Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1958-11-05 · 191 (5.11.1958) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
191 (5.11.1958)
Date
1958-11-05
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/9620162-9630814-9625588--109-9625589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ALEMAN DIOMA REVISTA DEMOCÏL JRAi. VOR 20 JAHREN: Die unabhaengige Halbmonatsschrft Boliviens in deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschaft Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargcrrdt Verlag: Editorial “El Progreso”, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz - Obrajes - Bueros: La Paz, Calle Yungas 36 und Cochabamba, CafleBaptista 429. - Postanschriften: Revista El Eco" - Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba. — Druck: Editorial “KoHasuyo , Loayza 304. Das Beste gegen Husten und Heiserkeit DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. 500.000.—; kleinere Ftaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion: Mittwoch 6-7 Uhr nachmitags. Jahrgang IX — Nummer 191 5. November 1958. Preis: Bs. 500.— Kampf der Rassen i Die TaLni- Wissenschaft von den Rassen, die das 12jaehrige 1000-jaehge Reich betrieb, hat nicht nur Verachtung bei Demokraten und Laecheln bei den Eugtenikologen hervorgerufen, sondern auch Epigonen dieser tragischen Nazi-Lehre herangezuechtet. ln einer Welt, die mehr im chaotischen als pazifizierten Zustand lebt, glauben anmassende Vertreter der Weissen Rassfe fuer ein Ideal kaempfen zu muessen, welches in Wirklichkeit 'ein Attentat gegen die elementare Grundlage des Humanismus darstellt. Die Rassenfrage ist in vielen Teilen unserer Welt wieder dnmal aktuell geworden, und der Kampf der Rassen waechst zu einer Kulturschande ohnegleichen an. II Was sich in letzter Zeit in den Suedstaaten dter USA abspielte ist ein Fanal, welches Humanisten zur Sammlung und Contra-Aktion aufruft, ln dem menschlichen Schmelztiegel “USAr wltrdlep (däla Gegenzatetze in Hautfarben immer wilder, immer alarmierender. Der Skandal von Lättle Rock (gewaltsame Trennung weisser von farbigen Schuefem) erschuettert noch immer die Kulturwelt. Diese Aufsehen erregende Geschichte steht noch immer im Brennpunkt des Kuljturinteresses, als ein neuer Fall die Dekadtenz der Weissen Rasse beweist. In Alabama wird ein 55jaehriger schreib-und lesens-unkundiger Neger, Jimmy Wilson, der einer alten Frau dten Betrag von 1.95 US-Dollar raubte, zum Tode verurteilt^. Dieser “Raub” geschah in naechüicher Zeit, der nach dem Gesetz von Alabama “mit Todesstrafe gesuehnt wird”. In praxi hat es sich ergeben, dass niemals Wa'ssen gegenueber dieses Gesetz angewendet worden ist Im Rausch des amerikanischen Rassenhasses, aber wird dieses schamlose Gesetz aktualisiert, und der Nteger muss sterben. Er muss ehrlos sterben, well er aus Verzweiflung einen Diebstahl beging, der ihm weniger als 2 $ einbrachte. Hier kann nicht mehr die Rede von Recht und Strafe, nicht mehr die Rede von legaler Justiz s'sin, sondern hier ist ein klarer Falt einer Lynchjustiz, verbraemt im Mantel korrekter Gesetzlichkeit. Auch sonst greft die nordamerrikanische Hassorgie gegen Farbige um sich. Erschuletternd teilt ach hier der Welt der Mangel an gediegener Bildung und Erziehung mit. HI In Nordamerika ist auch der Sitz der beruechtigten Organisation Ku- Klux - Klan, die im Jahre 1863 gegruendet wurde mit dem Ziel, gegen “Katholiken, Juden und Neger”, vorzugehen. Dieser Verbrecher- Bund war tenge schweigsam, in letzter Zeit aber entfaltet er eine Aktivitaet, die bestuerzen muss. Der Kuklux-Klan ist eine Organisation, die in der ganzen Welt fanatische Anhaenger hat, die sich ganz nach dten Richtlinien der Zentralle gebaerdlen. In vielen Teilen der Union Dreibt dieser Bund seiln kriminelles Unwesen: Mord an Menschen, Zerstoerung von Kirchen und Synagogen, Aufhetzung von Massen. In Eiffopa, Suedamterika u. a. Weltteilen ist dieser Bund recht regsam im schneiten an Hess gegen Menschen, die er mV-, % als V.erfvi 11” betrachtet. Diese Mitglieder des Kukhix-Kten, die die Grundlagen der Menschlichkeit zu erschutettem versuchen, die die soziale Ordnung zu stoeren wuenschen, bleiben straffrei, es passiert ihnen kaum etwas. Aber lein analphabetischer Neger, der 1.95 Dollar stahl, um seinen Hunger zu stillen, wird nateh der “gottgerechten US-Justiz” hingerichttet. IV Die Suedafrikanische Union treibt eine Rassenpolitik, die Schamroete auf dem Antlitz eintes jeden anstaendigen Menschen erzeugt. Eine ganz geringe Miooritaet, die Weissen, diskriminieren in schctendlichster Form die negroiden Buerger des Landes . Ein rassischer Groessenwahn der weissen Machthaber zwingt die Eingeborenen zu Butergem dritter Klasse. Diese Menschen duerfen nur in bestimmten Wohnbezirken hausen, ihre politischen Rechte sind kaum noch existent, sie sind Arbeitsvieh, welches ausgenuetzt wird, fuer die kapitalistischen Interessen der “Weissen Herrenrasse". Mit 'einer sophistischen Niedertracht werden hier Menschen zu Sklavten die Herren des Landes sind. Diese “Union of South Africa” wird noch ganz im Geist einer brittchen Kolonie gefuehrt, dite aHe Rechte den Weissen und Besitzenden einrate-umfl der Masse aber nichts gewaehrt. Das alte britische Feudal- Spiel, Lanzenreiter-Attacken gegen Farbige, ist in Sued-Afrika zu neuen Ehren gekommen. V Ganz besonders tragisch sind die Nachrichten, die uns aus Frankreich erreichen. Nachdem die sozialistisch orientierte IV. Republik gestuerzt, und die V. Republik gtegruendet wurde, herrscht dort ein nationalistischer Wind, der zu allen schlechten Prognosen Anlass gibt. Charles de Gaulle. MTitaer und Nationalist, katemoft mit allen Mitteln gegen die Freiheitsbewegung in Algerien. Obwohl dieses deiche Land iWein, Woffle, Getreide, Eisen, etc.,) bisher nur dem framoesischten Mutteriande gab, ohne kaum etwas daiuer zu erhalten, wird es in seiner natuia-Kchfn Freiheitsbewegung gedrosselt, Militaer und weisse Beamte beherrschen das Land, und knueppebi jeden freihteitlichen Charakter zuschanden. In Frankreich wterden neue, gewaltige Konzentrationsteeger gebaut und organisiert!, um all die Massen aufzunehtnen, die nicht “parisfromm” sind. Ein schreckenentegender Terror gegen algerische Patrioten hat im V. Frankreich im vollen Umfange eingesetzt. Immer mtehr wird das Frankreich von Charles de Gaulle /u e iem Polizeistaat, iim ner weit, i s^r;ru in Frankreich der Krt,., rascmstischer Ideologien gespannt. Unter diesen Verhältnissen ist es klar, dass auch ein wutester Rassenkampf im aktuellen Frankreich anzutreffen ist. So geschah vor Kurzem, dass im Seinel-Hafen Riounen, italienische Seeleute erschossen wurden, da die Hautfarbe dten franzoesischen Polizisten verdaechtig erschien. In den naechtlichen Stressten franzoessischer St3edte gehoert heute zu den “Tagiesfaeilen”, dass Farbige an Strasstenraendern tot oder verletzt aufgefunden werden. VI Aber auch im puritanischen England nimmt dfe Verfolgung und Deskrim.'nierung farbiger Menschen im hohen Grade zu. Die jungen englischen Hören machen sich das (straflose) Vergnuiegen, im londoner Stadtbezirk Notting HiB Nigger zusammenzutreiben, zu schlagen, zu quaelen, zu verjagen. England behauptet, (und dies mit 'einigem Recht) eine echte Demokratie zu sein, denn es ist ein sozialer Wohlfahrtsstaat, der gut fuer seine Menschen sorgt. Unter “seinen Menschen” meint der Brite aber nur den “Voll-Englaender” den Weissen Mann. Was von dter weissen Hautfarbe abweicht ist ein Paria, dem kein Entgegenkommen, sondern nur Schlaege gebuehrt. VH Die Weissen sind ohne Weisheit! Sie beschwoeiten ihren Untergang mit einer rapiden Schnelligkeit heribei. Vielleicht glauben diese Ritter eines (voellig falsch aufgefassten) Herrentums, dass man farbige Vodker knechten und schaendten muss, damit sie in M-'nderwertigkeitsgefuehlen verkommen. Die weissen Herren spitelen eine falsche Karte; sie muessen das Spiel um ihre Existenz verijöten. Die Weissen verlieren andauernd an Achtung bei den farbigen Voelktern. Ueber die “Demokratie” der Fortsetzung Seite 2) Oer Pogrom Am 9. November 1938 zersplitterten in den Staedten Deutschlands die Fenstenscheiben der jüdischen Geschaefte. Synagogen und Bethaeustr gingen in Feuer auf. Zu Tausenden wurden die Maenner aus ihren Haeusern gerissen und in die Konzentrationslager gebracht. Es kommt auf eine Verkennung der Dinge heraus, von einer “Reichskristallnacht” zu sprechen, wie dieses in tragischer Baga-! tellisierung eines welthistorischen Vorgangs auch heute noch allgemein geschieht. Es zersprang nicht nur das Kristall, ,das leicht ersetzt werden kann, und auch nicht allein eine bürgerliche Ordnung, an deren Stelle im i Laufe einer revolution.aeren Entwicklung etwas anderes treten kann. Der Funke, der damals aufglühte, breitete sich aus und ergriff Deutschland nicht nur in physischer sondern 1 auch in moralischer Hinsicht. In der Melldung Heydrichs an Goering vom lll. November 1938 heisst es: “815 zerstoerte Gescchafte, 29 in Brand gesteckte oder sonst zerstoerte Warenh.aeuser, 171 in Brand gesetzte oder zerstoerte Wohnhaeuser geben, soweit es sich nicht um Brandlegung handelt, nur einen Teil der wirklich vorliegenden Zerstoerungen wieder. An Todesf.aellen wurden 36, an Schgesteckt, weitere 76 voilstaendig demöliert. Ferner wurden 11 Oemeindehaeuser, Eriedhofskapellen und dergleichen in Brand gesetzt und weitere 3 voöllig zerstoert. Festgenommen wurden rund 20 000 Juden, ferner 7 Arier und 3 Auslaender. Letztere wurden zu ihrer eigenen Sicherheit in Haft genommen. An Tcdesfaellen wurden 36, an Schwerverletzten ebenfalls 36 gemeldet. Die Getoeteten beziehungsweise die Verletzten sind Juden". Diese Zahlen geben aber nur eintn Bruchteil der wirklichen Zerstoerungen wieder. Die SA-Brigada 50 in Darmstadt meldete am 11. November 37 verbrannte, gesprengte oder demolierte Synagogen, und Heydrich nannte am 12. November Goering bereits 7 500 zerstoerte jüdische Geschaefte. - Abt hemmungsloser Brutalitaet wurden die Verhaftungen vorgenommen. Eine Anzahl Morde wurden begangen, die die Form von “Exekutionen” annahmen. Die ganze Aktion wurde durch eine Rede von Goebbel am 9. November ausgdloest, die er um etwa 22.00 Uhr in München im alten Rathatissaal hielt. Er gab dort das Attentat auf den Gesandsch'aftsrat vom Rath in Paris bekannt und formulierte hierbei die Anweisungen an die Partei. In dem Bericht des obersten Parteigerichts der NSDAP heisst es: “Die mündlich gegebenen Anweisungen des Reichspropagandaleiters sind wohl von saemtlichen anwesenden Parteiführern so verstanden worden, dass die Partei nicht nach aussen als Urheber der Demonstrationen in Erscheinung tritt, sie in Wirklichkeit aber organisieren und durchführen sollte”. Tatsaechlich wurde spaeter alles als eine spontane Demonstration hingestellt, die Zerstoerung, die Brandstiftung, die Misshandlungen, waehrend die Verhaftungen zum (Schutze der Betroffenen vor der “Völkswut” zur Ausführung kamen. Der Führer der SA-Cruppe Nordsee gab aus München folgenden Bericht telefonisch durch: “lüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen”. Goebbels wies aber energisch die; Behauptungen der auslaendischen; Presse, dass die Ausschreitungen von; der Partei und SA inszeniert worden seien, zurück: “Man erklaert. die spontanen Reaktionen des deutschen Voli kes seien durch organisierte Mann- Fortsetzung Seite 2) LEO BAECK INSTITUTE NEW YORK VOR IHRER REISE informieren Sie sich in der Agencia COPACABANA! HoteI Co^aoai^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.