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Das Echo · 1959-08-30 · 209 (30.8.1959) · p. [Seite 8]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
209 (30.8.1959)
Date
1959-08-30
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German
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8. “DAS ECHO’’ 30. August 1959 Die Geschichte der Anne Frank Es war ein warmer, sonniger Juiitag im Jahre 1942, als ich, wie gewoehnlich, das nunmehr berühmt gewordene Haus Prinsengracht 263 in Amsterdam oeffnete, in dem sich das Büro und Warenlager der kleinen Gewürzimportfirma befand, die ich für Otto Frank betrieb. Zu meiner Überraschung war Otto Frank schon im Büro. Sein Gesicht war ernst. “Het tydstip is nu ge körnen om hier onder te dukken” (“Die Zeit ist nun gekommen, wo wir uns verstecken müssen”)* sagte er. Am Vortage, berichtete er mir, sei ein offizielles Schreiben zu ihnen in die Wohnung gekommen. Es war ein Befehl für Margot, Annes sechzehnjaehrige Schwester, sich auf der Sammelstelle für den Abtransport nach Deutschland einzufinden. Zweifellos war nun der Tag herangekommen, auf den wir uns über ein Jahr lang in aller Stille vorbereitet hatten, waehrend die Fangschlingen der Nazis sich immer enger um die Juden in Holland zusammenzogen. Die Familie Frank war 1933 bei Hitlers Machtantritt aus Deutschland geflohen. Otto Frank wusste, was es bedeutete, als sich die Vorgaenge von damals in Holland zu wiederholen begannen. Unsere erste Massnahme war gewesen, dass mein Freund Kleiman und ich (“Koophuis” und “Kraler” in Anne Franks Tagebuch) pro for¬ Hinter den Autorennamen Victor Kugler, verbirgt sich “Kraler”, dem im “Tagebuch der Anne Frank” eine so hervorragende und menschenfreundliche Rolle zugewiesen wurde. Victor Kugler schildert in diesem Bericht die Familie Frank, welche zwei Jahre lang bei ihm im Versteck lebte. Im August 1944 entdeckte die deutsche Gestapo im nazibesetzten Holland dieses Versteck, die Familie wurde verhaftet, abgeschoben und kam -mit der Ausnahme von Otto Frank - um. Wir bringen diesen Artikel mit ellner Fortsetzung. Eine Woche danach kamen noch drei weitere Personen Personen hinzu: Herr und Frau van Daan mit ihrem fünfzehnjaetligen , Sohn Peter. Und spaeter oeffneten sie die Tür noch einmal für den Refugié Albert Dussel, einen Zahnarzt, dessen Frau, eine Katholikin, nicht vor den Nazis hatte fliehen müssen. So waren schliesslich acht Menschen in dem Versteck. Nur einer von ihnen sollte den Krieg überleben. Anne Frank nahm einen Gegenstand in das Versteck mit, der uns wohl alle überleben wird. Es war das Tagebuch, das sie ein paar Wochen zuvor zu ihrem dreizehnten Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Anne Frank war nicht leicht zu beschreiben, selbst für jemanden, der sie so gut kannte wie ich. Sie war traurig. Sie war lebhaft — und sie war zurückhaltend. Wie sie ihrem Tagebuch anvertraut hat, war ihr der Werdet Mitglied des “Circulo Israelita”! ma die beiden kleinen Firmen über nahmen, die Otto Frank gehoerten. Die beiden Firmen, die Speisegewürze und Pektin zum Einmachen importierten, befanden sich in einem alten vierstoeckigen Haus in der Naehe der berühmten Wester Kirche, in der Rembr.andt beerdigt liegt. Dass Haus diente gleichzeitig als Bürohaus und Warenspeicher. Die Hinterraeume der beiden Oberstoecke waren durch ein Treppenhaus vom Hauptgebaeude getrennt, und wir hatten den einzigen Zugang zu ihnen durch einen ausschwingbaren Bücherbord getarnt. Sie enthielten eine Toilette und fliessendes Wasser. Die anliegenden Raeume waren Büros, die nachts nicht benutzt wurden. Wir nahmen an, dass allfaellige Geraeusche in dem Versteck bei Tage in der ziemlich lauten und geschaeftigen Umgebung nicht gehoert werden würden. Vier von Franks Angestellten wussten von dem Plan: Kaiman und ich sowie die beiden Büromaedchen IVüep und Elti. Ausserdem waren nur noch drei Arbeiter in der Firma beschaeftigt, die von dem geheimen Hausteil nichts wussten. Sie hatten im allgemeinen im Erdgeschoss zu tun und würden wohl nicht hoeren, was im “Achterhuis” vorging. Ein Jahr lang hatten wir nach und nach Lebensmittel dort angehaeuft, vor allem Konserven, ferner Bettzeug und das Notwendigste an Moebeln. Marken für weitere Lebensmittel wollten wir auf dem schwarzen Markt kaufen. An diesem Morgen waren die vier Franks schon durch den Geheimeingang geschlüpft, der sie über zwei Jahre lang verbergen sollte. Um kein Aufsehen zu erregen, hatten sie so viele Kleider, wie sie konnten, übereinander angezogen und nur kleine Pakete unter den Arm genommen. Die vier waren Herr und Frau Frank und ihre beiden Toechter, die sechzehnjaehrige Margot und die dreizehnjaehrige Anne. Name “Kleines Bündel von Widersprüchen” nicht umsonst gegeben worden. Ihr Übername in der Schule war, “Fraculun Quack-Quack”, da sie gern waehrend des Unterrichts schwatzte. Einmal musste sie zur Strafe einen Aufsatz mit der Überschrift “Plappermaul” schreiben. Bald darauf einen zweiten: “Unheilbares Plappermaul”. Aber Anne konnte mehr als plappern. Es gehoerte zu unserem Plan, das “Verschwinden” der Frank durch “künstliche Spuren zu tarnen, aus denen man entnehmen sollte, dass sie ausser Landes geflohen seien. Ein Brief entsprechenden Inhalts, den Frank geschrieben hatte, wurde von einem Grenzort aus aufgegeben. Und ein paar Wochen zuvor hatte ich mit meiner Frau die Franks zu einem Abendessen besucht, von dem wir hofften, die Nachbarn würden es für unser Abschiedsmahl halten. Um meine Frau nicht in die Sache hineinzuziehen, hatte ich ihr nichts von unseren geheimen Plaenen gesagt. Aber sie war, so wie auch Anne Frank, sehr feinnervig, und waehrend des Essens geschah etwas Sonderbares. Eine Gespraechspause war entstanden, und ohne besonderen Grund hob Anne ihren Blick und sah meiner Frau in die Augen, die den Blick erwiderte. Nach einer kleinen Weile sagte Anne in die immer noch herrschende Stille-.. Ich habe eben mit Frau Kugler gesprochen, und niemand hat es gehoert”. Ob dies einfach eine Vorahnung war, die beide hatten, oder ob sie sich auf konkrete Weise verstaendigt hatten, werde ich nie erfahren, denn beide sind heute tot. Waehrend ihrer Tage in dem geheimgehaütenen Teil des Hauses schrieb Anne Frank ausser ihrem Tagebuch auch eine Reihe von Kindergeschichten, die einen grossen Charme haben. “Das Blumenmaedchen”, “Der kluge Zwerg” und “Der Baer, der die Welt entdeckte" sind einige der Titel Sie wurden nach dem Krieg in Holland unter dem Gesamttitel “Weet Je Nog?” (“Weisst du noch?”) herausgegeben. Anne redete ihr Tagebuch stets als “Liebe Kitty” an, und in einer Eintragung, kurz nachdem sie mit ihrer Familie in das Versteck gezogen, aus dem sie über zwei Jahre lang nicht herauskommen sollte, schrieb sie, sie haette beschlossen, dass niemand es je zu Gesicht bekommen sollte. Wie sie sich doch geirrt hat! Auf den Seiten des in Karton gebundenen Büchleins registierte sie aufs empfindsamste die Spannungen, die Verzweiflung, die kleinen Freuden und die Augenblicke des Schreckens welche die acht Eingesperrten durchmachten. Sie erzaehlte von ihren Reibereien und von ihrem ersten Kuss (von Peter van Daan, in den sie und ihre Schwester sich vertiebt hatten) und, mittelbar, von ihrem eigenen Heranwachsen. An ihrem 15. Geburtstag, am 13. Juni 1944, erfaehrt “Liebe Kitty”, was Anne für Geschenke bekommen hat, einschliesslich “des Hoehepunktes, dem Buch, Maria Theresia, und drei Ecken Vollfettkaese von Kraler”. Wie froh bin ich, dass du das Buch über die Kaiserin von Österreich genossen hast, Anne, und auch den Kaesel Du hattest nicht viel Zeit zum Gemessen. Zwei Monate danach sass ich um halb elf Uhr morgens im Büro, als vier Polizisten hereinkamen. Drei waren Hollaender, der vierte ein Nazi-Unter Offizier, der das Kommando hatte. Einer der Hollaender war ein gewisser Maarten Rossum, ein notorischer Kollaborateur, der nach der Befreiung erschossen wurde. Der Nazi war ein Oesterreicher namens Silverthaler. “Wer ist der Hauseigentümer?” fragte er. Ich wolUte ihm die Adresse des Lagerhausbesitzers geben. “Nein, nein”, sagte er. “Das interessiert uns nicht. Wer ist hier verantwortlich”? “Ich”, gab ich zu. “Gut, kommen Sie mit. Wir wollen uns die anderen Raeume ansehen”. Ich versuchte, unbefangen zu erscheinen, als ich ihnen die Büros und u w u w> — .. Lagerraeume zeigte, aber inwendig hatte ich Schmerzen vor Angst. Ich hatte für die hollaendische Widerstandsbewegung Aufnahmen gemacht. War das wohl der Grund, warum sie hier waren, fragte ich mich. Oder war es das Geheimversteck? Ich sollte es sehr schnei erfahren. Ich oeffnete zur Inspektion ein paar Kisten mit Milch und Zucker im zweiten Stock. “Wir werden jetzt nach Waffen suchen”, sagte Silverthaler. Damit ging er schnurstracks auf das Bücherbord zu, riss es aus den Angeln und legte die verdeckte Tür frei. Da wusste ich, dass jemand uns verraten hattet. Sie zogen ihre Pistolen und winkten mir, die Treppe vor ihnen hinaufzugehen. Die erste Gestalt, die ich sah, war die von Frau Frank, die bewegungslos im Wohnzimmer sass. Beim Hereinkommen flüsterte ich: “Gestapo”, aber sie rührte sich nicht. Jetzt, da der langgefürchtete Augenblick gekommen war, schien sie wie beateubt. Die anderen kamen langsam aus dem anderen Zimmer und aus der oberen Etage herunter. Das einzige Anzeichen von Erregung kam von Margot, die still weinte. “Gut”, sagte Silverthaler. “Packt eure Sachen!” Gewoehnlich Hessen sie ihrem Opfern nur wenige Minuten Zeit, um ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Aber jetzt geschah etwas Merkwürdiges. Silverthalers Blick fiel auf eine graugestrichene Kiste mit eisernen Scharnieren, die Frank gehoerte. “Wo hast du die Kiste her?” fauchte er ihn an. “Ich war Offizier der deutschen Armee im ersten Weltkrieg“, sagte Frank. Das entsprach der Wahrheit. Er war nach der Matura eingezogen worden, hatte die Schlacht an der Somme als Artillerist mitgemacht und war im Feld zum Offizier befoerdert worden. Silverthaler bekam ein rotes Gesicht. Der Gedanke, dass ein Jude Offizier war, wollte ihm nicht in dem Kopf. Fast aergerlich stiess er hervor: “Warum haben Sie sich dann nicht gemeldet und registrieren lassen”? Frank gab keine Antwort. “Sie waeren nach Theresienstadt gekommen”, fuhr Silverthaler fort. Theresienstadt war ein “Vorzugslager”, wo auserwaehlte Juden hingeschickt wurden, anstatt in Ausrottungslager wie Auschwitz zu kommen. Es war wie eine Ironie, dass Treresienstadt nach der Kaiserin Mar ria Theresia benennt war, von der das Buch handelte, das ich Anne geschenkt hatte. Fortsetzung in unserer naechsteir Ausgabe! svnemen, ais ich ihnen die Büros und I Ausgabe! w w *-«.-*.***+* ¥ ¥ ¥ ¥¥■***++*+*** * * * -k -K -k -k -k * * -k * * -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k •k -k -k -k -k -k •k -k •k t t csa MALAGA ❖ T O K A Y ❖ ALICANTE zum Freitag Abend f zu festlichen Anlaessen " GLOBUS Ltda. 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