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Das Echo · 1958-09-10 · 186-188 (10.9.1958) · p. [Seite 24]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
186-188 (10.9.1958)
Date
1958-09-10
Page
[Seite 24] (sequence 24)
Language
German
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Página Veinticuatro “DAS ECHO“ 10. September 1958. ROSCH HASCHONOH - FEUILLETON DES "ECHO". ERZAEHLUNG von MARTIN BUBER An den zwei hohen Festen, welche die furchtbaren Tage genannt werden, das sind die Feier des Neuen Jahres und der Versoehnungstag, pflegte der Rabbi von Dynow, wenn er vor die heilige Lade trat, um zu beten, das grosse Gebetbuch des Meisters Lurja zu oeffnen und vor sich auf den Staender hinzulegen. So lag es offen vor ihm alle Zeit seines Betens, aber er blickte nicht hinein und rührte es nicht an, sondern liess es gross und offen daliegen im Angesich der Lade und vor den Augen der Gemeinde, dass das starke, unverblasste Schwarz der Lettern aus dem breiten, gelblichen Grunde weithin schlug, und er stand hochgestreckt in einer Weihe davor wie der opfernde Hohepriester vor dem Altar. So geschah es, und aller Augen mussten immer wieder darauf blicken; aber keiner von den Chassidim wagte es, davon zu sprechen. Einmal jedoch staerkten etliche ihr Herz und fragten den Rabbi: “Wenn unser Herr und Lehrer aus dem Buch des Meisters Lurja betet, warum sieht er nicht hinein von Seite zu Seite nach der Ordnung des Betens, und wenn er nicht daraus betet, warum oeffnet er es und warum liegt es vor ihm?” Da sprach der Rabbi zu ihnen: “Ich will euch erzaehlen, was sich in den Tagen des heiligen Baalschem, sein Andenken sei zum Segen, ereignet hat. In einem Dorf lebte ein Paechter mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn. Der Gutsherr war dem stillen Mann zugetan und gewaehrte ihm manche Vergünsteigung. Dennoch kamen schlimme Jahre über ihn. Einer schlechten Ernte folgte im naechsten Sommer immer wieder eine schlechtere, I und so stieg und schwoll die Not, bis . die grauen Wogen über seinem Haupt! zusammenschlugen. Er hatte jeder j Mühe und jeder Entbehrung standi gehalten,- dem Elend konnte er nicht nicht, dass sein Vater und seine Mutter Juden gewesen waren; doch ais er davon sprach, fügte er hinzu: “Ich aber habe dich mir genommen, und nun bist du mein Sohn, und all das Meine ist dein”. Dies verstand Nachum wohl; das aber, was ihm von seinen Eltern gesagt worden war, schien ihm jenen Geschichten zugehoerig; die ihn die Maegde von Waldteufeln, Nixen und buntem Elfenvolk erzählten; wunderbar war es ihm nur und unbegreiflich, dass er selbst mit solch einer Geschichte zu schaffen hatte, und er fühlte sich einem fernen Dunkel verbunden. Eines Tages kam er unversehens in eine abgelegene Kammer des Hauses, inerten, — und da waren keine Lettern | im Schweigen wie ein maechtiger mehr, und das Buch war wie ein dunkler. See, daraus schauten ihm zwei Augen entgegen, traenenlos, aber eines ewigen Schmerzes voll. Und Nachum wusste, dass dies das Buch war, aus dem seine Mutter gebetet hatte. Seither hielt er es tagsüber verborgen, .aber an jedem Abend holte er es aus dem Versteck, und beim Licht der Lampe und lieber noch beim lebendigen Licht des Mondes sah er auf die fremden Lettern, bis sie sich zum Reigen einten und endlich zum See zusammenflossen, daraus die Augen der Mutter hervortauchten. So kamen die Tage des Gerichts heran, die Tage der Gnade, die furchtx»o<c><)o<^><)0<c><)o<^i>oo<^^'K^r>oo<cr>oo<rT>oo<cr>oo<c^><)o<cr>o<KC^><K><rr>o RUTH Sturmwind. Und das Rufen erbeute das Dunkel, das ihm solange die Welt umkleidet hatte. So wandelten die zehn Tage der Busse hin, und der Vortag des Versoehnungsfestes war da. Und wieder sah der Knabe die Juden aus den Doerfern die Strasse zur Stadt fahren; stumm und regungslos sassen sie, und ihre Gesichter waren bleicher als vordem. Und wieder fragte Nachum einen von ihnen: “Was führt euch und wohin?” Jener sprach: “Dies ist der Tag, auf den wir hofften und harrten, der Tag der Versoehnung, da unsere Schuld sich loest im Lichte des Herrn und er seine Kinder aufnimmt in die Heimat seiner Gnade”. Da lief der Knabe in seine Stube, naham das Buch mit den silberbeschlegenen Ecken in die Arme und lief aus dem Haus auf die Strasse und lief, bis er in die Stadt kam. In der Stadt lenkte er seinen Schritt zum Bethaus, und als er eintrat, war es die Stunde, da das Kol nidre gesprochen ward, das Gebet der Loesung und der heiligen Freiheit. Er sah die Scharen stehen, in den langen weissen Sterbegewaendern, stehen und sich neigen und sich erheben vor Got. Er hoerte sie aufschreien zu Gott, aufschreien aus allen verdeckten Tiefen zum Licht, aus allen. Geheimnissen ihrer Seele zur Wahrheit. Und d!« Hand des Geistes war auf den Schultern des Knaben, und er stand und neigte sich und erhob sich j vor Gott und er schrie auf zu Gott, j Und da er merkte, wie rings um ihn j Worte schalten in einer fremden I Sprache und es über ihn kam, dass er nicht beten konnte wie die anderen, nahm er das Buch der Mutter und legte es aufs Pult und rief: “Herr der Welt! Ich weiss nicht was zu beten, ich weiss nicht was zu sagen — da hast du, Herr der Welt, das ganze- Gebetbuch”. Und er legte den Kopf auf das offene Buch und weinte und' unterredete sich mit Gott. Es war aber an jenem Tag, dass die Gebete der Gemeinde wie flügellahme Voegel am Boden flatterten und sich nicht emporschwingen konnten. Das Haus war ihrer voll, schwer die Luft, trüb und verzagend der Sinn der Beter. Da kam das Wort des Knaben, das nahm die Gebete aller auf seine Fittiche und trug sie in Gottes Schoss. Der Baalschem aber sah und erkannte alle diese Dinge, und er sprach das Gebet in hoher Freude. Als das Fest Vorüber war, nahm er den Knaben zu sich und zog ihn heran und lehrte ihn die lautere und' gesegnete Wahrheit. So erzaehlte der Rabbi von Dynow seinen Frommen. Und er sprach: “Auch ich weiss nicht, was ich tun soll und wie ich die Absicht der heiligen Maenner, der ersten Beter, aus deren Mund die Gebete sind, erfüllen kann. Darum nehme ich das Buch des Meisters Lurja, des Ehrwürdigen und mische es auf, dass es vor mir liege zur Stunde des Gebetes, und gebe es Gott mit allem Willen, der darin ist, und aller Inbrunst ._ ...... ___ und allem Sinn”. ^++^'^++$+'+++%+++++\.++*'i~yjl+*4-*+*+W++++**y-X-****+*X-*:+*X-**+******+++*+++'^****'***+++++*+**+*****:***++***-****** *- ' * X X Sie stand inmitten des Gesindes Wie eine Blume, die im Acker steht. Und ihre Augen waren eines Kindes Augen, das noch im Land der Maerchen geht. So fand er sie an seines Feldes Raine Schon in des Abends tiefer Heimlichkeit, Stumm legte er zu ihrer auch noch seine Komlese in ihr weites Kleid. Und er entliess sie mit der Liebe Segen — Sie, die ein Sturm in seine Stadt verweht — Da musste er die Haende auf sie legen Und ihre Worte wurden zum Gebet. Der junge Tag besiegelte den Bund Und Koenige entwuchsen seinen Grund. SCHALOM BEN CHORIN Aus: "Die Lieder des ewigen Brunnens' ins Auge schauen. Er fühlte sein; ^o<3>oc<c><>o<C>o<><r>00<cr><X<r>«C<l^O<rr>OCKCr><)(K=^^ Leben schwach und schwaecher werj den, und als sein Herz zuletzt still! in der allerlei Gerümpel übereinandstand, war es wie das Ersterben eines | ergeschichtet lag, das seine Eltern Pendelschlags, dessen stetes Leiser- I einst hnterlassen hatten. Da war ein werden man nicht wahrgenommen hat und dessen Aüfhoeren über einen nun wie etwas Ploetzliches geraet. Und wie seine Frau mit ihm durch das holde und das arge Schicksal gegangen war, so ging sie auch mit ihm hinaus. Als sein Grab bereitet war, konnte sie sich nicht laenger zwingen, sie sAh ihren kleinen Sohn an und konnte sich doch nicht zwingen, und so legte sie sich hin und redete sich vor, sie gehe nicht zum i od, bis sie zu ihm kam. Der kleine Nachum war drej Jahre alt, als die Eltern starben. Sie waren aus der leine gekommen und man wusste von keinen Verwandten. So nahm ihn der Gutsherr zu sich, dem der Knabe mit dem schmalen, aus den goldroten Locken blütenweiss hervorschimmernden Geshicht gut gebiel. Bafld gewann er des Kindes zarte, fast traumhafte Art mehr und mehr lieb, und er zog es wie ein eigenes auf. So wuchs der Knabe heran in Licht und Freude und wurde in allein Wissen unterwiesen. Von seiner Eltern Art und Glauben hatte er keine Kundp. Wohl verschwieg ihm der Gutsherr sonderbar gestalteloser weisser Mantel mit langen schwarzen Streifen. Da war ein gesticktes Stirntuch von praechtiger und doch stiller Art. Da war ein maechtiger, vrelarmiger Leuchter verblassten Glanzes. Da war ein reich veraestelter, in einer Krone zusammengewachsener Gewürzbehaelter, um den noch ein .letzter, dünner Duftnebel zu flattern schien. Und da war endlich ein grosses, schweres Buch, in dunkelbraunen verschlissenen Samt gebunden, die Ecken s'lberbeschlagen, mit silbernen Klammern. Das waren die Dinge, die seine Eltern nicht hatten aufgeben koennen, auch vor den Augen des 'letzten Elends nicht. Und nun stand er und sah darauf, und die Botetn des Dunkels waren ihm naeher als je. Dann nahm er das Buch und trug es scheu und vorsichtig, beide Arme fest darum gelegt, in sein Zimmer. Da loeste er die Klammern und oeffnete es ganz leis, und die breiten schwarzen Lettern starrten ihn an, fremd und doch nicht fremd, sahen ihn an wie eine Schar kleiner Kameraden, wirbelten vor ihm dahin, flogen durcheinander, zerflim baren Tage. Aus allen Doerfern zogen die Juden zur Stadt, um im Rauschen der Volksgemeinde vor Gott zu stehen, um ihre Schuld mit der Schuld der Tausende ihm dazubringen und in seinem Feuer aufgehen zu lassen. Nachum stand vor der Tür des Hauses und sah die Wagen vorübereilen, unzaehlig viele, sah Maenner und Frauen darin in Festgewaendern, und über allen war die Macht der Bereitschaft. Und ihm war, als seien all die Menschen Boten zu ihm, Boten des Dunkels nicht mehr, Boten der Sonne und des lichten Seelengrundes, und als enteilten sie ihm nur deshalb, weil er sie nicht anrief. So rief er einen an und fragte ihn: “Wohin fahrt ihr und was ist dies euch für eine Zeit?“ Jener sprach: “Wir fahren dem Tag der Erneuerung entgegen, dem Tag des Anfangs, da im Buch des Himmels geschrieben wird unsere Tat und unsere Loesung. Und wir fahren, um zu Gott zu reden in grosser Schar und unsere Stimmen zu binden zu Einem Gebet”. Der Knabe hoerte das Wort; aber wett ausgespannt darüber flog ihm ein anderes Wort zu, ein grosses Rufen, das kam aus der Unendlichkeit zu ihm. Von dieser Stunde an war das Rufen über ihm, brausend *- x x x * X x X x x * TA wuenschen von Herzen der bolivianischen juedischen Gemeinschaft und allen Juden in der Welt LESHANA TOWA TIKOTHEWU! ■k ■k -* * * * ■k * * * * ■k ■k * * -* ■k

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