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Der israelitische Bote · 1879-05-08 · 19 (8.5.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
19 (8.5.1879)
Date
1879-05-08
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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: h‘ rf Wolf Goldschmidt zu Stellvertretern gewählt. Mit der Anstellung eines Lehrers haben unsere israelitischen Mitbürger entschieden Mißgeschick. Die Schule hat den Character einer Privatschule und war dem Herrn Lehrer Speyer zur Ertheilung des Unterrichts an derselben die Concesston von Königlicher Regierung in Arnsberg erlheilt. Dem neuberufenen Lehrer Herrn Kleefladt hat die Königliche Regierung die Genehmigung versagt und ist auf Anordnung der Aufsichtsbehörde die jüdische Schule geschlossen worden. Die Kinder werden bis auf Weiteres die evangelische Volksschule besuchen müssen. Frankfurt a. M. Der wegen seiner trefflichen Arbeiten, wie: „Schul-und Hausbibel", „Biblische Erzählungen", auch in weiteren Kreisen bekannte Lehrer, Herr Dr. Jakob Auerbach ist jüngst nach 35jähriger Wirksamkeit an der Realschule der hiesigen israelitischen Gemeinde in den Ruhestand getreten. In Anerkennung seiner großen Verdienste und seiner ersprießlichen Thätigkeit, wurde ihm im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs durch den Direktor Herrn Dr. Bärwald, der rothe Adlerorden 4. Klasse überreicht. Oesterreich. k Wien. Die Direction des allgemeinen Krankenhauses hat vielfach die Erfahrung gemacht, daß arme israelitische Kranke aus rituellem Bedenken sich der im Krankenhause gekochten Kost enthalten. Hierdurch wird trotz der Bemühungen ihre Widerherstellung häufig verzögert, ja oft unmöglich gemacht. In jener Enthaltung muß man sicher eine rühmenswerthe Glaubenstreue anerkennen; gewiß aber ist, daß die beklagenswerthe Lage' des Unglücklichen, den die doppelte Noth der Armuth und der Krankheit schwer genug bedrückt, durch derlei Gewissenskämpfe noch trostloser wird und des werkthätigen Mitgefühles menschenfreundlicher Herzen sehr würdig erscheint. In der Thal haben sich auch bisher stets einzelne Wohlthäter gefunden, welche solchen Kranken, die dem jüdischen Speisegesctze entsprechende Kost zukommen ließen, und sich dadurch den wiederholt auch in öffentlichen Blättern ausgesprochenen Dank, sowohl der Vorstände der einzelnen Abtheilungen als auch der Direction des allgemeinen Krankenhauses erwarben. Allein wie in vielen anderen Fällen, so hat ’ auch hier die private Wohlthätigkeit sich als unzureichend erwiesen und mußte sich Denjenigen, welche die einschlägigen Verhältnisse genauer kennen zu lernen Gelegenheit hatten, gar bald die Ueberzeugung aufdringen, daß eine halbwegs zugängliche Abhilfe nur durch die Thätigkeit eines dem Bedürfniß entsprechend organisirten Vereines erhofft werden könne. Zu bie> sem Behufs ist ein „Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien" gegründet worden. Lemberg. Das Comits der „Ersten Jüdischen Volksküche" hat am Tage des 25jährigen Hochzeitsjubiläums des glorreichen Oesterreichischen Kaiserpaares, d. war am 24. v. M. tausend Arme ohne Unterschied der Confession unentgeltlich gespeist. , Aus Jassy wird dem „W. Jsr." ein unerquicklicher Vorfall berichtet, welcher sich anläßlich der Mazzos-Versorgung unter der dortigen Judenschaft ereignet hat. Die jüdischen Müller hatten sich vereinbart, den Preis der Mazzos außergewöhnlich hoch zu stellen, um dadurch auch den israelitischen Wohlthätigkeitsvereinen den billigen Verschleiß für Arme unmöglich zu machen. Die Armen sahen sich gezwungen, des Kukuruz-(Mais)-Mehles sich zu bedienen. Den Bemühungen der obengenannten Vereine ist es erst am lyiftn bin gelungen, diesem Hebet abzuhelfen und konnten sie durch nachträgliches Backen von Mazzos den Armen ihren Bedarf geben. t Barfesko (Galizien). Am rütV, 12 71L>1S, starb Hierselbst R.Israel Beer Bindenberger. Der Verstorbene hatte ein Alter von 86 Jahren erreicht und erfreute sich einer allseitigen Liebe und Hochschätzung. Die ganze Stadt, Juden wie Christen, betheiligten sich an der Beerdigung. Des Monats Nissan wegen durste keine Grabrede gehalten werden. Der Verstorbene hinterläßt 3 lebende Kinder, 27 Enkel, 56 Urenkel und 10 Ururenkel. Italien. Ancona Der Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, der zugleich Mitglied des Stadtraths ist, wurde zum Ritter des Ordens der Krone Italiens ernannt. Schweiz. Gens. Die Eröffnung des Spitals für unheilbare Kranke wird in Kürze eröffnet werden: Dasselbe, ganz auf Kosten der Madame Rothschild hergestellt, ist dem Sauptspital bedingungslos übergeben worden. Ihr emahl hat vor einigen Jahren ein ähnliches Geschenk der Stadt gemacht, und zwar ein Spital für Augenkranke. Die Familie Rothschild hat sich daher in hiesiger Stadt ein bleibendes Andenken geschaffen. Marokko. Ueber das Loos der Israeliten in Marocco berichtet die „All. Jsr. Univ." Folgendes: Das Loos der Bevölkerung ist im Allgemeinen leider noch nicht besser geworden; die Armen sind zahlreicher denn je, namentlich an der Küste. Das israelitische Comitä von London, der von H. Aflalo jun. geleitete Naroooo famine relief fund sendet weiter seine Unterstützung nach den Hafenstädten unterschiedslos an Israeliten und Muhamedaner; derselbe hat außerdem für die Israeliten der Stadt Marocco eine Sammlung veranstaltet, welche den Ertrag von 300 Psd. Sterl. ergeben hat und von der ein Theil bereits an die Gemeinde geschickt worden ist; dieselbe soll bis zum Eintritt der besseren Jahreszeit zur Beschaffung von Nahrungsmitteln dienen. — Wahrhaft haarsträubend sind die verschiedenen Schilderungen von der Wirkung der in diesem Theile Afrikas wüthenden Hungersnoth. Tausende von hungernden Menschen, die zu Skeletten herabgemagert, baten in der Missionsstation um Brod; Vieh, Kameele, Pferde, Esel, Schafe und Geflügel sind in großer Masse umgekommen. Die hungrigen Hunde greifen in großer Anzahl Männer und Frauen kühn an. Innerhalb einer Meile von Mogador wurden 20 Personen von Hunden getödtet und verzehrt. In Mogador allein sind nicht weniger als 1300 Personen dem Hunger erlegen, und fast in jeder Straße stößt man auf Todte oder Sterbende. Im Judenviertel ist beinahe jedes Haus ein Hospital. Rnhlaud. Riga. Die alte und doch immer wieder geglaubte Fadel, daß die Juden zu ihrem Osterfeste Christenblut zu vergießen pflegten, die noch neulich in Kutais im Kaukasus zu einem Kriminalprozeß Anlaß gab, hat auch in unserer Nachbarschaft, im Flecken Trentelberg bei Stockmannshos, zu einem tumultuarischen Auflaufe geführt. Der „Rig. lapa" wird hierüber Folgendes geschrieben: Am 26. März verbreitete sich während des Gottesdienstes in der lutherischen Kirche plötzlich das Gerücht von der Gefangennehmung eines Bauernmädchens durch die Juden. Aus der Kirche stürzte sich die aufgeregte Menge vor das bezeichnete Judenhaus und forderte stürmisch die Herausgabe der Gefangenen. Es wäre muthmaßlich zu Gewaltthätigkeiten gekommen, wenn der Fleckenvorsteher nicht rechtzeitig intervenirt und die erregten Gemüther durch Vorstellung zur Vernunft gebracht hätte; doch dauert der Unmuth noch fort und die jüdischen Hausirer dürfen sich nicht auf's Land wagen. Der Korrespondent, der die Feststellung der Thatsache der gerichtlichen Untersuchung anheimstellte, läßt hierbei Durchblicken, daß dem Gerücht doch etwas Thatsächliches zu Grunde gelegen habe, denn er erzählt zum Schluß, daß es dem Mädchen gelungen sei, durch ein Fenster zu entweichen und in der Nacht nach Hause zu gelangen. — Es bedarf darüber keiner Erklärung, daß wir unserseits in dem ganzen Vorgang nur ein Zeichen tief eingewurzelten Hasses erkennen, dem nicht ernst genug entgegengetreten werden kann. Daß solche mittelalterliche, verfinsterte Ideen noch in den Bergthälcrn Jmeretiens sich erhalten haben, befremdet nicht, — unter protestantischen Letten hat dergleichen fanatische Verblendung keine Erklärung und keine Entschuldigung. V. Z. Egypten. Alexandrien. Jüngst veranstaltete Herr Baron I. L. Manasse zu Ehren der Hochzeit seines Enkels einen großartigen Ball. Wie noch niemals war hier die orientalische Pracht entfaltet. 2000 Gäste waren anwesend und 12 Salons und noch einmal so viel Nebengemächer waren zu diesem Zwecke ausgeschmückt. Die Geladenen von Cairo waren von einem besonderen Eisenbahnzuge gebracht worden. Ein nach türkischer Sitte besonders eingerichteter Haremsalon war hergerichtet, da viele türkische Paschahs nebst ihren Familien anwesend waren. Die Damen konnten somit ihrer Sitte gemäß das Fest mitmachen, indem sie, ohne von den Männern gesehen zu werden, Alles mit ansehen konnten. Außerdem war der hier restdirende Generalconsul, der egyptische Gouverneur anwesend. Es war auch für fromme Glaubensgenossen in zuvorkommender Weise gesorgt worden, da ein Banquet nach streng jüdischem Ritus mit 500 Gedecken servirt wurde. Hiesige Opernsänger verherrlichten durch ihren schönen Gesang das Fest, das bei allen Geladenen das schönste Andenken zurücklassen wird. Vermischtes. (Ein Witzwort des Ministers Taaffe.) Im Budget- Ausschuffe des österreich. Abgeordnetenhauses wurde jüngst über das Personal des Wiener Polizeipräsidiums gesprochen. Ein Antrag der Regierung, diese Kategorie von Staatsbeamten besser zu stellen, fand auch seitens des Abgeordneten Dr. Kuranda warme Unterstützung, welcher bei diesem Anlaffe einen sehr drastischen Fall von langsamem Avancement eines Polizeibeamten mittheilte. Dr. Kuranda erzählt nämlich, daß im Jahre 1848 ein Polizei-Commissar bei ihm eine Hausdurchsuchung vorgenommen habe, glücklicherweise ohne irgend etwas Belastendes aufzufinden. Vor einigen Tagen habe er einer Versammlung beigewohnt, in welcher er den Polizei-Commisfar aus dem Jahre 1848 als — Ober-Commissar begrüßen konnte. Der Mann sei also erst nach 31 Jahren avancirt. Minister Taaffe, welcher in der Sitzung zugegen war, trat nach der Abstimmung an Dr. Kuranda heran und sprach lächelnd zu diesem: „Ich kann Ihnen sagen, weshalb jener Mann so spät avancirt ifi." — „Warum?" fragte Dr. Kuranda. — „Weil er bei Ihnen nichts vorgefunden hat!« Bonn am Mein. ^Restanration Samuel™ 58 Wenzelgaffe vis ä vis der Hof-Apotheke. 5 Minuten von der Klinik und Dampfschifffahrt. 10 Minuten vom Bahnhof entfernt. Streng Küche, reine Weine. Uebernahme von Festessen jeder Art zu reellen Preisen. fCS* Für Studirende ermäßigte Preise. S. Samuel. 2245 Bonn am Rhein. 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Prospekt durch den Direktor. 2310 Dr. Wahl. Der Haushalt wird streng nach jüd. Ritual geführt. Fach-Sehule ßon einem gut. fit. Kaufmann wird ein Heiraths- Vermittler gesucht. 2336 Offert. W. 100 an die Exp. d. Bl.

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