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Der israelitische Bote · 1879-07-03 · 27 (3.7.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
27 (3.7.1879)
Date
1879-07-03
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag. Der Z U 4 Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark» Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. v. Jahrgang. Im Banne des Gesetzes. Erzählung von Jenny Hirsch. _ Nachdruck verboten. Nu, ein Professor hat keinen Laden und wenn ein Doctor am Schabbes ein Rezept verschreibt, thut er keine Sünde. Ich sag' Ihnen, es macht Mancher am Schabbes den Laden zu und verkauft hintenrum. Es kriegt Mancher in der Synagoge den lieben Gott bei die Füß und raucht nachher am Schabbes Tabak und ißt, was ihm gefällt. Gehn Sie weg mit der Frömmigkeit bei der heutigen Jugend." In dieser nicht gerade allzu logischen Beweisführung mochten für Madame Löwenthal mancherlei Anspielungen gelegen haben, die ihr nicht gerade angenehm zu hören waren. Schneller und kürzer als es sonst ihre Art war, brach sie, um jeder weiteren Erörterung aus dem Wege zu gehen, die Unterredung ab, indem sie zu Mendel sagte, sie wolle die Sache mit ihrem Manne überlegen und ihm dann Bescheid geben. »Ich komm' morgen früh wieder, länger kann ich mich nicht aufhalten, das Geschäft geht jetzt, Gott sei gelobt," versetzte der Schadchen, griff nach dem Hute Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Aonn, 3. Juli 1879 (5639). mit der faltigen Krempe, den er ganz ungenirt auf die über den Tisch gebreitete Sammetdecke gestellt hatte, und empfahl sich, sehr zufrieden mit dem Resultate des Gesprächs. Er wußte sehr gut, daß Frau Löwentha! von dem Gedanken entzückt sei, einen Professor zum Schwiegersohn zu bekommen, und ihren Mann bearbeiten werde, daß er seinem Vorschläge Gehör leihe. Es war kluge Berechnung, daß er zuerst die Mutter und nicht, wie es bei solchen Geschäften sonst Brauch, den Vater aufgesucht hatte. — Kaum hatte er das Zimmer verlassen, so gab Frau Löwenthal den in ihr durch den Schadchen angeregten Gedanken und Empfindungen Ausdruck, indem sie halblaut sagte: „Meine Tochter, die Frau Professorin/ dann trat sie beinahe unwillkürlich vor den Spiegel und zupfte die falschen Locken, welche sie statt des eigenen durch eine Haube dicht verdeckten Haares trug, zurecht, als wolle sie sich schon für die neue Würde in Positur setzen. Sie überlegte, wie sie die Sache am besten ihrem Manne beibringe, und war unschlüssig, ob sie sogleich zu ihm nach dem Comptoir hinuntergehen oder warten solle, bis er nach Schluß des Geschäftes heraufkäme; ihren Zweifeln ward aber ein schnelles Ende gemacht, denn die Thür öffnete sich und ihr Gatte trat ein. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum' 10"Pf. jZahlbar hier. I n s e r a t e werden bi- Dirnstag erbeten. _Hlro. 27. ferenz am 2. Juni in Steele ab. Der langjährige Vorsitzende, Herr Blumen au, (Bielefeld), eröffnete die Sitzung um 91/2 Uhr, indem er die Collegen herzlich begrüßte und seiner Freude Ausdruck gab, daß die Gemeinde Steele durch zahlreiches Erscheinen ihrer Mitglieder Interesse für den Lehrerberuf berhätige. Der Vorsteher der Synagogen-Gemeinde, Herr Rindskopf, rief den Lehrern "im Namen der Gemeinde ein herzliches Willkommen zu. Leider war nur eine geringe Anzahl erschienen; einige hatten sich wegen ihres Ausbleibens entschuldrgt. Die Namen der Theilnehmer sind: Blumenau, Bielefeld; Blumenfeld, Essen; Goldstein, Grevenbroich; Treu, Münster; Löb, Cöln; Dr. Wertheim, Hagen; Goldberg, Steele; Kronenberg, Ruhrort; Graf, Essen; Rothschild, Dortmund; Kaufmann, Ahlen; Eber, Kerpen; Buxbaum, Wesel; Carsch, Emmerich; Ohlenburg, Iserlohn; Moses, Oelve; Ostwald, Witten; Laubheim, Bochum; Plaut, Wattenscheid; Laser, Neheim; Levi, Neuß; Cahn, Hagen; Jkenberg, Arnsberg; Cramer, Neuenkirchen; Spanier, Solingen; Benjamin, Unna. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung hebt der Vorsitzende hervor, daß es geeigneter erscheine, die Themate zu den Vorträgen nicht im Laufe des Jahres, sondern auf der Conferenz zu bestimmen. Er kennzeichnet dann die Stellung unserer Conferenz zu den jüd. Zeitschriften. Die Conferenz gehöre keiner Partei an, sie fördere jedoch diejenigen Zeitschriften, die treu und redlich zu dem Judenthum und seinen Lehrern stehen. Es erfolgt nun als erster Punkt der Tagesordnung: Berichterstattung über die Unterstützungskasse des Vereins. Dieser zählt 48 active Mitglieder und hat der Kassenbeftand bereits die Höhe von 36 Tausend Mark überschritten. Der Jahresbericht pro 1878 ist schon Mitte Januar zum Versandt gekommen. Der Vorsitzende richtet die dringende Bitte an die Collegen, sich ernstlich der Kasse zu widmen, besonders durch eifriges Wirken für dieselbe in den Gemeinden. Der Herr Vorsitzende drückte sein Bedauern aus, daß nicht ein Theil der Einnahme des I. Synagogen-Chor-Verbands-Concertes in die Unterstützungkasse geflossen sei. College Graf (Essen) rechtfertigt seine Stellung als Verbandsdirigent, indem er darauf hinweist, daß er nur das Technische zu leiten habe und daß der Einzelchor Bochum über die Einnahmen und Ausgaben Bestimmungen getroffen, die nach den Statuten nur dem frag!. Vorstände zustehen; um aber das ganze Concert nicht scheitern lassen, sei es bei dem Beschluß des Einzelchors geblieben. Der zweite Punkt der Tagesordnung, die Vorstandswahl, konnte nicht erledigt werden, weil nicht die erforderliche Anzahl Mitglieder anwesend war. Der Gegenstand wird deshalb vertagt und der bisherige Vor- Moses Löwenthal war ein Mann von fünf bis sechsundfünfzig Jahren, groß und kräftig gebaut, aber mit vorn übergebeugter Haltung, die ihn im Verein mit der tiefgefurchten Stirne, dem schneeweißen Haar und den ebenfalls schneeweißen buschigen Augenbraunen älter erscheinen ließ, als er wirklich war. Die große scharsgebogene Nase, die dunklen ernst blickenden Augen und der energische Mund gaben dem Gesicht einen energischen finsteren Ausdruck, der jedoch verschwand, sobald er den Mund öffnete und zwar im jüdischen Jargon, aber mit einem sonoren, milden Organ langsam und bedächtig sprach. — Wie der Mann so da stand, sah man ihm an, er hatte mit dem Leben einen harten Kampf gekämpft und ihm abgetrotzt, was er jetzt sein nannte. Verglich man den gebeugten Rücken mit der kraftvollen Gestalt, so kam man unwillkürlich auf den Gedanken, er müsse durch schwere Lasten, die er jahrelang geschleppt, gebeugt sein, und man traf damit das Richtige. Moses Löwenthal war der Sohn armer jüdischer Eltern in der Provinz Schlesien. Er hatte, wie dies noch heute in derartigen Familien vorzukommen pflegt, zu Anfang dieses Jahrhunderts, wo er jung gewesen, aber die Regel war, norhdürftig deutsch schreiben und lesen, besser rechnen und am besten hebräisch gelernt und mit dreizehn Jahren ein Päckchen mit Band, Seide, Leitender Artikel. Breslau, 25. Juni. (Or.-Bericht). Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hielt Montag, den 2. Juni c., im kleinen Saale der Gesellschaft der Freunde seine erste ordentliche General-Versammlung unter zahlreicher Betheiligung der hiesigen und auswärtigen Mitglieder ab. Nach der Reihenfolge der Einzeichnungen in die ausgelegte Präsenzliste waren folgende Mitglieder erschienen: Dr. Samuelsohn, Breslau; Dr. Brann, Breslau; M. I. Heimann, Namslau; I. Nachschön, Striegau; Ernestine Krakauer, Breslau; Landau, Creuzburg O./S.; Freuthal, Kattowitz; Baß, Neustadt O./S.; Tintner, Bunzlau; Koppel, Lüben; Chotzen, Oberglogau; M. Cohn, Reichenbach i.Schl.; Dr. Cohn, Oels; Hosch, Neiße; Schindler, Bernstadt; Cohn, Unruhstadt; Blumenfeld, Frankenstein; Back, Myslowitz; Löwy, Ohlau; Translateur, Carlsruhe O./S.; Blumenfeld, Schweidnitz; B. Bloch, Breslau; Dr. Badt, Breslau; Huth, Krotoschin; Horwitz, Münsterberg; Mannheim- Cohn, Landesheim i.Schl.; S. Petzal, Sohrau O./L-.; Dr. Korn, Breslau; Dr. P. Joseph, Breslau; Herbst, Lissa (Posen); Scharlach, Trachenberg; Waffertrilling, Bojanowo; Saul, Kosten; Dr. Ruelf, Breslau; S. Gradenwitz, Breslau; Schießer, Trebnitz; Dr. Joöl, Breslau; Liebermann, Brieg; Dr. Neustadt, Breslau; Süßholz, Neumarkt; Dr. Rippner, Glogau; Krolik, Corel; Held, Breslau; Rosenau, P. Wartenberg; Löwenthal, Jauer und der Delegirte des deutsch-israelitischen Gemeindebundes Dr. Honigmann, Breslau. Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes, Dr. Samuelsohn, Breslau, die Sitzung,^ indem er die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte. Im Anschluß daran erstattete er über die Thätigkeit des Vorstandes Bericht. Wir heben daraus hervor, daß die Aufgaben, mit welchen die Versammlung vom 25. Dec. v. I. den Vorstand betraute, vollendet sind. Als die Frucht mühevoller und langwieriger Verhandlungen liegen der Versammlung die Entwürfe der Statuten für den Lehrer-Verein und für die zu gründende Unterstützungs-Kasse desselben zur definitiven Beschlußfassung vor. Im Laufe des ersten Halbjahres seiner Thätigkeit hat der Verein und zwar besonders durch das energische Wirken der Herrn Vertrauensmänner, 102 Mitglieder gewonnen. (Seit dem 9. Juni ist die Zahl auf 110 gestiegen). — Darauf legte der Schriftführer Dr. Brann, Breslau, Rechnung über den Stand der Kaffe und erhielt einstimmig von der Versammlung Dscharge. — Als dritter Punkt der Tagesordnung war das provisorische Vereinsstatut zu berathen, Brann erörterte in kurzen Worten die dem Statut zu Grunde liegenden Principien. Er wies darauf hin, daß die Tendenz des Vereins und die wesentlichen Bestimmungen über die Mitgliedschaft bereits durch die Beschlüsse vom 25. Decbr. p. festgesetzt seien. Danach bezweckt der Verein die sociale und intellectuelle Förderung sowie die materielle Sicherstellung der jüdischen Lehrerschaft in Schlesien und Posen. Das Statut wurde im Allgemeinen nach den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Eine längere Debatte, an welcher sich Tintner (Bunzlau), Freuthal (Kattowitz), Hosch (Neiße), Wassertrilling (Bojanowo) und Cohn (Unruhstadt) betheiligten, entspann sich nur über den schriftlich vorliegenden Antrag des Dr. Freund (Görlitz): »Auch Nichtlehrer können Mitglieder werden, wenn sie sich zu einem Jahresbeitrag von mindestens drei Mark verpflichten." Der Antrag wurde schließlich angenommen. Auch der Vorschlag Hosch (Neiße), daß die Jahresbeiträge in halb- (statt in viertel-) jährlichen Raten zu zahlen seien, erhielt die Majorität. Die Bestimmungen über die Wahl des Vorstandes wurden dahin modifizirt, daß derselbe aus der Zahl der dem Verein angehörenden Lehrer zu wählen sei. Darauf erfreute Herr Rabbiner Dr. Joel (Breslau) die Versammlung durch eine höchst geistreiche und gelungene Improvisation. Zuvörderst bat der Redner um Entschuldigung, daß eine unerwartete Häufung von Amtsgeschäften ihn nicht zur Ausarbeitung eines Vortrages habe kommen lassen. Jndeß auch diese Verlegenheit sei in gewiffem Sinnen ein Vorzug. Denn besonders für diese erste Versammlung sei es gewiß ersprießlich, wenn er davon rede, was ihm und seinen Zuhörern zumeist am Herzen liege. Was die heilige Schrift von Rahel sagt, das gelte, wenn auch nicht völlig, von dem Judenthum der Gegenwart. Nicht die Religion, wohl aber die Religiöfität sei in Gefahr. Und die jüdische Lehre rufe gleichsam den Erziehern der Jugend zu wie dereinst Rahel ihrem Gatten: bring mir die Kinder. Es habe sich jüngst ereignet, daß jüdische Jünglinge an einen hiesigen Gelehrten, dessen jüdische Abstammung sie aus dem Konversationslexikon erfahren hatten, ein Schreiben gerichtet haben, in welchem sie ihm erzählten, sie hätten in ihrer Kindheit Unterricht empfangen in der Bibel, im Ritus u. s. w., aber dieser Unterricht habe ihnen keine Waffen gegeben, sich und ihren Glauben zu vertheidigen gegen die mannichfachen Angriffe, die sie in ihrem Verkehr mit Nichtjuden tagtäglich hören müßten. Sie ständen rathlos und wendeten sich an ihn um Hülfe. Fortsetzung folgt. (Or.-Bericht). Der Verein israel. Elementarlehrer für Westfalen und Rheinprovinz hielt seine diesjährige Con-

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