Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 8 (15.4.1882)
- Date
- 1882-04-15
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9620166-9626018-9625234--087-9625238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ss DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT des grossen Philosophen und Mathematikers Ibn Bag*a (Avengace) hervorgegangen waren, befreundet und machte in Sevilla die Bekanntschaft des Wesirs Abubekr Ibn Zohar. Auf dem Gebiete der Wissenschaft war ihm jeder konfessionelle Unterschied fremd, er verschmähte es nicht bei Andersgläubigen, bei muhamedanischen Gelehrten Belehrung zu suchen; wie er denn auch späterhin ausdrücklich sagte: Bei wissenschaftlichen Resultaten sei kein Unterschied, ob sie von Propheten oder nichtjüdischen Weisen, ja selbst von Götzendienern herrühren, j Wie weit aber auch die Quellen auseinander lagen, j aus denen er seine Weisheit und Erkenntniss schöpfte, j in seinem Geiste zersetzte er die verschiedenartigen! Elemente in ihre ursprüngliche Bestandteile, vereinigte! sie zu einem einheitlichen Ganzen und ordnete sie einer höhern Idee unter: denn auf seines Herzens Tafel stand j es mit Flammenworten geschrieben: Alles Grosse und | Erhabene stammt von Judenthume her. In einem Alter von dreiundzwanzig Jahren gab er zwei Schriften heraus: die eine (Heschban ha-Ibbur) über j astronomische Berechnung des jüdischen Kalenders in hebräischer, und die andere (Millot Higajon) über Terminologie der Logik in arabischer Sprache. Die erste Schrift ist ein Muster einer klaren, übersichtlichen Darstelung. Maimuni versteht es ein an und für sich sprödes Thema allgemein verständlich und interessant zu machen. Er gliedert den Stoff in zwei Hauptheile und sucht den ersten in sieben und den zweiten in drei kleine Abschnitten systematisch darzustellen. Bald sucht er durch ein Beispiel, bald durch eine dem Texte beigefügte Figur das Gesagte so klar und lichtvoll, wie nur möglich, zum Verständnisse zu bringen. Maimuni spricht es selber aus. dass sein Hauptziel dahin ging Alles so zu ordnen und darzustellen, dass seine Abhandlung ohne Anstrengung, ja mit Vergnügen gelesen werden könne. Hier zeigt er schon seine grosse Gabe, den Stoff, den er behandelt, mit vollster Klarheit zu erfassen und mit logischer Schärfe durchzuführen. — In der Einleitung zu der zweiten Schrift führt Maimonides einen talmudischen Gelehrten, der auch in der arabischen Kenntnisse besitzt, vor der eine Erklärung der technischen Ausdrücke, die in der Logik gebräuchlich sind, wenn auch in gedrängter Kürze, von ihm verlangt Durch den Umstand, dass Maimuni einen talmudischen und sonst wissenschaftlichen Gelehrten diesen Wunsch aussprechen lässt, scheint er die Wichtigkeit der Logik j hervorheben und andeuten zu wollen, dass jeder, der auf echte Bildung Anspruch erheben will, die Grundzüge der Logik sich aneignen müsse. So sagt er auch in seiner Schrift: „Die Logik wird nicht als eine besondere, für sich abgeschlossene Wissenschaft betrachtet, die nur einen Selbstzweck hat, sie ist vielmehr das Instrument, der Kern aller andern Wissenschaften und mit Recht behaupten die Gelehrten, man könne weder im Lernen, noch im Lehren irgend einer disciplin eine erspriessliche Thätigkeit entfalten, wenn man nicht zuvor die Logik studirt habe. Sie ist dem Verstände das, was die Grammatik der Sprache; die eine Wissenschaft dient zur Richtigkeit der Sprache, die andere zur Richtigkeit des Denkens." Maimonides versuchte es nun in vierzehn Kapiteln, von denen noch sieben im arabischen Orignale erhalten sind, die Grundzüge der Logik in kurzen Umrissen darzustellen und führt zur leichtern Uebersieht am Ende von jedem Kapitel die technischen Ausdrücke an, die in Folge der Auseinandersetzung zum Verständniss gebracht wurden. Die Zahl aller WTörter oder logischen Bemerkungen, die in diesen Abschnitten ihre Erklärung gefunden," sagt er am Schlüsse seines Buches, „beträgt 175" Trotzdem Maimuni auf diese Schrift, die unter dem Einfüiss, den die Aristotelische Philosophie auf ihn ausübte,, enstand,nur sehr wenig Gewicht zu legen schien und sie selbst nur als einen kleinen Beitrag zu der Terminologie der Logik bezeichnete trägt sie doch den Stempel vollendeter Reife an sich und lässt den klaren, ordnenden Geist des Verfassers, den wir in seinen spätem WTerken s<> >ehr bewundern, durchblicken. Diese Schrift wurde von dem französischen Gelehrten Moses ibn Tibbon nicht lange nach dem Tode des Verfassers aus dem Arabischen ins Hebräische übertragen und hat in dieser Form vielen zum Leitfadem für den Unterricht in der Logik gedient. In neuerer Zeit wurde sie von Moses Mendelssohn mit einem hebräischen Commentar versehen und von einem andern in's Deutsche übersetzt. Ausser diesen zwei Schriften, schrieb Maimonides um dieselbe Zeit Commentarien zu einigen Traktaten des Talmud, welche bis auf wenige Ueberreste ein Raub der Zeit geworden sind. Vor wenigen Jahren wurde in der Pariser Staatsbibliothek einei dieser Commentarien aufgefunden und zum ersten Male durch den Druck veröffentlicht. Wie bei jedem schöpferischen Geiste von grosser Leistungsfähigkeit ein sicheres Fortschreiten vom Leichtern zum Schwerern, vom Kleinen zum Grossen, wahrzunehmen ist, so auch bei Maimonides. Kaum hatte er die genannten Schriften der Öffentlichkeit übergeben, schritt er zu der Ausarbeitung eines grossen Werkes, welches ihm Gelegenheit bieten sollte, sein ausgebreitetes talmudisches Wissen einerseits und seine umfassende Kenntnisse auf dem Gebiete der profanen Wissenschaften, der Philosophie, Mathematik und Astronomie andererseits im vollsten Masse zu verwerthen. Er unternahm es, einen ausführlichen Commentar zur Mischnah in arabischer Sprache zu schreiben und diese für das religiös-gesetzliche Leben so wichtige Sammlung der traditionellen Lehren und Bestimmungen mit Hilfe der Wissenschaft dem Zeitbewusstsein näher zu bringen. Doch Maimuni sollte während der Ausarbeitung dieses grossartigen Werkes mit den grössten Widerwärtigkeiten und Leiden kämpfen und erst nach vielen Jahren, reich an Schmerzen und Entbehrungen, es vollenden. Un das Jahr 1160, nachdem sie bereits zwölf Jahre ein unglückliches Wanderleben führten, sahen sich die