Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 190 (15.10.1958)
- Date
- 1958-10-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8. DAS ECHO’’ 15. Oktober 1958. Kurzgeschichten mit Pointen Diagnose durch Telefon “Ich war noch nicht zu Bett gegangen”, erzaehlte der Arzt, “obwohl es nach Mitternacht w.ar. Ich sass in einem Lehnsessel und studierte — ich gebe es zu, einigermassen gelangwefflt — eine medizinische Zeitschrift, als das Telefon klingelte. — Der Mann, der sich am Apparat meldete, war mir bekannt, wenn ich auch in den letzten Jahren weder zu ihm noch zu seiner Familie gerufen worden war. Allem Anschein nach erfreuten sich alle der besten Gesundheit. Und nun dieser Anruf zu so spaeter Stunde. “Kommen Sie, bitte, gleich herüber, Doktor”, bat der Mann. “Meine Frau hat arge Schmerzen, und ich koennte fast schwoeren, dass es sich um eine Blinddarmentzündung handelt”. Nun, ich hatte die Kartei bei der Hand und warf einen Blick auf die Krankengeschichte der Frau. Dann sagte ich: “Ich glaube nicht, dass es der Blinddarm ist. Aber ich komme morgen in aller Früh. Machen Sie sich keine Sorgen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine kleine Verdauungsstoerung”. “Doktor. Sie müssen kommen. Ich flehe Sie an”, beharrte der Mann starrsinnig. “Ich bin überzeugt, es ist der Blinddarm”. “Aber seien Sie doch vernünftig, Herr Müller”, erwiderte ich, nun schon etwas gereizt. “Es sind jetzt mehr als drei Jahre vergangen, seit ich Ihrer Frau den Blinddarm herausoperiert habe. Es wird sich wohl auch zu Ihnen durchgesprochen haben, dass jeder Mensch nur einen' Blinddarm hat. Sie kann nicht inzwischen einen andern bekommen haben”. “Nein, Sie haben vollkommen recht, Doktor!” stoehnte der Mann. ‘“Aber ich habe eine andere Frau”. Jochen Kelper. EINE “IDIOTISCHE” GESCHICHTE Gespraech in einer pariser Strasse: Zwei Familienvaeter stehen auf der Strasse und klagen einander sehr freimütig ihr Leid. “Mein Sohn", sagt der eine, “ist so dumm, dass es fast unglaublich ist”. "Unmoeglich”, sagt der andere, “ich bin sicher, dass meiner noch weit bloeder ails Ihrer ist!” “Aber nein", sagt wieder der andere. “Ich werde <“s Ihnen gleich einmal zeigen” und ruft seinen Sohn herbei. Emest, sieben Jahre alt, naehert sich langsam. Sein Gesichtsausdruck hat zweifellos Züge einer leichten Idiotie aufzuweisen. “Hier hast du 5 Francs”, sagt der Vater, “gehe hin und kauf1 mir einen Eisschrank...”. Das Kind geht. "D.a sehen Sie'wfe kreuzdumm er ist!” “Passen Sie auf, was für ein Dummkopf erst der meine ist”, sagt der andere Vater, der sich nicht so leicht geschlagen gibt, “Eugene, komm’ her”. “Ja, Papa?” “Sieh’ doch mal gegenüber im Bistrot nach, ob ich dort bin...” Eugene ist sechs Jahre alt. Er entfernt sich, ohne ein Erstaunen zu zeigen. “Da sehen Sie”, triumphiert der andere, “wäs er für ein Kretin ist. Er geht wirklich!” Ein wenig weiter treffen sich die beiden Knaben und sehen sich an. “Mein Vater ist wirklich ein Idiot”, sagt Ernest, “er gibt mir 5 Francs, um einen Eisschrank zu kaufen und vergisst ganz, mir die Marke zu nennen, die er haben will!” Und der meine”, erwidert Eugene, ‘Sst noch viel idiotischer. Er schickt mich ins Bistrot, um nachzusehen, ob er dort sei. Dabei haette er doch einfach telefonieren koennen!” Zum Thema: Religioese Erziehung in Israel: ISRAELIS und JUDEN Der Lehrer zeigte den Schuelern ein Paar Lederriemen. “Dieses sind Tefillin", sagte er. Sie werden um den linken Arm und den Kopf gewickelt. Und dies ist ein Tallis, ein Gebetsscha1!. "Warum nimmt mein Vater nie Tallis und Tefillim um?” fragte ein schwarzaeugiger, zwoelfjaehriger Junge in dem Klassenzimmer von Jerusalem. “Weil Dein Vater nicht religioes ist.” antwortete der Lehrer. “Dann wif ich auch von Religion nichts wissen”, gab der Junge zurueck. “Und ich will auch nicht diese Dummheiten lernen”. In ganz Israeli reagierten die Schueler mit Aerger, Neugierde oder mit Langeweile auf den neuen Lehrplan, den sowohl die Mehrzahl der Vorkaempfer des Zionismus wie auch die frueheren Generationen in der Diaspora entruestet äbgelehnt haetten. Orthodoxe Juden waeren erschrocken bdi dem Gedanken, dass ein Kind aufwachsen koennte in Israel, ohne ein Wort der Gebete oder das Anzuenden der Freitagabendkerzen zu kennen. Und die idealistischen, sozialistich eingestellten Zionisten der vorigen Generation haetten nie ihren Kinder die religioesen Gebraenche gelehrt, die sie tuer Symbole des Ghettis hielten. Die erste Generation der Zionisten weigerte sich, in der Bibel irgendetwas anderes zu sehen als die Geschichte des juedischen Volkes. Aber in der letzten Zeit begannen selbst die ueberzuegtesten Atheisten zu fuehlen, dass die areljgioese Schulpolitik zu weit ging. Die Jugend stand aller juedischen Tradition veraechtlich und unwissend gegenueber. Wie der Direktor der groessten Schule in Jerusalem erklaerte: “Die Kinder, die nach der Grtienclung des Staates zur Schulekamen, haten keinerlei Interesse an der juedischen Vergangenheit, iLteratur und Religion”. Auf dem Jugendkongress in Moskau im letzten Sommer kamen die israelischen Abgesandten in eine beschaemende Situation, als sie am Schabbath zur Thoravorlesung aufgerufen wurden und nicht die geringste Idee hatten, was man von ihnen erwartete. Es gab letztlich Anzeichen, dass die Jugend Israels selber Bedenken hins'chtlich ihrer religioesen Entwurzelung bekommen hat. Der neue Lehrplan vermeidet sorgfaeltig das Wort “religioes”. ln dem Rundschreiben an die Lehrer erklaert das Ministerium den Unterricht in Talmud und Thora, ueber Tallis und Tefillin als “Inspiration aus der glorreichen Vergangenheit des Juedischen Volkes”. Diese areligioese Art, an den Religionsunterricht heranzutreten, verurteilt ihn, nach Ansicht vieler Lehrer auf religioesen Schulen, im voraus zum Misserfloljg. Trotzdem gtlaubt die Regierung, mit ihrem neuen Lehrplan einem dringenden Beduerfnis abzuhelfen. So sagte ein Sprecher des Unterrichtsministeriums in der letzten Woche: “Selbst die Areligroesen unter uns beginnen zu sehen, was wir unserer Religion, verdanken. Die juedische Religion hat einen enormen historischen Wert und unsere Kinder duerfen nicht aufwachsen, ohne ihn zu verstehen. Vielleicht ist sogar unser Fortbestand als Volk gefaehrdet, wenn wir weiterhin die Bindung an unsere Religion leugnen. Religion und Nationalismus sind eng verbunden miteinander in Israel”. (Uebersetzt aus “Timfe”). l ALFRED UND SOFIE LOEWE f * ■ * *■ *■ * . *- J Verabschieden sich hei ihrer Abreise * J nach USA von allen Freunden, Be- * * kannten und Organisationen. * * * J Cochabamba, Oktober 1958. * * * *- *■ ★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★•Ar*********-*** A. A A. A. A A.. 7;! WENN RE I S E N - - DANN DURCH EXPRINTER IHRE PASSAGEN fuer Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn IHRE HOTEL - RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schenellstens, zuverlaessig und preisgünstig SflVlCIO MUNDIAl Of VIAIES 1 EXPRINTER LA P A Z Av. Camacho (Edif. Yugoeslavo) Telef. 2560 u. 9265 HOTEL AUSTRIA Yanacocha 531 a.d.fc. Comercio Telef.: 8915 — Casilla 946 IHR Hotel im Geschaeftszentrum von La Paz! RESTAURANT A LA CARTA yyyfV?T¥ 1117177,11—11,— ItmnjUnmllMiT 1 IHRE BUCHHANDLUNG: I I UNIVERSAL B00KST0RE n LA PAZ: Mercado 68 M Jedes Buch aus deutschen Verlagen bestellen wir fuer Sie! I I Wir reservieren Ihnen JEDE Zeitschrift und liefern Ihnen diese! 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