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Das Echo · 1959-05-13 · 202 (13.5.1959) · p. [Seite 17]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
202 (13.5.1959)
Date
1959-05-13
Page
[Seite 17] (sequence 17)
Language
German
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Jehuda Arazis Kampf und Sieg Jehuda Arazi (Tennenbaum), üründer und Chef des Hotöls Rarnat Aviv, ist vor wenigen Wochen nach laengerer Krankheit in seinem 52. Lebensjahre verstorben. Die Presse brachte ausführlche Nachrufe, in denen insbesondere der Taetigkeit des Heimgegangenen im Dienst der Haganah und der Aiijali Bet gedacht wurde. Wir erfuhren, dass Arazi es mehr als 100 000 "llegalen” ermoeglicht hat, ins Land zu kommen. In welcher Weise er dabei zu Werke ging, welch ein Mass von Wagemut, Unerschrockenheit und Umsicht er an den Tag legte, das konnten uns die Nekrologe nicht schildern. So blieb sein Bild blass u. schemenhaft. Arazi gehoert zu den zentralen Figuren, welche die Haganah mit Waffen, Munition, Ausrüstung und .anderem Verteidigungsmaterial versorgten. Er stand in der vordersten Reihe jener Persoenlichkeiten, welche die Maapilimtransporte organisierten ■und Aktionen durchführten, wie sie in ihrem dramatischen Verlauf und in ihrer Kühnheit gewiss einmalig in der Weltgeschichte dastehen. In ihrem Buch “The Secret Roads — the Illegal Migration of a People“ (Marin Secker and Warburg Ltd. London 1054) haben es Jon und David Kimche unternommen, das HeOdenepos, —Aiijah Beth genannt — zu schreiben. In einem besondern Kapitel mit der Überschrift “Die Affaere La Spezia” schildern die Verfasser den mühe — und gefahrenreichen Weg des Flüchtlingstransportes auf der “Fede”, eines gecharterten Schiffes, das spaeter den (Namen "Doy Hos“ erhielt. Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Figur jehuda Arazis, der sich in jenen Frühjahrswochen des Jahres 1046 als ein ausgezeichneter Organisator erwies, als ein Schiffskommandant, der sich Respekt und Gehorsam bei der bunt zusammengewürfelten tausendkoepfigen Masse abgehetzter Menschen zu verschaffen wusste, und der in seiner Unnachgibigkeit und durch seine überraschenden Improvisationen allen Gewalten zum Trotz den Kampf mit den harten Gegnern im Lager des englischen Militaer und der Polizei, sowie mit den britischen Staatsautoritaeten, bis zu vollem Erfolg geführt hat. Die “Fede” ankerte in dem kleinen;an der Nordwestküste Italiens gelegenen Hafen La Spezia und hatte die Erlaubnis, Salz nach Sardinien zu befoerdern. Statt dieser Fracht brachten Arazis Helfer, Angehoerige der jüdischen Brigade, Olim an Bord, welche auf 20 Lastwagen der englischen Armee aus den Lagern herangeführt worden waren. Arazi gelang es, als ““.ausgerissener Flüchtling” das Schiff zu besteigen. Er übernahm sofort das Kommando über die Besatzung und die Passagiere. Alle Schritte, die hinfort gegenüber den italienischen und •englischen Hafenbehoerden zu unternehmen U'aren, bestimmte von jetzt ab Arazi allein. Dabei verstand er es ■ausgezeichnet, die Abneigung der Italiener gegenüber den Briten in sein Kalkül einzustellen. Als der Major Hill vom Intelligence Service vom Kai aus die Aufforderung zum Deck hinaufrief, die Flüchtlinge auszubooten, erfolgte etinet entschiedene Ablehnung durch Arazi. Der "Drohung Hills, die Ausbootung mit militaerischer Gewalt zu erzwingen, Einer der zahlreichen Helden des jungen Staates Israel, war Jehuda Ärazi, über dessen stilles Heldentum und starke Menschlichkeit, nachstehender Artikel berichtet. Sein kürzlich erfolgter Tod hat aufrichtige Trauer im ganzen Land ausgeloest und iührende Maenner Israels hielten und schrieben gefühlvolle Nekrologe. — Von besonderem Interesse für unsere Leser dürfte die Geschichte von Jehuda Arazi sein, da dieser ein Bruder von Tuvia Arazi war, dem israelischen Botschafter vor der bolivianischen Regierung. setzte Arazi die weitaus wirksamere sehen an. Die Zuneigung zu den entegegen, das Schiff in die Luft zu | Maapilim und ihrem Führer wuchs in sprengen, sobald ein Soldat es wage, | dem Mass, in dem die Miss-Stimmung Hand an einen der Flüchtlinge zu le- ' gegen die Englaender zunahm. Als gen. Major Hill, der nicht recht wuss- \ sich dann auch noch Reporter aus aller te, ob Arazi bluffe, hielt es für ani Welt einstellten, .liess Arazi über den gezeigt, die auf Deck befohlenen Trtip-; Hafeneingang ein riesiges Transparent pen abzuziehen. Dafür legte er einen spannen, das die Inschrift trug: dichten Kordon mit Panzerwagen um | "Schaar Zion”. Über ihm flatterte eine das Hafengelaende und Hess ein j blauweisse Fahne. Wenn dann der Kriegsschiff zur Seite der Fede ankern, j sich als Herr der Situation fühlende Damit waren die Plaene zur Abfahrt | Schiffskommandant vom Deck her zünvorerst zunichte gemacht. j dende Ansprachen an die am Kai war- Arazi beschloss jetzt, an das Gej tenden Massen hielt, dann durfte er wissen der Welt zu appellieren. Es! stürmischer Zustimmung sicher sein, wurden Protesttelegramme abgesandt | Major Hill — in seiner wenig bean den Premier Clement Attle, an! neidenswerten Lage — suchte einen Truman, Stalin u.a., und an die be- I Ausweg aus der Affaere und bot Arazi deutenden Presseagenturen der weiten I an, die Flüchtlinge in ein Genesungs- Welt. Damit kam eine starkes Un- 1 heim zu überführen, damit sie dort behagen in das Getriebe der Diploma- | auf die Zuteilung von Zertifikaten tie; das Ansehen des britischen Emwarten koennten. Das Angebot wurde pire sank in nicht geringem Masse, abgelehnt und Hill davon in Kenntnis Major Hill sah sich bald veranlasst, gesetzt, saemtliche Passagiere traeten dem Ersuchen Arazis, das gesamte in einen Hungerstreik. Er werde erst Hafengebiet zu raeumen, Folge zu leidann sein Ende finden, wenn das Schiff sten. Dafür legte er den Kordon in freigegeben werde. Dass dies nicht staerkerer Dichtte weiter hinaus. Das tagtaeglich sich mehr zuspitzende Ringen der beiden Maenner lockte Massen schaulustiger Menleere Worte waren, zeigten von nun an zwei Schilder, die tagtaeglich die Anzahl der Hungerstunden und der Erschoepften anzeigten. Nach Ablauf | AM SCHEIDEWEGE jj | H Am Scheidewege steht ein Baum, (] | § gar traurig anzusehn — 1A ein Jude geht mit Sack und Stock, A j * schaut rückwaerts und bleibt stehn. U i 0 O Herr der Welten! Heiliges Volk, \j | kommt zum Gebet herein: s : A Gehn Juden heim nach Israel, A § wird grosse Freude sein,, Woher, mein Vater? Und warum 0 siehst du so traurig aus? “Verliess die lieben Enkel doch, das Grab der Frau, mein Haus!" Ach, Alter, was verlaesst du sie, im fremden Land allein? "Nach Israel, der heil'gen Stadt, verlangt das Herze mein!" Was machst du, wenn du dorthin kommst? "Zur Klagemauer gehn, zum Grab der Vaeter, Rachels Grab, schütt aus mein Herz mit Flehn". O Herr der Welten! HeiTges Volk, kommt zum Gebet herein: gehn Juden heim nach Israel, wird grosse Freude sein. SALMAN SCHNEIUR. (Übersetzt von Annemarie Schimmel) von 611 Stunden Lagen auf Deck dichtgedraengt hungrige voellig erschoepfte Menschen aller Jahrgaenge. Die Spannung stieg aufs aeusserste; auch die Bevoelkerung nahm eine drohende Haltung gegen die Besatzungstruppen ein. Das zeigten die Steinwürfe durch die Fensterscheiben der Kommandantur. Als die 75. Hungerstunde angezeigt wurde, fuhren zwei Autos am Schaar Zion vor. Ihnen entstiegen der britische Arbeiterführer Harold Laski nebst ein paar Offizieren. Ihnen war die Mission übertragen worden, den Konflikt zu loesen. Laski schlug Arazi vor, es sollten die Passagiere das Schiff verlassen, in ihre Lager zurückkehren und von dort, mit Zertifikaten ausgestattet, gruppenweise zur Aiijah | gehen. Mit erregter Stimme erwiderte j Arazi, seine Schützlinge haetten; geschworen, eher Hand an sich zu j legen als noch einmal den verruchten | europaeischen Boden zu betreten. Die i ersten zehn, die sich freiwillig als i Opfer für den kommenden Morgen j bereithielten, boeten die Gewissheit, dass der Schwur gehalten werde. Die Situation war sehr ernst, das empfand Laski sehr deutlich. Er ermahnte zur Besonnenheit und versprach, in unmittelbarer Unterredung mit dem Premier einen zufriedenstellenden Ausweg aus der Affaire zu suchen, sofern der Hungerstreik abgebrochen werde. Arazi stimmte dem Angebot Laskis zu; die Passagiere nahmen auf seine Anordnung hin wieder Speise und Trank zu sich. Es trat eine gewisse Atempause ein; dieHoffnung, bald auf hoher See zu sein, belebte die nahe am Ende ihrer Kraefte stehenden Menschen. Eine fühlbare Hebung der zuversichtlichen Stimmung erfolgte durch eine hoechst originelle Aktion Arazis. Er liess von einem italienischen Künstler Orden hersteilen und lud die Honoratioren der Stadt und viel Volk zum Sederabend ins Hafengelaende ■ ein. Waehrend der Vorlesung der Hagadah heftete er feierlich einem italienischen Pohzeisergeanten. der wegen allzufreundlicher Zuneigung zu den Maapilim in Haft gesetzt worden war, und einigen der Flüchtlinge, die sich geweigert hatten, Nahrung aufzunehmen, den Orden an. Nur wenige Tage vergingen, da! lief die Antwort aus England ein: i 679 der Alaapilim sollten aach Palaesi tina befördert werden, die übrigen hatten in La Spezia abzuwarten. Das Angebot wurde nicht akzeptiert Erst am 33. Tage nach der Absperrung im Hafen war der volle Sieg über das maechtige britische Empire errungen: die “Fede” durfte die Anker lichten, ihre Menschenfracht war frei. Unter dem neuen Namen “Dov Hos” stach sie in See, nachdem sie die Haelfte der Passagiere an ein anderes Flüchtlingsschiff, das den Namen “Eliahu Golomb" erhielt, abgegeben hatte. Unter dem Beifall der sich am Kai stauenden Menge und unter den Klaengen der Stadtkapelle begann die Fahrt dem heissersehnten Ziel entgegen. Der Kommandant aber übertrug die Befehlsgewalt in andere Haende und kehrte auf einem Ruderboot zum Hafen zurück. Seiner wartete noch viel Arbeit in Italien. Dr. S. Braun. LA GERENCIA DEL GRAN HOTEL COCHABAMBA saluda al Estado de Israel en su glorioso Dia de su indevendencm ....

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