Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 217 (15.1.1960)
- Date
- 1960-01-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8. “DAS ECHO” 15. Januar 1960. F £ U | L L £ Treue Freunde unserer Zeitschrift in Cochabamba uebersandten uns folgenden hin Neiijahrsgruss Zwei Mal im Monat - ein herrlicher Abend! Zwei Mal im Monat "Das Echo" erscheint! Zwei Mal im Monat erquickend und labend "Das Echo" kommt und es lacht und weint. Zwei Mal im Monat die gleiche Weise: Der Tee in der Schale. Gal'letas dabei Und der Pic up. er spielt ganz leise — Wir lesen und lesen und lesen, wir zwei. Wie ist doch "Das Echo" so vielgestaltig! So manchmal es poltert und schmaehet und grollt Auf Seite 1 oft ganz gewaltig. Dann wieder zeigt es den Musen sich hold. Hier folgt ein Gedicht, dort eine Satyre, Von Israel dann ein schoener Bericht; Beschreibt 'ne Premiere, alsdann 'ne Broschuere, Von diesem und jenem, von Allem es spricht. Die neueste Erfindung, nicht'wird sie verschwiegen. Berichtet von Wundem aus aller Welt, Von Brifmarken, Festen, vom Frieden, von Kriegen, Von Flugzeugen, Schiffen und Stemenwelt! Da kann es doch wahrlich nicht unterbleiben. Wo sich nun zum Neu-Jahr die "Sechzig" nullt 'Nen Neujahrsgruss unserm "Echo" zu schreiben: "Schmueck weiter nun "Echo" jed' Heim und jed' Pult! Zwei Mal im Monat erscheine nun weiter Und weiter und weiter Jahr aus und Jahr ein In ewiger Frische« bald grollend, bald heiter — Das soll nun fuer heut unser Neujahrsgruss sein!" BRUNO FREUND UND FRAU Wo kommen die Frauen her? Eine Legende aus Suedamerika Ein alter Chaco-Indianer erzaehlt: Die Weh, frueher, bestand nur fuer die Maenner. Die Waelder, die Pflanzen die Tieere, alles war fuer die Maenner. Frueher^ da gab es keine Frauen. Die Maenner lebten zusammen in einem Dorfe, dessen Huetten am Pilcomayo standen, dem Flusse, der aus dem toten Leibe des Vaters der Fische stroemte. Sie wussten mit Pfeil und Bogen zu fischen und mit dem Netze oder stellten Fallen, in denen die dicken Surubies und Dorados des Nachts haengen blieben. Sie hatten viele fette Fische. Und sie jagten auch. Wildschweine, Eidechsen, Tapiere, Tiger und Voegel. Sie hatten viel Nahrung. Sie sammelten im Walde essbare Pflanzen und Fruechte der Urwaldbaeume und Wassermelonen. Sie schwammen lustig zwischen den traegen Yacarés und spielten im Sande Tun-T’e. "Wenn der Mond guenstig stand, dann, wenn die Fruechte des Algarobo reiften, bereiteten sie die Aloja und tanzten, bis die Sonne den Mond loeschte und schliefen, bis der Mond die Sonne dann wieder schlafen schickte. Es gab keine Frauen, frueher. Eines Tages fischten die Maenner sehr viel, kamen sehr muede zuruez in ihre Huetten und legten sich schlafen. Die Fische wollten sie am anderen Tage zum Trocknen zubereiten. Aber als sie erwachten, dann waren die Fische nicht mehl da. Sie suchten die Spuren der Raeuber und faden keine. Sie setzten sich zusammen um nachzudenken, und weil es damals noch sehr viel Arbeit machte zu denken, brauchten sie viele Jahre, um endlich zu beschliessen, dass einer von ihnen aufbleiben muesse, um des Nachts die Beute zu bewachen. Sie legten viele Fische und viele getoetete Tiere vor ihre Huetten und gingen schlafen, und einen Hessen sie als Wache draussen, versteckt hinter einem Yachane. Viele Jahre musste immer einer wachen, und nie mehr geschah etwas, bis eines Morgens der Waechter sagte: Viele grosse Tiere kamen an Schnueren vom Himmel und holten die Fische und sogar eine Decke und schwebten wieder hinauf. Und wieder berieten die Indianer lange Zeit, und dann zogen sie aus, um recht viele Fische zu fangen und viele Tiere zu jagen und legten alles vor die Huetten und versteckten sich. Und sie zuendeten kein Feuer an und warteten. Die Nacht war schon weit vorgeschritten, da kamen lange Schnuere vom Himmel, und dann kletterten an ihnen grosse Tiere herab, und es waren sehr schoene Tiere, wie sie sie noch nie gesehen hatten. Da eilten die Maenner aus ihren Verstecken hervor und schnitten die Stricke ab und banden die Tiere fest und warteten, bis es Tag wurde, um sie zu beschauen. Es wax-en Frauen. Als die Maenner sie losbanden, begannen die Frauen, Algarobo zu mahlen und Fische zu putzen und Fleisch zu braten, und sie zeigten sich als schoene und zahme Tiere. Jeder Mann wollte eines fuer sich, aber es waren ihrer nicht genug. Da stritten die Maenner unter sich und begannen, sich zu bekaempfen, und so starben gerade die Maenner, die zuviel waren. Und als fuer jeden Indianer eine Frau da war, begann die Wel von heute. Hans Mann O N Sagen Sie mal... “Eigentlich”, meinte der Auslaender, “finde ich die deutsche Sprache nicht allzu schwer”. “Ich dachte gerade das Gegenteil”. “Man kann doch wie in keiner anderen Sprache einfach alle Worte aneinanderhaengen”. “Das dürfte wohl übertrieben sein”. “Wenigstens die Hauptworte”. “Auch nicht in allen Faellen, aber im allgemeinen haben Sie recht”. “Nur eines verstehe ich nicht bei diesen Hauptungetümen”. “Und das waere?” “Ob man eine bestimmte Reihenfolge bei dieser. Zusammensetzungen einhalten muss”. “Ein Beispiel vielleicht?” “Gern, ich lese da soeben in einer Zeitung eine Todesanzeige, wonach eine Frau gestorben ist, die von den trauernden Hinterbliebenen als “Hilfslok-omotivsheizerswitwe” bezeichnet wird”. “Ja, das gibt’s”. “Welche Bedeutung hat nun die Reihenfolge der Hauptworte? Ist dies die Heizerswitwe einer Hilfslokomotive?” “Natürlich nicht. Es ist die Witwe eines Hilfslokomotivheizers”. “Die Hilfe gehoert also zum Heizer und nicht zur Lokomotive”. “Man kann es auch so ausdrücken”. “Dann waere es doch richtiger zu sagen, es handele sich um eine Hilfsheizerlokomotivwitwe”. “Welche Idee! Die Lokomotive gehoert noch mehr zum Heizer als die Hilfe, um bei Ihrem Gedankengang zu bleiben. Der Mann ist erstens Heizer, zweitens Lokomotivheizer, drittens, weil hilfsweise eingesetzt, Hilfslokomotivheizer. Seine Frau ist die entsprechende Witwe”. “Aha! Sehr interessant! Das habe ich nun begriffen, aber etwas anderes ist mir noch unklar geblieben. Es betrifft die einfachen Zusammensetzungen, die sogenannten Doppelworte”. ' “Ein Beispiel vielleicht?” “Nehmen wir das Wort Mottenkugel. Es ist zusammengesetzt aus Motte und Kugel”. “Ohne Frage”. “Koennte man nicht sauch Kugelmotte sagen statt Mottenkugel?” “Neinr das kann man nicht, denn eine Kugelmotte waere ja eine Motte in Kugelform”. “Und eine Motte hat keine Kugelform”. “Nein, eine Motte hat eine Mottenform”. “Aha! Dann waere also eine Mottenkugel eine Kugel, die ebenfalls eine Mottenform hat?” Sie haben eine Art, die Dinge zu sehen, die verblüffend wirkt. Aber selbstredend hat eine Kugel keine Mottenform, sondern die Mottenkugel heisst deshalb so, weil es sich um eine Kugel handelt, die für Mottan bestimmt ist. Sie sehen das z. B an dem Wort Mottenpulver. Das ist ein Pulver, das ebenfalls für Motten bestimmt ist”. “Und eine Pulvermotte gibt es nicht?” “Eine Pulvermotte gibt es nicht”. “Ich danke Ihnen. Jetzt habe ich nur noch eine Frage, das verschiedene Glas betreffend”. “Was betreffend?” “Das Glas. Sie kennen doch Kristallglas?” “Selbstverstaendlich”. “Warum heisst Kristallglas ausgerechnet Kristallglas?” “Weil es aus Kristall gemacht wird”. “Aha! Sehr interesant; dann ist also ein Bierglas ein Glas, das aus Bier gemacht wird”. “Sie sehen selbst, dass die unmoeglich ist”. “Warum sagt man dann nicht Glasbier statt Bierglas, um einen Unterschied zu machen?" “Unmoeglich! Denn ein Glas Bier ist ja auch kein Bier, das aus Glas gemacht wird”. “Aha! Ich verstehe. Ein Glasauge ist ja auch kein Auge, das aus Glas gemacht wird”. “Doch! Ein Glasauge wird aus Glas gemacht”. “Natürlich? Oder künstlich?” “Natürlich künstlich”. “Herzlichen Dank! Nun habe ich alles verstanden. Sagen Sie mit zum Abschluss nur noch eins; Zweifellos ist ein* Opernglas ein Glas, das aus einer Oper gemacht wird, wie ein Fernglas ein Glas ist, welches aus der Ferne stammt. Wenn ich nun ein Fernrohr mit ins Theater nehme, ist das dann ein Ferntheaterglas oder eine Theaterglasferne, eine Glastheaterferne, ein Glasferntheater ein Theaterfernglas oder etwa ein Fernglastheater?” “Nein, mein Bester! Ein solches Glas nennt . man einen: Operngucker!”. Auskünfte in' Vérsicherungsfragen / Credinform International, Lo Paz C. Potosí J230, Télefon 5623