus auch eine Erscheinung in kommender Zeit sein wird, haengt von der moralischen Entwicklung der christlichen Menschheit ab_ Mit folgendem Artikel soll der Versuch unternommen werden in kürzester Form einen Beitrag zur Geschichte und Psychologie des Antisemitismus zu liefern. Antisemitismus hat es immer gegeben; er btuehtfe stets bei kultivierten wie bei primitiven Voelkem. Antisemitismus ist so alt wie das Judentum selbst. Was sind nun die Ursachen dieses ewigen Judenhasses? In dem uns moeglichen, Rahmen wollen wir versuchen, die Kausalitaet des Antisemitisus aufzuzeigen. Organisierter Antisemitismus begann im Zeitraum des katholischen Absolutismus. Neben dem irrgtaeubigen Ketzer wurde der unglaeubige Jude dem Hexenrichter und Scheiterhaufen ufeberantwortet. Dieser Kreuzzug gegen die “Boesenf’ entsprang weniger religioesen .als finanzi©llten Motiven; die Judenverfolgungen-bereits in dieser grauen Vorzeit —sanierten Kirche )tmd Staats-i kasse. Waehrend des katholischen Mittelalters wurde eine religioese Renaissance durch den Protestantismus geschaffen, in deren Mittelpunkt die Achtung vor der Bibel war. Im 17. Jahrhundert wurde das Studium der ftebraeischfen Sprachen von den fuehrenden Protestanten wissenschaftlich beteieben ,was zur intensiven Beschaeftigung mit dem Judentum fuehrte. Die Folgen dieser philologischen Auseinandersetzung war die Erkenntnis "der Verschiedenheiten zwischen den den beiden Religionen und der Effekt, eine neue arttijuedische Aktien. Das klassische Hauptwerk dieser Epoche war “Entdecktes Judentum” von Johann Andreas Eisenmenger, ein Buch welches den langatmigen Titel trug: “GruendKcher und wahrhafter Bfericht, welcher Gestalt die verstockten Juden die Heutige Dreieinigkeit ferschrecklicher Weise verlaestem und verunehren, die hteilige Mutter Chijisti verschmaehen, Neue Testament, die Evangelisten Apostel, die clirptliche Religion^! poettisch durchziehfeil und das g? Christentum auf das aeussierste Vv ichten und verfluchen. Dabei noch vieles Andere, entweder garnicht oder wenig bekannte grosse Irrtuemer der juedischen Religion und Theologie, wHj auch te'eher): che und kurzwel1- Iige Fabeln .an den Tag kommen. Alles: aus ihren eigenen Bufechem eUwiesen. Allen guten Christen zur treuherzigen Nachricht". — Dieses Buch in 20 Kapiteln sucht die Minderwertigkeit der Juden zu beweisen, es “beweist,” sogar, das es den Juden erlaubt sei, Christen zu töteten und man sich “daher nicht juedischen Aerzten anvertrauen darf”. Eisenmengers aeusserst geschickt komponiertes Werk, stellt einte der gewaltigsten und verhaeingnisvclUsten Faelschungen innerhalb der an skrupellosen Faelschungen so reichen antisemitischen Literatur dar. Das Werk laesst grundsaetzlich alles fort, was dem Judentum zur Ehre gereichen koennlfe. “Entdecktes Judentum” hatte eine starke antisemitische Resonanz bis in unsere Tage und wurde vom “Mitesbacher Boten, dem “Vcelkischen Beobachter” undtlast not least!-vom “Stuermer” oft und begeistert zitiert. Die franzoesische Revolution brachte einen totalen Wandel im politischen und moralischen Denken. Das soziale Problem winde wesentlich. Alls so grossartigen sozialen Reformen, die diese Zeit formte, reichten aber nicht aus, um auch die Juden zu rehabilitieren. So wurde die Forderung auf Verleihung der Buergerrechite an die Juden auf dem Rastatter Kongress (1801) abgelehnt. Auch der im Jahr 1803 zusammeugetrettene Kongress in Regensburg, brachte den deutschen Juden nicht die von ihnen so sehr ersehnte buergerrechtlichte Freiheit. Um diese Zeit wurde das Buch von Paalzow venoeffentlieht: “De civitate Judaeorum” (“Von dem Bürgerrecht der Juden”), welches aufs neue leidenschaftlichen Hass gegen die Juden auflodern liess. Auch dieses judenfeindliche Werk, mit seiner bewusst - tendfenzioesen, hasserfuellten Sprache, ist bis bleute wirksam und inspirierte Chamberlajn Ws Fritzscb, Rosenberg und Streicher. Sammlung der Reaktion 1815 im Wiener Kongress. Neues Ansteigen des Antisemitismus. Von hoher Stelle her, wurde das Christentum als staats. erhaütsnd, das Judentum aber als staatszersetzend deklariert. Erst die grosse Maerzrevolution von 1848 (die tragischerweise fuer Deutschland, nur fein freiheitlicher Beginn, ohne wesentliche Folgen war), brachte den Juden di© von ihnen ersehnte Emanzipation. hi einer kurzen Spanne Zeit durften sich die Juden als vollwertige Menschen fuehlen und freiheitliche Luft atmen. Aber schon kurz nach dem Kriege 1870/71 entstand neue Feindschaft gfegen die Juden. L»v Antisemitismus in dieser Z;t, senelterieht unter der (damai <: ' genutzten) Marke eine:- religiocofen, j sondern originelljsnveise eines ras- < stechen Judenhasses. Es wurde er- | klaert, dass m.an gegen die juedische ’ Religion nicht das Geringste hatte, jedoch der Jude als Rasse—Element durchaus staatsgefefehrlich sei und daher bekaempft werden mutesse. Den Herren mit dieser neuen Antisemitischen Parole war es jedoch unmoeglich, dten wissenschaftlichen Beweis fuer Ihre kuehne Behauptungen zu erbringen und diese damit zu rechtfertiigen; aus diesem Grunde war der “rasischte Antisemitismus” sehr bald abgetan. Wenn die Juden der Welt nichts weiter gegeben haetten als die Thora, die Profeten, dlte Psalmen und das Sittengesetz, so haetten sie schon mehr fuer die Menschheitsmoral geleistet, als jedes andere Volk der Erde. Ab?r gerade die grosse jueldische Kulturtat, die in der Bibel festgielegt ist, wurde Anlass zum lte'igio nswissensc haitli dien Judenhass. Friedrich Delitzsch versuchte In seinem Buch “Bibel und Babel”, dem sittlichen Wiert elfer Bibel zu erschuettern. Delitzsch setzt Judentum mit Heidentum gleich; die Juden sind — nach Delitzsch — kein “Heiliges Volk, sondern Gott verflucht, sie lebe als “raubende und, mordende Nomaden”. Ja, selbst Jesus’ Judesein wird angezweifelt, da “Jesus Eltern und Vorfahren Ga- Iiltlcer, und gewiss nicht juedischen Gebluets waren”. Dter Kampf gegen die Juden ueber die Bibel, blieb aber immer fuer die Antisemiten gefaehr/ch Die Bibel war immer der gewaltige Bremsklotz im Amoklauf der Judenhasser, da die Bibel nun einmal die undiskutierbare Grundlage aller zivisatorischen Struktur und heilig ist ebenso fuer Juden ajs wie fuer Christen. Neuerlich wird das Alte Testament verbannt und das Neue zum ethischen Prinzip erhoben. Aber auch hier befinden sich die Antisemiten im Irrgarten menschlichen Denkens. Ihre Flucht vom Alten zum Neuen Ttestament “eiledigt” die Juden in keiner Welse; denn die Evangelien kuenden wltederum das Fundament der Menschlichkeit, geschaffen durch die Juden (Matthaei 1, 1 - V, 17-19 - XXVH, 46, Marcus XII, 29 — XV, 34 usf.). Die historische Rfealitaet ist staerker als alle scharfsinnigen Deutereien unserer Feinde um dl» Heilige Schrift. Das Juedische Testantent wird fuer immer die Grundlage echten Christentums und seiner Kirche bleiben! Nur Gottesleugner koennten der Bibel ihre Heiligkeit absprechen; glaeubfge Christen die gegen das Testament siuerm. n. kompromittieren ihre Froemmigkeit und erschuettern das eigne, christliche Fundament. Es wuerde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn wir die projuedischen Einstellungen grosser Theologen und Philosophen der Christenheit (wie Comill, Dibelulls, Sellin, Greszmann, Nltebergall, Foerster, Gunkel etc.) zu diesem Thema zitieren wuerden. Di© Bibel ist in ihrem inneren Gefuegfe ein organisches Ganzes, das sich nicht tendenziös redigieren iaesst. Wer eine neue Ethik (sei sie reiigioes, rassisch oder philosophisch) ohrfe Bibelgrundlage aufzubauen sucht, der baut auf Sumpf und ein solches Be- ,äj'imen, traegt den Keim des Untergäriges in sich. Die Bibel blleibt fuer alle Zeiten.auch wenn es in kurzen Strecken der Menschheitsgeschichte anders ist-cter 'inensehhejtsvcdb.'iidt nde Zwang, eine ethische Potenz, die unzcrstcerbar und zeitlos ist. Ant isemit Ismus fuehrt zwangslaeufig zur sittlichen Anarchie und Zerlstcterung aller Werte, idie die jedfle Basis der Menschheit ausmachen. Judenhas fuehrt zum Ruin christlicher Moral und zum positivten Heidentum. Es ist geschichtlich belegte Tatsache, dass die ¡grossen Antisemiten stets Renegaten ihrer Kirche waren. Der wahrhafte Christ kann einfach kein Judenhasser ein, da er weiss, das die Grundlage beider Religionen, ein Sittengesetz ist, welches 'ihnen innigst wandt ist; ein© Ethik die auf den zwei anaachtBgem; Pfefilern der Demut und Menschheitslltebe beruht. Nur ein Misanthrop kann dieses ehrwuerdige, menschheitsbeglueckende Sittengesetz zerteteren wollen, nur ein Geist, der das Schlechte errichten und das Gute vernichten moechte. Antisemitismus ist nicht die Folge von Nachdenken, sondern entstanden durch Mangel an Nachdenken, Die politisch oder wirtschaftlich am Antisemitismus interessierten Persoenilichkeiten, knallten judenfeindliche Phrasen auf die Strasse; die gedankenlose Masse nimmt diese antisemi- (Fortsetzung Seite 2) Für alle Versicherungen - Credinform International LEO BAittT INSTITUTE NEW