Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 34 (21.8.1879)
- Date
- 1879-08-21
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrer Württembergs und macht ihnen den Vorwurf, sie leben selbst nicht nach jüd.-rituellen Vorschriften und suchen jeden Funken von religiösem Feuer beim Kinde schon im Keime zu ersticken. Dieser Artikel war Gegenstand längerer Debatte und werden vom Bureau der Versammlung Schritte dagegen gethan werden. Solchen allgemein gehaltenen Schmähungen sollten die Redaktionen nicht die Spalten ihrer Blätter öffnen, ehe sie sich von der Wahrheit überzeugt haben. Ein Antrag auf Bildung eines «Lehrervereins" wurde angenommen und ein provisorischer Ausschuß von 5 Mitgliedern: Elsäffer (Laupheim), Löwenstein (Heilbronn), Preßburger (Rexingen), Stern (Eßlingen), Straßburger (Buttenhausen) mit dem Entwurf eines Statuts betraut. Die anderen Gegenstände der Tagesordnung konnten wegen vorgeschrittener Zeit nicht mehr zur Verhandlung kommen. Ein gemeinschaftliches Mittagsmahl vereinigte die Mitglieder der Conferenz in der Restauration von Killsheimer. St. Oesterreich. Aus Galizien. Ein Beweis, daß die jüdische Religion anderswo noch in Ehren gehalten wird, beweist folgender Vorfall, welchen wir dem in Wien erscheinenden «Israelit" entnehmen. Ein reicher Israelit, welcher zu Bersasko (Galizien) am ein Haus aufführen ließ, wurde von dem Rabbiner im "Mn'a in Gegenwart der versammelten Gemeinde deshalb aus der jüdischen Gemeinschaft ausgestoßen. Die von dem Letzteren gegen den Rabbiner beim Strafgericht auf Beleidigung erhobene Klage endete mit dessen Freisprechung. (Wenn eine solche kirchliche Strafe einen Laien trifft, sollte da nicht seitens gewisser Gemeinden gegen gewisse Rabbiner, welche nicht nur die jüd. Speise ge setze, sondern auch den größten Theil der jüdischen Dogmen außer Kraft gesetzt haben und dieses dadurch practisch beweisen, daß sie am N2L? fahren und öffentlich durch das jüd. Gesetz verbotene Speisen genießen, mit aller Entschiedenheit vorgegangen werden?) (Anmerk, der Red.) Amerika. Chicago, im Juli. (Jüdische Colonisation) Die israelitische Union von Amerika beschloß bei ihrer diesjährigen Hauptversammlung in New-Xork am 10. d. M., 'zu Schenkungen von Land in den westlichen Staaten, von Geld, Ackerbauwerkzeugen aufzufordern, um bedürftige Judenfamilien in den großen Städten auf solchem Lande anzusiedeln. Die Absicht ist, solches Land in Güter von 50 bis 80 Acres anzulegen, dasselbe miethfrei auf 7 Jahre an erwähnte Familien zu überlassen und nach Ablauf dieser Zeit es unter günstigen Bedingungen an dieselben abzugeben, das erlangte Kaufgeld aber zu weiterer Colonisation zu verwenden. Die Ansichten über den Erfolg des Unternehmens unter den Glaubensgenossen selbst sind sehr getheilt. Denn während einige behaupten, der Jsra- «lite tauge nicht zum Landbauen, weisen andere darauf hin, daß das jüdische Volk ursprünglich ein ackerbautreibendes gewesen sei. Die Zukunft wird lehren, wer Recht hat. W. L.-Ztg. (Jedenfalls dürfte das Beispiel in Bezug auf Handlungen der Nächstenliebe zur Nachahmung zu empfehlen sein). (Red.) Vermischte». — Moritz Frankl, der kleine Rechnenkünstler, war kürzlich im Belle-Alliancetheater zufällig zugegen, als der Kasstrer dem Direktor Wolf den Rapport über die Tageseinnahme zustellte. «Was lesen Sie denn da?" fragte der Knabe neugierig. Herr Wolf ertheilte ihm Auskunft. „O, ich kann Ihnen," fuhr der Kleine fort, «auswendig sagen, wie viel Sie eingenommen haben." Es waren in den Logen 120, im Parquet 350, auf dem zweiten Platz 418, im ersten Rang . . Staunend verglich der Director die Angaben Frankels mit seinem Rapport. Es stimmte Alles. „Wann hast Du denn die Leute gezählt?" „Während an der Tafel die Probe auf meine Exempel gemacht wurde. Und warten Sie mal einen Augenblick," setzte er hinzu, «die ganze Einnahme muß so und so viel betragen." Herr Director Wolf lächelte und sagte: „Beinahe hast Du die Summe getroffen. Es stimmt bis aus 12 M., die mein Rapport weniger aufweist." Der Knabe schüttelte heftig den Kopf: «Nein, ich habe mich nicht geirrt. Es muß so viel sein, wie ich ausgerechnet habe." Herr Wolf mußte herzlich lachen: «Beruhige dich nur, mein Junge, Du hast ja ganz richtig gerechnet aber die 12 Mk. mußt Du nun schon abziehen." „Warum denn? Ich will aber nicht!" schmollte Moritz. Des Direktors Miene wurde ebenso ernst als würdevoll: „Weißt Du, Knabe, was ein Freibillet ist?" Ueber des Knaben Stirn flog ein dunkler Schatten. «Die fehlenden 12 Mk.", fuhr der Director langsam fort, „gehen für Freibillets ab." Moritz seufzte tief. In diesem Augenblick ging ihm in seinem Gehirn das auf, was ihm bis jetzt noch gefehlt hatte, der Instinkt für die Rechnung mit unbekannten Größen. (Ueber die Sonntagsfeier) sprach Herr Limper am Montag im Berliner Arbeiterverein. Die Geschichte, führte er, aus, lehrt uns, daß das hygienische Bedürfniß und alttestamentliche Anschauungen die Grundlage für die Sonntagsfeier bilden. Die mosaische Gesetzgebung, die man in vieler Beziehung als eine Sanitätsgesetzgebung bezeichnen kann, ordnete die Feier mit besonderer Strenge an, indem sie den Widerspenstigen mit Todesstrafe drohte. Die sanitären Gründe müssen heute noch maßgebend für uns sein; dazu kommen moralische Gründe, die ein Zusammenbleiben der Familie am Sonntag nach längerem Getrenntsein dringend empfehlen. Die feierliche Stimmung, die so in äußerer Form sich darstellt, soll auch auf den Geist übergehen und eine innerliche Reinigung und Erholung von den täglichen Arbeitssorgen das Ganze krönen. V. Z. — (Malerei.) Karl Emil Franzos hat ein neues Genre von Figuren in seinen „halbasiatischen" Bildern geschaffen. Der Pinsel eines talentvollen Malers hat eine Gruppe jener Gestalten auf die Leinwand gezaubert. Das betreffende Bild, eine Synagogenscene von Moritz Gottlieb befindet sich zur Zeit in der Ausstellung Berliner Künstler. Die National-Zeitung kritisirt: Das große Figurenbild stellt betende polnische Juden dar, an deren unverfälschtem nationalem Typus und Kostüm sich „Halbasien" erkennbar macht. Den Vordergrund nehmen Männer verschiedenen Alters ein, in Andacht versunken und fast der Wirklichkeit entrückt. Im Hintergründe wird auf Emporen die Abtheilung der Frauen sichtbar; die Männergestalten haben anscheinend Lebensgröße, sie bilden vermöge der Kraft und Schärfe ihrer Charakterisirung den Schwerpunkt der Darstellung, zumal die übrigen Theile des Bildes in der Durchführung etwas zurückgeblieben sind. Die Köpfe sind nach Form und Physiognomie von interessanter Naturwahrheit, ein feines und klares Kolorit verbreitet über das Ganze den Reiz der Schönheit; was demselben noch zu wünschen wäre, ist etwas mehr Tiefe. Ueber den Künstler meldet das genannte Blatt: Zweifellos stand demselben eine glänzende Laufbahn bevor. Leider ist sie durch seinen frühen Tod abgeschnitten. Vor wenigen Tagen brachten die Zeitungen die Trauernachricht. Wir erfahren daraus, daß Moritz Gottlieb erst in seinem dreiundzwanzigsten Jahre stand, anfänglich Schüler Matejko's in Krakau war und später eine Zeit lang unter Makart's Leitung arbeitete. — (Damentoilette bei den alten Hebräern.) In der Toilette einer reichen hebräischen Dame war vor allen Dingen der Turban zu nennen, während ärmere Frauen sich mit einem Stück Tuch begnügen mußten, daß sie um den Kopf wanden. Die Turbane trug man in allen möglichen Farben und Größen, zuweilen waren sie wahre Thürme. — Schuhe und Strümpfe waren nicht bekannt, aber die Schönen suchten sich für den Mangel an schönen Pantoffeln oder eleganten Stiefelchen, gegen welche keine moderne Dame gleichgültig ist, durch Sandalen von kostbarem Leder schadlos zu haltenwelche durch blaue, violette oder purpurfarbene Bänder befestigt waren und den Fuß nach Gebühr zur Geltung brachten. Um die Knöchel trug man Ringe von Gold oder silberne Ketten, behängen mit feinen silbernen Glöckchen. Auch Armbänder waren allgemein beliebt, ebenso wie Ringe an den Fingern. Jene wurden gewöhnlich am rechten Arm getragen und waren zuweilen so groß, daß sie bis zum Ellbogen reichten. Die Halsbänder von Gold oder Perlenschnüren waren gleichfalls oft mit silbernen Glöckchen versehen, vorn hingen von denselben ans die Brust herunter Amuletten in der Gestalt eines Halbmondes, oder Riechfläschchen, goldene Schlangen, kleine Silber- oder Goldplatten mit Sprüchen magischer Kraft rc. Ohrringe standen in derselben Gunst wie heutzutage, und es scheint, daß ihre Größe buchstäblich ohne Grenzen war, wird doch erzählt, daß ein Paar 1700 Skckel wog; es war etwas ganz gewöhnliches, daß man einen Mannsarm durch den Ohrring stecken konnte. Manche Damen trugen auch Gehänge von mehreren Ringen, wiederum mit silbernen Glöckchen, so daß eine vornehme Dame wie ein wandelndes Glockenspiel erschien. Roch populärer als alle diese Ringe war der Nasenring von Elfenbein oder Metall, der den linken Nasenflügel schmückte. Fügen wir noch schließlich hinzu, daß die Haarnetze nicht selten aus Gold oder Silber bestanden, und daß die Vornehmen auch noch goldene Bänder unter denselben trugen, so wird man bekennen müssen, daß ein Ehrenmann wohl berechtigt war, seine Frau einen kostbaren Schatz zu nennen, und daß manche alttestamentliche Schilderungen nicht auf Kosten der orientalischen Phantasie zu setzen sind, sondern durchaus der Wirklichkeit entsprachen. Briefkasten der Redaktion^ Frau O. hier, „Juda's Erhebung" gefällt uns in seiner Tendenz, doch lassen es Fehler in Form und Ausdruck nicht druckreif erscheinen. Wollen Sie Vorwurf prosaisch bearbeiten? Red. d. V.-Z. B. Auf welchem Wege erhielten Sie von unserer Notiz Kenntniß, ohne unser Blatt zu lesen; B. M. war fingirt. — Wir bringen Ihnen in Erinnerung, daß wir bereits seit Bestehen unseres Blattes es gegen das Ihrige austauschen. „Wir rechnen es uns zur ganz besondern Ehre." Zöglinge, welche das Gymnasium, die höhere Bürger- oder Töchterschule in Heidelberg besuchen sollen, finden in unseerm Hause willkommene und liebevolle Aufnahme. Auf besondern Wunsch der Eltern können die Knaben oder Mädchen auch den ganzen, für ihren spateren Beruf erforderlichen Unterricht (ohne Schulbesuch) im Hause erhalten. Da von neu eintretenden Schülern bei den Direktionen der Höheren Lehranstalten eine rechtzeitige Anmeldung vorher erfolgen muß, so beliebe man dieselbe baldigst zu richten an Herrn oder Frau Dr. J. Fiebermann, 2418 Heidelberg, Anlage 20. Eine von einem bestbeleumundeten -®id verfertigte kleine und schöne, ganz neue min *nsD zu verkaufen und sofort zu beziehen. Der Preis ist ei» so äußerst niedriger, daß selbst jeder anderer IDIO anstatt eine "n"D zu schreiben, sofort seinem Auftraggeber dienen kann, und für sich eine angemessene Provision zu erwarten hat. Das -isd ist beim Unterzeichneten einzusehen. 2434 Woritz Waum, Bonn a. Rh., Peterstraße Nr. 8. Sämmtliche Sorten W«- und D^nnx liefert in bester Auswahl zu billigsten Preisen I. Kauffmann 2436 in Frankfurt a.M. Vom Herausgeber für 90 Pfg. zu beziehen: Memorirn. Gesangbuch für isr. Schulen von Lehrer Straßburger in Buttenhausen (Württemberg.) Dieses praktische Schulbuch hat sich seit seinem Erscheinen in vielen isr. Schulen eingebürgert und bietet den isr. Schülern genügenden Stoff für den Religions- und Gesangunterricht für Schule und Synagoge. Die jüd. und pädagogischen Journale haben dasselbe aufs günstigste beurtheilt. 2449 Empfehle meine Israelitische Gastwirtüschast. H. Berger, 2386 Coeln, Lungengasse 28 am Neumarkt»