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Der israelitische Bote · 1879-12-04 · 49 (4.12.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
49 (4.12.1879)
Date
1879-12-04
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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zu San Francisco abgesandt worden, um die Trauungsreremonie nach dem hebräischen Ritus zu vollziehen, was er in hebräischer Sprache that, indem er aus einem Buche vortrug. Die Ceremonie wurde von Herrn Peck kurz und feierlich vollzogen, der damit schloß, daß er sie für Mann und Fr u erklärte, dem jüdischen wie auch dem hawiianischen Gesetze gemäß. Nachdem Herr Peck geschlossen, trat Nev. Dr. Dämon vor nnd überreichte der Braut den Heirathskontrakt, wobei er einige paffende Worte sprach. Damit endete die Ceremonie, worauf dann die Gäste vor dem Bräutigam vorbeizogen und ihm die üblichen Glückwünsche aussprachen, hierauf erschienen die Gäste wieder im Salon, wo sie sich an einem köstlichen Mahle erquickten und Alles ging glücklich und heiter vorüber. Nur einen Umstand müssen wir noch besonders hervorheben, ebenso seiner Neuheit wegen, wie wegen seiner historischen Bedeutung, nämlich: Diese Trauungsceremonie, die nach dem hebräischen Ritual und Formular, wie cs im Judenthum überliefert worden, stattfand, ist der erste Fall dieser Art, der jemals auf diesen Inseln vorgekommen. Dieser Fall besitzt besondere Bedeutung durch das Faktum, daß Herr Peck, bevor er als Vertreter des Rabbiners von San Francisco fungirte, die Vorsicht gebrauchte, sich von dem Departement des Innern des hawaiianischen Königreiches die obrigkeitliche Vollmacht des hawaiianischen Gesetzes zu verschaffen, welche diese Ceremonie erlaubte und legalistrte, und so wurde nicht nur die Heilighaltung der jüdischen Religion, sondern auch das Civ'lgesetz dieses Reiches zu gleicher Zeit gesichert, was die Verbindung rechtsmäßig macht, und so wird es eine Präcedenz für alle folgenden Falle bilden. Die Hawaiian-Kapelle, unter der Leitung des Herrn Berger, war anwesend und nahm einen Pavillon ein, der besonders für sie, außerhalb des Hauptgebäudes, erbaut worden und von welchem aus sie heitere Musik ertönen ließ. Wir dürfen nicht vergessen zu erwähnen, daß in dem Zimmer neben dem Saal die eleganten und kostbaren Geschenke des glücklichen Paares ausgebreitet lagen, welche in einer fast endlosen Auswahl von Silbersachen und werthvollen Gegenständen bestanden, die die Achtung bekundeten, welche die Braut sowohl wie der Bräutigam in dieser Stadt genießen. Alles verlief in der angenehmsten und glücklichsten Weise, und alle Anwesenden werden sich noch lange der ersten jüdischen Hochzeit erinnern, welche jemals auf den Hawaiinischen Inseln stattfand. Die Tochter als Minderjährige, als Braut und als Gattin. ■ »reu nach der Talm. Literatur gezeichnet I von Dr. Jsaac Gastfreund in Wie«. Die Tochter alS Gattin. Anmerk, der Redaction. Die Anmerkung aus Nr. 41—42 Beilage war irrthümlich angeführt, sie lautete nur rc. rc. muß aber lauten: Doch selbst der Vater durfte nicht seiner Tochter derloben (Peßachim 113. a.) ehe sie nicht mündig wurde und ihre Neignng äußerte (Kidduschin 41. a.) wie es auch bei den Römern der Consens der Tochter zur Verlobung und Heirath nothwendig war. (Friedländer ibiä. S. 447.) Haben sie aber die Verwandten verheirathet, als sie noch unmündig war, so durfte sie, obwohl ein Kind ihr auf dem Rücken saß» die Auflösung der ihr aufgedrungeuen Heirath herbeiführen. (Jebam 96. d. Kethubot 74. a. Gittin 33. a.) Denn selbst wenn sie mündig war, konnten ihre Verwandten Ans dem Lebe« eines jüd. Waisenknabe«. (Eine wahre Begebenheit.) (Nachdruck ohne Erlaubniß der Redaktion nicht gestattet.) Man sprach zu Anfang dieser Geschichte nicht von der guten alten Zeit. In dem kleinen Städtchen B. in Westphalen rieben die dortigen, zwar noch wenigen Juden sich vergnügt die Hände, wenn sie unter ihrer Schabbeslampe sitzend, ihren Kindern erzählten, daß sie früher nicht hier wohnen durften, wie sie, wenn sie einmal in B. übernachten wollten, ein O2I2 (Abgabe) zu bezahlen hatten, und nun lebten sie ungestört aus allen Gegenden herangezozen. Heffen, Baiern, Nassauer u. s. w. hatten sich hier angesiedelt, und bie Einwohner des Städtchens verkehrten mit allen ganz freundlich, und kauften ihren Bedarf bei den Juden, was auch nur immer von ihnen feil geboten ward. Die kleine Gemeinde hatte schon ein Betlokal und einen guten Ort, oder Begräbnißplatz, wohin sie schon mehrere ihrer lieben Angehörigen zur Ruhe gebracht. Vor nicht langer Zeit, hatte Abraham, einer der wohlhabendsten Gemeinde-Mitglieder, sein treues Weib hinbesiattet, und unsägliche Thränen wurden ihr damals nachgeweint. Eie war aus Baiern und hatte als junges Mädchen sie nur mit ihrer Einwilligung verheirathen. (Kethubot 40. d. Kidduschin 19. b. Arachin 29. b.) Ja, wenn sie bei ihrer Unmündigkeit, bei ihrer Verheirathung von Verwandten nur die normale Mitgift erhalten hat, so kann sie nach Erreichung der Majorität das ihr Zustehende nachfordern (Kethubot 68. 6.) (Fortsetzung siehe Nr. 46.) Die reiche Matrone beeilte sich sogleich tausend Sklaven mit eben so vielen Sklavinnen zu paaren. Aber wie war sie bekümmert, als sie am andern Tage wahcnahm, daß dem einen Ehegenoffen ein Fuß, einem andern ein Auge fehlte, einem dritten der Kopf wundgeschlagen war. Sie ließ den jüdischen Lehrer rufen und erklärte sich, ihm gegenüber, für überwunden. (Berachot 8a vgl. Jebam. 109a.) Es ist nur der höchste Ausdruck der- Heiligkeit der Ehe in der agadischen Sprache, wenn es heißt, daß das Verhältniß der Gottheit mit Israel dem der Eheleute gleicht. (Rab. Deut. c. 2. Schluß.) Allein, der Zweck der jüdischen Ehe war aber nicht die Nolhwendigkeit, wie bei den Römern, dem Staate Kinder zu erzeugen, alS vielmehr die Forderung die öffentliche Sittlichkeit zu fördern und das eigene Wohl des Jndividiums zu begründen. Der Ausspruch, daß mit einer notorisch unfruchtbaren Frau eine Ehe nicht eingegangen werden dürfe, (Jebam. 64. a.) weil des Weibes Bestimmung sei, Kinder zu gebären. (Kethubot 59. 6.); der fernere Ausspruch, daß eine Frau, welche innerhalb zehnjährigen Ehestandes unfruchtbar bliebe vom Manne geschieden werden müffe, (Jebam 64. a.) deutet keineswegs darauf hin, aß Kinderzeugung der einzige Zweck der Ehe sei. Denn gegen diese einseitige Auffassung sprechen die Gebote, daß selbst derjenige, der durch Zeugung eines Sohnes oder einer Tockter der Fortpflanzungs-Pflicht Genüge gethan habe, wie auch der alte Mann, der zur Zeugung nicht mehr fähig sei, dennoch die Pflicht habe nicht ohne Frau zu leben. (Jebam. 61. a.) Dem Zwecke der Kindererzeugung ist ein höherer Zweck übergeordnet. Aus diesem höhern Zwecke der Ehe ist eS erklärlich, warum, wer irgend eines sträflichen Umganges mit einer Ehefrau verdächtigt war, dieselbe nicht mehr heirathen durfte. (Jebam. 24. a.) Haben wir nun mit dem Vorstehenden die Heiligkeit der Ehe überhaupt bei den Juden dargethan, so wollen wir, ehe wir zur Stellung der verheiratheten Tochter übergehen, einen Blick darüber zuvörderst werfen, wie nämlich die Polygamie und das Hätarenwesen nicht gebilligt wurden: Es ist eine historische Thatsache, daß die Ehe nur bei den Völkern zu einer Quelle wahren Glückes geworden ist, bei welchen die Monogamie herrschte. Fortsetzung folgt. Zeitungsnachrichten ««d Lorrelpondenzen. Deutschland. Bonn, 2. Nov. Soeben liegt uns vor ein Rechenschaftsbericht über die israelitische Lehrerbildungsanstalt (Würzburg) für das 15.Jahr ihres Bestehens von Nathan Bamberger Rabbi Verweser und Vorstand derselben. Wir kommen nächstens auf diesen Bericht noch zurück. Herr Dr. Jellineck wird, wie der,W. Israelis mittheilt, in Folge von Einladungen nach Prag und Frankfurt a. M. in genannten Städten, im Laufe dieses Winters wiffenschaftliche Vorträge halten. Frankfurt, 25. Nov. (Durch Zufall verspätet angekommen.) Vergangenen Donnerstag ist der erste Spatenstich zum Baue der neuen Schulhäuser (Realin Gemeinschaft mit einem Bruder, der nach Amerika auswanderen wollte, einen in der Nähe des Städtchens B. wohnenden Onkel besucht, eigentlich zum Zweck der Versorgung; weil in Baiern nach den damaligen Landesgesetzen nur ein Kind aus jeder jüdischen Familie sich dort verheirathen durfte, deßhalb zogen es so viele vor, auszuwanderen oder sonst in einem andern Gebiete in Europa ein Unterkommen zu finden. Der Onkel, der den jungen Abraham als fleißigen, ordentlichen Mann kannte, schlug diesem die Parthie mit seiner Nichte vor, und bald war aus beiden ein zufriedenes Paar. Denn Bertha, so hieß die junge Frau, war früh darauf vorbereitet gewesen, entweder unverheirathet bleiben zu müffen, oder irgend in einem fremden Erdenwinkel, fern von all den lieben Ihrigen, einem völlig unbekannten Mann durch's Leben zu folgen. So dachten und fühlten alle jüdischen baierischen Unterthanen, beiderlei Geschlechts, und nun sah sie sich wirklich geschätzt von einem liebenden Manne und in der Nähe des Onkels, der fast Vaterstelle bei ihr vertrat. Doch eins fehlte zu ihrem häuslichen Glück, und das hatte ihr schon manche stille Thräne gekostet, sie war nun schon mehrere Jahre verheirathet, und hatte noch kein Kind, und wenn sogar ihr Mann ihr dieserhalb manch Trostwort sagte, fühlte sie doch zu gut, und höhere Töchterschule) der Israelitischen Religions- Gesellschaft in solenner Weise begangen worden. Unter Betheiligung eines Vertreters des Freiherrn Wilhelm Carl v. Rothschild *) des Gemeinde- und Schulvorstandes, der Baumeister und zahlreich erschienener Gemeindemitglieder sammelten sich die oberen Realklaffen, die Primaner mit den Schulfahnen, sowie die oberen Klaffen der höheren Töchterschule sammt dem Lehrer- Collegium, am Bauplatze, wo nach einem Choral der Gemeinde-Präses H. Emanuel Schwartzschild in sehr angemessener Ansprache einen kurzgefaßten Rückblick über das Zustandekommen des Baues bot, worauf H. Direktor Dr. Hirsch die Festrede hielt, anknüpfend an l. B. M. 25 18—22. Auch wir müffen, betont Redner, das Vermächtniß unseres Erzvaters, und muthig überwinden, wo es sich um Erzielung von „DV>n D*»D" handelt; der nimm 182 wird endlich doch erreicht u. s. w. und rief dem ihn lauschend umgebenden engeren Kreise das „V182 imsi vh ,1 mmn nny >2" begeisterun!^svoll in die Seele. — An diese geistige Feier schloß sich als Nachfeier, ein von dem allgemein verehrten Synagogenrath H. Felix Goldschmidt gebotenes splendides Festessen in dem festlich geschmückten Hotel Ullmann für die gesammte Verwaltung, für die freiherrliche Vertretung, sowie für die Lehrer und Lehrerinnen, die insgesammt in gemüthlicher und gehobener Stimmung, wozu die zahlreichen Toaste — der erste auf den deutschen Kaiser nicht wenig beitrugen, bis gegen Mitternacht verweilten. *) Wie wir seinerzeit berichtet, hat Freiherr v. Rothschild zu diesem Baue die Summe von 300000 Mark gespendet. Die Redaction. Breslau. Am 24. d. M. feierten die Particulier Schneider'schen Eheleute im Kreise zahlreicher Verwandten und Freunde ihre diamantene Hochzeit. Das Jubelpaar wurde in der Equipage des Geh. Comm.-Rathes Herrn Fränkel nach der Synagoge gefahren und dort feierlichst eingesegnet. Möge dem Jubelpaare im Kreise der zahlreichen Familienglieder ein heiterer Lebensabend noch recht lange beschieden sein. Posen. Priv. Mitth. Am 26. Nov. starb Hierselbst Herr Mendel Cohn Geh. Commisstonsrath. Er erreichte ein Alter von 70 Jahren. In Dresden geboren kam er mit seinen Eltern hierhin und widmete sich dem Kaufmannsstande. Seine Unternehmungen waren stets vom Glücke begünstigt. Im Jahre 1871 erhielt er den königl. Kronenorden. Längere Zeit war er Mitglied des Repräsentanten-Collegiums der hiesigen Synagogen-Gemeinde und gehörte der Stadtverordneten-Versammlung mehrere Jahre als Mitglied an. Sein überaus reger Wohlthätigkeitssinn zeigte sich sowohl Vereinen als auch Einzelnen gegenüber, ohne Rücksicht auf die Confessiou. Auch war er Mitbegründer des neuen israelitischen Kranken- und Beerdigungs- Vereins. Ein überaus großes Leichenbegängniß legte Zeugniß ab, jvon der Sympathie, deren er sich allenthalben erfreute. Die Armen verlieren in ihm ihren Wohlthäter, die Verwandten die Krone ihrer Familie, die Freunde einen echten Rathgeber und die Gemeinde ein theures Mitglied. Alle mögen Trost finden in seinen glänzenden Tugenden, in denen der Verblichene ewig fortleben wird. Er ruhe sanft! Oesterreich-Ungarn. Prag. (Orig. Bericht.) Dem israelitischen Freitisch-Vereine in Prag ist ferner Herr H. Bergmann Sohn, Lederfabrikant in Neubidchow als gründendes Mitglied mit fl. 100 Rente und fl. 5 Jahresbeitrag beigetreten. daß auch bei ihm diese Stelle seines Herzens unausgefüllt war. Da wußte sie ihn zu bewegen ein Kind seiner verwittweten Schwester, die deren sieben hatte, zu sich zu bitten, und er wünschte sich den Knaben, der den Name« seines Vaters trug. Die Schwester brachte ihren Sohn; damals viele Tagereise weit, vom Westerwald, vo« einem kleinen Flecken, aus einem Häuschen, wo man den Vater und Ernährer hiuausgetragen hatte, und wo Kummer und Noth dafür eingekehrt waren. Kein Wunder, wenn das Kind in die viel befferen Verhältniffe bei der Tante sich rasch hineinlebte und schon als nach mehreren Tagen die Mutter wieder zurückging zu ihren andern Kindern, nahm sie den Trost mit, daß sie ihren Benjamin guten Händen anvertraut, und er bei einer solchen Pflegerin, wie es die Tante, geistig und körperlich nicht verkommen werde. Und so war es. Der Knabe hatte neues Leben ins Haus gebracht, hatte der Hausfrau neue Pflicht?'- -•* --legt, und in der Liebe des Kindes und der A ■... Mannes sah sie sich belohnt für all . Sie war aus einem gottesfürchtigett Hause, .„.j wußte alle Lehren ihrer Eltern geschickt dem Knaben wieder mitzutheilen^. Fortsetzung folgt.

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