Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 201 (15.4.1959)
- Date
- 1959-04-15
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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15. April 1959. “DAS ECHO” 5. Wirtschafts - Berichte Argentinien: Wirtschaft im Engpass md lei sie aé der che ein >gi. ruch :hen lank chiraoch nde .as diet lera neu. Es unterliegt keinem Zweifel, dass ■der argentinische Praesident Dr. Frondizi und seine Regierung mit Tatkraft dem argentinischen Wirtschaftschaos zu begegnen versuchen; doch bedarf es übermenschlicher Anstrengungen, um zu einem Erfolg zu gelangen. Das Programm der Regierung ist in der Hauptsache auf zwei Punkten aufgebaut rerstens, den inneren sozialen Frieden und den politischen Ausgleich im Lande wiederherzustellen, und zweitens, das Land in seinem Lebensbedarf vom Auslande moeglichst unabhaengig zu machen. Der innere soziale Friede ist nur wiederherzustellen, wenn es gelingt, die Inflationsspiralle aufzuhalten, und die Preise dem Lohnniveau anzugleichen. Um das Land in seinem Lebensbedarf vom Auslande unabhaengig zu machen, müssen die im Boden ruhenden Schaetze gehoben und verarbeitet werden. Bei einem kürzlich stattgefundenem Essen der Auslandspresse konnte man im Gespraech mit führenden Persoeniichkeiten aus Finanz- und Industriekreisen, wie einige Tage spaeter in einer Pressenkonferenz aus den Worten des Presidenten feststellen, dass das groesste Hindernis im Engpass der argentinischen Wirtschaft die Devisenknappheit ist. Vorerst ist Argentinien noch nicht in der Lage, seine gplante Industrie aus eigenen Mitteln lebensfaehig zu machen. Man ist eifrig bemüht, das Erdoel zu erschliessen und hat dabei schon Erfolge erzielt. Sollte durch die neuen Planungen die Industrie groesseres Ausmass annehmen so würde sich der Bedarf an Erdoel steigern. Es bestehen und entstehen im Lande Fabriken grosser auslaendischer Automobilwerke, die in der Hauptsache Lastwagen und Traktoren herstelllen. Nach den eigenen Worten des Praesidenten muss sich diese Herstellung nach den zur Verfügung stehenden Treibstoffen aus der einheimischen Petroleumgewinnung richten Um neben dem erhoehten Industriebedarf Treibstoffe für die Verkehrsmittel zur Verfügung zu haben müsste der Rhythmus der Petroleumausbeutung den der Produktionssteigerung übertreffen. Die Produktionssteigerung selbst haengt in grossem Ausmass von der Betriebsfaehigkeit des Transportes ab. Die Ausweitung des Kraftwagentransportes erfordert die Verbesserung und den Ausbau des Wegesystems, ein Problem, das viele Millionen Dolllar erfordert, die erst beschaefft werden müssen. Praesident Frondizi erklaerte in der gleichen Pressekonferenz, dass auf lange Jahre hinaus keine Lokomotiven, Waggons und sonstiges Eisenbahnmaterial aus dem Auslande einge.. führt werden koennen. Der Bedarf müsse sich .auf die Herstellung im eigenen Lande beschraenken. Die Fabrikation derartigen Materialis befindet sich in Argentinien erst in den Anfaengen. Es bedarf noch geraumer Zeit, bis genügend Fachkraefte heranbildet sind. Ausserdem besteht das Problem der Beschaffung der erforderlichen Rohmaterials. Das argentinische Eisenbahnnetz ist seit Jahren überlastet und sein Material wird neben der Ueberalterung über die Norm hinaus beansprucht. Es gehen dauernd grosse Mengen Obst und Landesprodukte verloren, da nicht genügend rollendes Material zur Verfügung steht, sie abzutransportieren. Das sind einige der Probleme, die darauf hinweisen, wie schwer es für die Regierung sein wird, aus dem Engpass herauszukommen. Waehrnd man im Lande Kraftwagen herstellt, stehen im Hafen, der Witterungsunbill ausgesetzt, tausende Kraftwagen aller Kategorien und Marken, die nicht aus dem Zoll her.ausgenommen werden. Die Regierung hat ausser dem Zoll eine derartig hohe Sonderabgabe auf eingeführte Kraftwagen gelegt, dass sich für die hieraus entstehenden ungewoehnlich hohen Verkauspreise keine Kaeufer finden, und die Wagen im Zoll verbleiben. Die Regierung versucht, durch die hohen Sonderabgaben das Defizit im Staatshaushalt zu decken, waehrend sie zoegert, die erforderlichen Sparmassnahmen durchzuführen. Das erhoeht die sozialen Spannungen. Die Wirtschaft ist wenig geneigt, diese Sonderabgaben zu leisten, wenn die Regierung daran denkt, bei einer wirtschaftlichen Notlage notwendige Devisen für neue Jagdflugzeuge auszugeben, so weckt diese Massnahme nicht nur den Widerstand in Wirtschaftskreisen, sondern das Ausland wird den kreditsuchenden Unternehmern weniger gebefreudig entgegenkommen. Die Regierung hat ihren Aufbauplan entwickelt. Sie hat aber wenig Unterstützung in gewissen bürokratischen Kreisen. Die Gouverneure der Provinzen gehen ihre eigenen Wege, die von selbstsüchtigen politischen Motiven diktiert werden. Sie durchkreuzen damit das Gesamtprojekt der Regierung. Das Stabilisierungsprogramm der Regierung ist von so grossem Ausmass, dass einige erfahrene und weitsichtige Wirtschaftler Zweifel hegen, ob Argentinien in Hinsicht auf die bestehende alte und grosse Schuldenlast und die neu einzugehenden Verpflichtungen zur Erstellung der geplanten Vorhaben nicht seine Leistungsfaehigkeit überschreiten wird. Es kommt nun auf die Einsicht der Unternehmer und Arbeiter, aber noch mehr der Politiker an, ob alle in einer gemeinsamen Anstrengung selbstsüchtige Ansprüche zurückstellen und den Aufbauplan der Regierung wenigstens im Wesentlichen unterstützen wollen. Es ist weiter von Bedeutung, dass auslaendische Investieren nicht durch eigenmaechtige Massnahmen der Provinzregierungen und der Bürokratie verstimmt werden. Erfüllen sich alle Voraussetzungen, erholt sich moeglicherweise Argentinien. Die naechsten Wochen müssen zeigen, ob die Regierung ihre Politik der “harten Hand” weiter befolgt oder dem Druck gewisser Politiker weicht. Edwin Halle (Buenos Aires) USA: Investieren profitabler als Exportieren Die USA-Industrie hat seit 1950 ihre Investierungen in fremden Laendern mehr als verdoppelt. Amerikas Kaufleute und Industrielle investieren heute 50 Prozent mehr als sie exportieren. Experten der amerikanischen Wirtschaft versichern, dass diese Tendenz in naechster Zeit noch zunehmen werde. England hat mehr US-Investierungsdollars erhalten als saemtliche Laender des Gemeinsamen Marktes. Der für die US-Unternehmer dringendste Grund, die englische Zollmauer mit Hilfe ihrer Investitionspalitik zu umgehen, war auch für das Verhalten der Yankees in Europa massgebend. Aber es gibt noch andere Motive. “Fast überall, wo sich US-Business-Leute zu einem Drink oder einer Konferenz begegnen”, schrieb “Business Week”, “kann man hoeren, wie sie von dem Phänomen sprechen, der Übersee-Auswanderung des US-Business”. Und das Magazin erklaerte, dass es zum guten Ton und zur Prestige-Erhaltung gehoere, selbst dort arbeiten zahlreiche — nicht mitgezaehlte — Bau- und Ingenieur-Firmen zusammen, ferner Werbend Management-Gesellschaften, Markt-Beratungs-Gesellschaften und — ebenfalls nicht mitgezaehlt — zahlreiche Filialen amerikanischer Banken. Ihr bisheriges Geld in Investierungen im Ausland wird mit 50 Milliarden Dollar veranschlagt. Das Handelsministerium in Washington hat die bisherige US-Investierungssumme in Übersee mit nur 28 Mrd. Doll, angegeben. Aber sie zaehlt nicht die Taetigkeit jener (zahlreichen) Gesellschaften, die in den auslaendischen Gesellschaften mit weniger als 28 Prozent beteiligt sind. Die Zeitschrift “Business Week" hat diese Unterschaetzung widerlegt. Was bewegte nun die grossen und mittleren US-Firmen, so viel Geld in andere Laender zu stecken? Ein Beispiel für viele andere: Ein Ford- Arbeiter verdient 2,44 Dollar in der Stunde (ausschliesslich “fringe bene. fits”, Vergünstigungen, die in Europa noch nicht durchgesetzt sind). Im UEBER GESCHAEFTE MIT NORDAMERIKA “Mit den Amerikanern Handel zu treiben, heisst gegen eine Mannschaft Fusba'l spielen, die ihr Tor vor dem Anstoss rasch mit Brettern vernagelt”. Harold Wilson, britischer Labour-Abgeordneter zu investieren, wo — wie in der Türkei — die Dinge nicht zum Besten stünden, “Heutzutage kann man es sich nicht erlauben, der Letzte zu sein”. Dies ist ein Bruch mit der klassischen Tradition amerikanischer Geschäftsführung, die zwar Rohstoff- Güter in rauhen Mengen aus dem Ausland holte, aber in Puncto Investierung vorsichtig blieb. “Amerikaner haben sich durch ihre Preise selbst aus dem Weltmarkt verdraengt. Der einzige Weg, im Ausland Geschaefte zu machen, besteht darin, einem auslaendischen Fabrikanten eine Lizenz zu erteilen oder in ein Überseewerk zu investieren... Es ist mindestens zweimal so profitabel, wie das Geschaeft zu Hause”. (Businnes Week). Von den 100 groessten US- Industrie-Gesellschaften sind 99 auf die eine »der andere Art in eine “Übersee-Operation” verwickelt. Allein die Standard Oil of New Jersey (ESSO) investierte mjt ihren Filialen 1957 insgesamt 889 Mili. Doll. Der Oelindustrie folgte die Stahlindustrie; dann kanv die nicht-eisenschaffende Industrie, die Kautschuk-, Auto-, Büro- Maschinen- Industrie. Insgesamt 3000 ,US-Gesellschaften haben direkt Geld in Produktion oder Handel überseeischer Laender gesteckt. Mit diesen Gesellschaften Vergleich dazu verdient ein Arbeiter in Englands Auto-Industrie 1,05 Dollar pro Stunde. Ein Arbeiter in Westdeutschland verdient (nach US-Berechnung) nur 69 cts. Die Yankee- Bussines-Jobbers suchen also die billige Arbeitskraft der europaeischen Laender wie überhaupt solcher Laender, die lohnpolitisch noch unterentwickelter sind. Die harte Taetigkeit der US-Gewerkschaften im Lohnkampf treibt sie also zur “Auswanderung”. Um aus ihrer nach wie vor vorhandenen Rezession herauszusteuern, verzichteten die Yankees auf Erhoehung ihrer Steuern und Zoelte. Haetten sie die Zollmauern erhoeht, waeren die Europäer schon laengst dazu übergegangen, die US-lnvestierungen zu blockieren oder steuerlich zu boykottieren. “Business Week” teilt den “Glauben einiger US-Aufsichtsraete”, dass es undiplomatisch waere, mehr als 20—25 Proze nt der Industrie des auslaendischen Gastlandes zu beherrschen in dem sie investier(t)en. Andernfalls koennten die Yankees Kolonial-Herren werden. Am Beispiel Kanadas, so meinte “Business Week”, sei ersichtlich, wie nachtelig es sei — auf lange Sicht — wenn Amerikaner über 50 Prozent einer oder mehrerer Industrie- und Wirtschaftszw'eige eines fremden Landes herrschen. Ein anderer Ausweg vor den inneren Schwierigkeiten der US-Gesellschafts Struktur ist die Verflechtung mit auslaendischen Gesellschaften. Das letzte und bekannteste Beispiel ist die “Partnerschaft” der “Aluminium Company of America” (der “Reynolds Metals Co.”) mit der “British Aluminium Ltd. Auch in anderen Laendern sind aehnliche Tendenzen zu beobachten. Die Ford Motor Co. will in Australien (via Kanada!) einen “Allaustrailian car” (Volkswagen für Australier) herstellen. Die Monsanto Chemical Co. baut bei Mailand mit der “Socieeta Edison” —begünstigt vom Gemeinsamen Markt— ein gemeinsames Werk mit petrochemischen Anlagen. In England will die “International Synthetic Rubber Co. (Dunlop, Goodyear, Firestone und Frankreischs Michelin) bei Southampton ein Werk errichten, das synthetisches Gummi aus dem Stoff Btadiene gewannt, wobei die ESSO (Standard Oil of N. J.) den Rohstoff liefern soll. Letztes Ziel und erstes Ziel all dieser Operationen im Ausland ist es, Absatzmaerkte zu schaffen und zu erhalten. Die Zeit des “Insulanertums” im US- Business ist vorbei. Die grosse Zeit des Exports ist ebenfalls dahin. Grotesk ist es, dass man dem Export im Ausland hergestellter amerikanischer Waren mehr Chancen zubilligt (für die naechste Dekade 50 Prozent Zuwachs) als dem Export aus den USA. Die Übersaettigung des US-Inlandmarktes muss sich also in der Übersaettigung des Auslandsmarktes schadlos halten. (DAZ., Hamburg). ■kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk JL. í ir * J YV enn * i AUGEÜGLAESER : * dann J 5 Optica “La Paz” * J Avenida Camacho * Í 308 — 321 * * LA paz $ * * kkkk-kkkk-kkkkkk-kkkkkirirk