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Das Echo · 1959-03-30 · 200 (30.3.1959) · p. [Seite 1]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
200 (30.3.1959)
Date
1959-03-30
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang IX — Nummer 200. 30 Maerz 1959. — Preis: Bs. 500.— Wurzel llebels Frieden ist ein schoenes, von Jedermann gern gesprochenes, von Voeikem geliebtes Wort, welches aber zu den rotesbraSuchtesten Ausdrücken in allen Sprachen gehoert Nach dem grossen Kritege, der offiziell 1945 zu Ende ging, kam die Welt nicht mehr zur Ruhe. An alten Teilen der Weltkugel brandet Krieg, rasen wild die Apokalyptischen Reiter, zerstoeren haeuslichen Frieden und erschüttern Staatsgefüge; in allen Weltteilen lodert Hass der Unterdrückten gegen die Gewalttaetigen, überall wird der Versuch unternommen, Sklavenketten gegen das Gold der Souveratenitaet einzutauschen. Die Wurzel allen politischen Uebels, die Ursache der Verworrenheiten in unseiter Zeit, sind die differenten Ideologien, die gezüchtet wurden und bekaempft werden. In den Fronten zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen Nationalismus und Imperialismus verdaemmert viel Menschenglück, rinnt breit junges Menschenblut und verweht viel Hoffnung auf eine glücklichere Zeit. II Erleben wir nun den Umbruch zu einer neuen, besseren Zeit? Oder werden die Rtevoiutionsfun ken und die Kriegsglut nur erzeugt durch die Kraft einer entgoetterten Egozentrik, weche nur hassen, aber nicht lieben und verbinden kann? Die Welt ist aus den Fugen des ethischen Komplexes geraten. Das ICH wird überall lauter gebrtüHt, als das versoehnliche und konstruktive WIR gesprochen wird. Durch die grossen Sünden der Wethnaechte haben die Meinten Voeiker das Vertrauen zu den Grossen verloren — aber auch die Liebe zueinander. Die Welt ist gespalten in politische und moralische Ismen. Es geht nicht mehr um herzerhebende Ideen, sondern nur noch um Ideologien, um kalte Theorien; nicht der Mensch ist mehr wichtig, sondern das System. In dieser Welt eines starren, blutleeren Rationalismus, in einer Zeit wo der spekulative Verstand triumphiert und das Herz zur Passivitaet verurteil wird, in einem Leben, wo fast jeder dem andern Antipode ist, wo der spekulative Verstand triump- Parden wirbt und wirkt, gibt es kaum noch einen Raum angefüfit mit glücklichen Leben. III Evolutionen sind der Effekt geglückter Revolutionen. Heute erlebt man, dass eine Revolution in permanenter Unruhe mündet, dass die revoüitionaere BJutwefle nicht sänkt, sondern ansteigt, dass aus hoffnungsvollem Begimiten,, sich unloesbare Komplikationen entwickeln und Unzufriedenheit waechst. Revolution bedeutet Befriedung von einem schwerem, unwürdigen Joch. Jedoch wievielen Voeikem wurde nach der Revolution das freihfatshemmendje Joch verdoppelt, das Leben schwerer und gefahrvoller gemacht? Nach wievielen Revolutionen musste man erleben, dass Korrupte gingen um Kclrupptex'm Platz zu machen, dass Regierungsprogramme und Wahlversprechen, Phrasen wie Seifenblasen waren. Revolutionen haben sich selten erf füllt. Die gesunde, aufstrebende Entwicklung von Voelkern kann sich nur aus dem Organischen entwickeln; voelkische Substanz ist Ferment, welches im historischen Entwicklungsprozess gatert und reift. Voeiker muessen sich im Strom der Zeiten entwickeln; ein Verlauf, der langsasm, aber sicherer und gediegener in seiner Wirkung ist, als die Explosion eines inscenierten Umsturzes, die oft nicht nur das Schlechte trifft, sondern auch viel Gutes verschüttet. IV Zu den enttaeuschenden Revolutionen gehoert die von Aegypten. Das von einem feudalen Koenigshause geknechtete aegyptteche Volk jauchzte auf, als der volksfremde Koenig Faruk I..am 25. Juli 1952 durch den General Naguib vterjagt, und die Republik verkündet wunle. Als am 18. April 1954 Mohatmed Naguib gestürzt, und durch den Oberst Gamal Abdel Nasser ersetzt wurde, wurde das aegyptteche Volk von neuen HoffnungsÄürmen für eine glückliche Zukunft gefragten. Die Aegypter unter Nasser tauschten aber bürgerliche Ruhe und staatlichen Frieden gegen Hassparofcn, Klassenspaltung und Krieg ein. Gewiss, die koenigliche Zeit war nur gut fuer die Reichen, und schlecht für die Armen; aber mit Anbruch des Nasser- Regime wurden die Reichen (soweit sie nicht im offiziett-parteipQtitischsn Strom schwammen) aermer, aber die Armen durchaus nicht reicher und auch nicht glücklicher. Es begann ein Nivellierungsprozess, dter verflachte, der gute Kraefte nach unten spülte, korrupte Menschen an das Staatssteuer brachte; es wurtite nicht nach Koennen und Leistung gefragt, sondern nach “politischer Zuverlaesstgkeit”. Die aegyptische Masse wurde von Versprechungen gespeist, as wurde jedem einzelnen Aegypter eine grosse Zukunft prophezeit. Als die Regierung von Kairo erkannte, dass Versprechungen und Taten in einen immer graesseren Gegensatz kamen, wunde das diktatorische System von Kairo strenger, und die nationalistischen Phrasen immer grossartiger. Dar aegyptteche Nationalismus wuchs zu einem grossartigem Blendwerk, welches den Aegyptem den Bück in die Realitaet verschleierte. Die aegyptteche Propaganda suggerierte den Massen, dass Aegypten der Ztentralpunkt allen arabischen Lebens sei, “denn nur Aegypten darf sich die pan-arabische Führung zumuten, da es den eänzig-genialen Nasser besitzt”. Nasser ist ein ausgezeichneter Propagandist, der sch nicht nur in Massen-Psychoiogie auskennt, sondern auch das grosse diplomatische Pro¬ und Contra-Spiel beherrscht. Da die regierenden Neureichen in Kairo immer neue Gelder brauchten, aus Volksmassen aber nur wenig Mammon herauszuzitehen war, spielte der aegyptische Praesident Ost gegen West, West gegen Ost aus; mit diesem intriganten Spiel gtelang es ihm immer wieder, grosse, ja gewaltige Geldmittel, dank seinem Redefluss, jtedoch ohne Garantien, zu erhalten. In letzter Zelt war Nassers Verhaeltnis besonders innig mit dem Kreml. Erst im vorigen Jahre besuchte Aegyptens Diktator Moskau, wo er viel geehrt und auch politisch (und finanziell) gestuetzt wurde. Besonders Nassters ArtMsrael-Politik wurde von Moskau en bloc akzeptiert, ihm wurden (Fortsetzung Seite 2) x. -- .tft- LEO BAECri INSTITUTE NEW YORK

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