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Das Echo · 1959-03-15 · 199 (15.3.1959) · p. [Seite 1]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
199 (15.3.1959)
Date
1959-03-15
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN Die unabhängige Halbmonatsschrft Boliviens in deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschatt Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Verlag: Editorial “El Progreso”, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz - Obrajes - Bueros: La Paz, Calle Yungas 36 und Cochabamba, CalleBaptista 429. - Postanschriften: Revista “El Eco'’ - Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba — Druck: Editorial “KoHasuyo”, Loayza 304. DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. 500.000.—; kleinere Ftaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion: Mittwoch 6-7 Uhr nachmitags. Jahrgang IX — Nummer 199. 15. Mcterz 1959. 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Es liegt eine lastende Schwere i,n den Worten der Westpolitiker, die ihre Worte zu einem Kreis machen, ohne Anfang und Ende. In Washington macht man in politischer Kraftlhuberei, indem man viel erzaehlt was geschehen wuerde, wenn. Aber eben diese Worte und Drohungen wirken mehr als Propaganda, als politisch-ernsthaft; es sind Worte, die nicht absolut glaubhaft klingen. ♦ Ja, wir koennen nicht ernsthaft an die Ehrlichkeit von Washington, London und Paris in ihiten Pro-Bonn- Deklaraticrten und Anti-Russland!- Demonstrationen glauben. Der kuerzliche Staatsbesuch von Theodor Heuss in London bewies eklatant die KuehPe der Gefuehle des britischen Volkes Deutschland gegenuebter. Die engfische Presse in ihrem Grossteil, gefuehrt von dem einflussreichen Blatt “Daily Mirror” (mit ein'ir Tagesauflage von 4 1/2 Millionen Exemplaren), die die oeffentliche Meinnun lenkt, ist alles andere als deutschfreundlich. Wenn heute deutsche Kommentatoren berichten, “dass heute die ¿lenkbar besten Beziehungen zwischen Bonn und Paris bestehen”, so halten wir diese; Worte fuer unrealistisch; Charles de Gaul!« ist ein echter Nationalist, innerlich ein Deutschenfresser, der ganz bestimmt nicht daran interessiert ist, dass Deutschland wiedervereuiigt und stark wird. Aber auch Washington weiss, dass das nordamerikanische Volk nicht daran denkt, die Kastanien fuer Bonn aus dem Feuer zn holen. Die USA fuerchtet auch ein starkes Deutschland als internationale Wirtschafts-Konkurrenz, sodass s i e wohl bereit ist. scheine Worte an Bonn zu richten, aber in Wirklichkeit kaum daran denkt, Westdeutschland zu einer wirklichen Grossmacht wachsen zu lassen. ♦ Die W>es,tdemokratien bilden eine poGtisch-ideoiogische Einheit, aber treiben eine individualistische Politik. Wenn auch jede demokratische Macht ibr Staatsschiff, vor den Wogen der gierig leckenden kommunistischen Weben zu schützen bemueht ist. höbt sie doch den Sonderkura, den sie fuer mit «nd richtig befindet. England, Frankreich und die Vereinigten Staaten betrachten Bonn- Deutschland als West-Europa Barriere gegen die ev,tl. einsetzende rote Flut, weshalbt auch sie dagegen protestieren, dass der kommunistische Block sich in Deutschland erweitert. Dieser Protest ist wohl mit Saebelgerassel begleitet, jedoch mit dem Wunsch, einer friedlichen Loesung des Konfliktes. Die West-Welt weiss .dass es irgendwann zu einer Kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den beiden kron.traeren politischen Systemen kommen muss, wuenscht jedoch, diese .**•»' einandersetzung noch mc-eglicnst herauszuschieben. Irgendwie hofft man im Stillen, dass noch ein poltisches Wunder (wie z.B. Zusammenbruch des kommunistichen Systems) geschieht, welches die grauenvolle Kriegstragoedie vermeiden iaesst. Der europaeische Westen und die USA sprechen von moralischer Soliidaritaet und auch aktiver Kriegshilfe gegenueber einem von den Sowjets bedrohten W-Beriin. Sie wissen aber sehr wohl, dass aus einem Kleinkrieg “Berlin” eine globale Katastrophe entstehen wuerde, die nicht mehr bremsbar, und in den Chaos fuehren müsste. Und Berlin ist das Risiko eines atomaren Weltbrandts nicht wert. ♦ Es handelt sich tim brave retho- Die groase fuer Boon heisst l Pankow, der Sitz der ostzonealei, Regierung. Moskau hat sich fanatisch darauf verbissen, dass jetzt die ostdeutsche Regierung von Ulbricht- Grothewohl in das weltbewegende po’tische Spiel gezogen, und als scuveraener Staat anerkannt wird. Der schlau« Chrustschew hat das Spiel so fein eingefaedelt, dass Adenauer an diesem politischen Garn haengen bleiben duerfte. Moskau liegt es brennend daran, dass erst einmal fuer Pankow die staatliche Anerkennung (und sei dies vorerst auch nur in de facto-Form) erfolgt; ist diese einmal in der Kreml- Akten,tasche, dann ist die deutsche Ost-Regierung “satoofaehig” entsprechend handeln. Konraxi Adenauer, mit seiner “Politik der Staerke” hat bisher die Regierung von pankow nicht anerkannt und aus dieser Negierung Schwierigkeiten entwickeln lassen, die die Welt nun mit groesster Besorgnis erfuellen. Die Situation ist soweit gereift, dass dem greisten deutschen Bundeskanzler nicht anderes uebrig bleiben duerfte, als weitgehende Konzessionen zu machen, um das welterstickende Ungeheuter “Krieg'’ nicht heraufzubeschwoeren. Diese prekaere Situation ist nicht allein (wenn auch unter Mitwirkung) durch deutsche Schuld entstanden. Die Nato-Vertraege (dte auch ein nichtkommunistisches Russland in d en Harnisch gebracht haetten), die stereotype Ablehnung aller sowjetischen Vorschläge, die allgemeine — und insbesondere die deutsche — Aufruestung, die Forcierung des “Kalten Krieges”, die Venteinung einer engeren wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit mit Russland, und manche .andere Suendlen der West- Demokratien, haben heute die Welt in einen dornigen Weg gefuehrt, den man kaum noch heil verlassen kann. ♦ Nicht der 27. Mai 1959 duerfte der entscheidende Tag sein; die Entscheidung duerfte sich um einige Monate noch verschieben. Aber in diesem hochpolitischen Fall gil,t sicher das Wort: “Aufgeschoben ist nicht aufgehoben”. Nikiti Chrustschew hat in der kritischen Berlin-Frage eine derart gute Position, die ihm dank demokratischer Unzulaenglichkeit geschaffen wurde, dass er sicher sein Aeusserstes tun wird, um diese voll auszunutzen. Der Kreml kann viele PressaKten gegen Bonn ansetzen, wie z.B. einen “Friedens-Separatvertrag mit Pankow”, Eridaerung von Berlin als “Freie Stadt”, Entmilitarisierung der besetzten Gebiete, Intensivierung des “Kalten Krieges” umjk h> jedem FaÖe haeit heute Chrustschew die Zueget des politischen Weitwagens in seinen harten HaencÜen; dieser Wagenlenker ist nun in voller Fahrt und LEO BAECK~1 _ INSTITUTE NEW YORK versucht stoetende demokratische Barrikaden zu beseitigen. Fuer das deutsche Bundeskabinett ist es nun von hoechster Aktualitaet, zu db.n sich vor ihm auftuermenden Problemen eme klare Stellung zu beziehen. Eine (im April?) zu installierende Deutscbland-Konterenz, unter dei Mitwirkung der Regierungen von Bonn und P.cnkow, kann das entscheidende Gespraech bringen, aus ¿Cm dann die Kcnjequenen zu ziehen waeren. Die Zeit ist fuer Bonn gekommen entweder in Co-Existenz mit Pankow zu leben o-dCr in innen— und aussen-politische Schwierigkeiten zu geraten, deren Folgen recht gefaehrliche sein koennten. Bonn sollte bedenken, dass es den heute so leidenschaftlich diskutierten Berlin-Status im Jahre der deutschen Kapitulation 1945, Ohrte Weiteres akzeptiert haette. Endlich sollte der “Eiserne” Kanzlei einsehen, dass Deutschland .und nicht die Sowjet-Union eilen Krieg verloren hat. Ein Lichtblick in dieser dunklen Situation bedeutet das Gespraech von Ollenhauer mit Chrustschew in der ostberlinter sowjetischen Botschaft. Bei* Redaktionsschluss (lO.Maerz) lagen noch keine Meldungen vor, aus denen man Schluesse ziehen koenn'te. In jedem Falle ist das Ollenhauer-Chrustschew-Gespraech ein bedeutsamer Schritt, der hoffentlich dazu beitragen wird, die Berlin-Frage in e! lern guenstigeren Licht erscheinen zu lassen. Wir sind ueberzeugt davon, dass nach diesem Schritt weitere Wege gefunden werden, um die Situation zu mildern und den Kriegsbrand zu verhueten. Sicher gibt es heute in Bonn und West-Berlin gienug nuechtem denkende Politiker, die ein intensives und zusammenfuehrendes Gespratech mit Pankow fuer unvermeidlich halten, sich bemuehen werden, die dteutsche RussIand-PoEtik zu revidieren, und einen entsprechenden Druck auf KanzDer Adenauer ausueben werden. Je mehr jetzt Bonn flexibel ist, je weniger es in seiner sturen Politik beharrt, desto besstere Moeglichkeiten kann es aus einem gefuehrten Gespraech Bonn-Pankow gewinnen. Hoffen wir, dass das Ollenhauier- Gespraech in der berliner sowjet-russischen Botschaft die Einleitung, zu neuen Taten der Btefriedung sein wird. Leere Reden ohne positive Taten, sind heute nicht nur sinnlos, sondern gefahrvoll. Nikita Chrustschew weiss, was die politische Uhr geschlagen hat. Und die Zeit ist bald um. LUDWIG K. STARGARDT.

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