Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 6 (6.2.1879)
- Date
- 1879-02-06
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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# I ' ssel, 29. Januar. Geheimrath Dr. Stilling, geschäftsführender Vorstand der 81. Versamm- ^.»8 Deutscher Naturforscher und Aerzte, ist gestern Abend in einem Alter von 69 Jahren gestorben. Dr. Benedikt Stilling wurde am 22. Februar 1810 in Kirchhain bei Marburg, einem kleinen Landstädtchen des damaligen Kurfürstenthums Hessen, geboren, besuchte vom Jahre 1824—28 das Gymnasium zu Marburg und studirte daselbst als einer der hervorragendsten Schüler, welche überhaupt aus jener Universität ihren Bildungsgang eröffnten, in den Jahren 1828—1832 Medicin und Chirurgie. Seine Richtung war schon auf der Universität eine.streng wissenschaftliche, und würde er die Universitäts-Laufbahn beibehalten haben, wenn nicht die Engherzigkeit der damaligen Anschauungen und Verhältnisie ihm einen solchen Lebensweg unmöglich gemacht hätten, da er Jude war. Er ließ sich später als praktischer Arzt und Chirurg zu Cassel nieder, wurde daselbst alsbald zum Landesgerichtswundarzt ernannt, und erwarb sich in dieser Thätigkeit einen Ruf, welcher die Grenzen seines engeren Vaterlandes, Deutschlands und Europas, überflügelte, denn neben seiner ausgiebigen Berufsthätigkeit als Arzt arbeitete er in seinen Mußestunden an den höchsten Problemen der anatomischen Wissenschaft, nämlich der Erkenntniß des menschlichen Gehirns und des Rückenmarks. Fast Alles, was wir heutzutage über diese wichtigen Organe Positives wissen, stammt von Stilling her, und wurden auch seine bezüglichen Leistungen von den verschiedensten Akademien Europas durch Ernennung zum Ehrenmitglieds und Verleihung der höchsten wissenschaftlichen Preise bestätigt, während vie deutsche Kathedergelahrtheit und das verbissene Profesiorenthum der Universitäten dem jungen Gelehrten die Anerkennung versagten, ja sogar geflissentlich seine bedeutenden Leistungen todtschwiegen. Seine immer neue und immer erfolgreiche Thätigkeit aber, die rasch aufeinander folgenden, epochemachenden Entdeckungen, welche er auf genanntem Gebiete in den Jahren 1834 bis ip die neuste Zeit machte, zwangen seinen Neidern die schließliche Anerkennung ab, welche in der Wahl zum ersten Präsidenten der hochansehnlichen Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte gipfelte. Aber nicht nur in der theoretischen Medicin, auch in der praktischen Heilkunde leistete Stilling Unschätzbare«. Trotzdem er demnach einer hervorragenden äußeren Stellung entbehrte, wußte er doch-, einzig und allein durch seine Leistungen, der deutschen Gelehrtenwelt die Hochachtung abzuringen, die ihm nun allenthalben gezollt wurde und welche er auch durch die ganz vortreffliche, einzig in ihrer Art dastehende Geschäftsführung der 51. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in neuem und erhöhtem Maße sich erworben hatte. Oesterreich. Kostet. (Mähren.) Der Kaiser hat der hiesigen isr. Gemeinde 200 fl. gespendet, die zum Baue einer Schule zu verwenden sind. (Demnach gibt es auch verdienstvolle Menschen in den Gemeinden Mähren'«. Red.) Aus Bosnien wird dem W. I. geschrieben, daß bei Venheilung von 53 Medaillen an die Tapfersten der General an die Soldaten folgende Ansprache hielt: Das Regiment (Aroldi) wird sich zweifellos sehr geehrt fühlen, in seinen Reihen den Tapfersten der ganzen Armee, zu besitzen, — die große goldene Tapferkeitsmedaille ist dem Offiziers-Stellvertreter Gustav Morgenstern^ zugewiesen worden. Nachdem der General selbst den Orden dem Hrn. Morgenstern an die Brust geheftet, empfing der so Ausgezeichnete von allen Seiten Gratulationen. Derselbe erhielt auch eine große silberne Gedenkmünze nebst einem Begleitschreiben vom Oberkommando in Serajewo, unterschrieben vom Feldzeügmeister PhilippowicS und Feldmarfchall-Lieutenant Stubenrauch. — (M. hatte in der Schlacht am 7. Oktober ErftaunliHes geleistet.) Lemberg. Der siebzigjährige Pejrez. Fischer, den ein bedenkliches Leiden schon seit längerer 'Zeit ans Bett fesselte, war hier am Freitag Abend, wie es hieß, einem überaus heftigen Anfalle von Starrkrampf erlegen. Nachdem man den Tod ordnungsmäßig constatirt hatte, wurde der Leichnam, dessen Bestattung bei jüdischen Feierabends wegen bis zum Sonntag verschobenWxden mußte, aufgebahrt und mit den herkömmlichen Trauer-Emblemen umgeben. Am Sonnabend gegen 5 Uhr Morgens vernahmen zwei fromme Brüder, welche während dxr Nacht bei dem Lohten die üblichen'Webet?'verrichteten, ein seltsame«, von der Bahre herkommendes Gkräusch. Noch ehe sie sich über die Ursache dieser unerwarteten Störung Rechenschaft zu geben,, vermochten, gewahrtensie zu ihrem Entsetzen, wie der vermeintliche Todte sich allmählig aufzurichten begann. Was Wunder also, daß die beiden Wächter das Weite zu gewinnen suchten, als Pejrez reäivms, der mehr denn zwölf Stunden völlig leblos dagelegen war, unter derben Flüchen und Ausrufu -»gen ganz ernstlich das Todtenlager zu verlassen sich a.ffchickte! Einer dieser Todtenwächter, der in Folge des ausgestandenen Schreckens gefährlich erkrankte, ist gestern gestorben, der todtgeglaubte Pejrez Fischer aber, dessen rasche Beerdigung nur durch den Vorabend des SabbathS verhindert ward, sieht bereitmit Zuversicht feiner baldigen Genesung entgegen. N. Fr, Px. (Abermals haben wir hier einen Beleg für die schrecklichen Folgen einer allzuschnellen Beerdigung von Tobten und können wir uns nicht oft genug gegen eine solche tadelnswerthe Sitte aussprechen.) England. London. Der Gerichtshof, dem Sir George Jessel, Master of the Rolls, prästdirt, hält Sitzungen in der Rolls Chapel (Kapelle). Ueber dieses Gebäude theilt „Jew. World" folgende intereffante Notiz mit. Don allen Plantagenets war Heinrich III. der toleranteste. Sein Verfahren in Betreff der Juden zeichnete sich sehr vortheilhaft von dem seiner beiden Vorgänger Richard Löwenherz ustd Johann ohne Land aus. Er schützte die Juden, ließ sich einen neuerwählten Ober- Rabbiner vorstellen und bestätigte ihn eigenhändig in seinem Amte. Nichtsdestoweniger war er der Bekehrung der Juden zugethan und baute die Rolls Chapel in Chancery Lane zum Gebrauche den bekehrten Juden. Ob sie vielfach gebraucht worden, ob viel oder wenig Juden damals die Taufe angenommen haben, ist nicht bekannt, aber in dieser nämlichen Kapelle prästdirt jetzt ein Jude einem hohen Gerichtshof. Edirrburg, t. Febr. Das Urtheil in dem Pro? ceß gegen die Direktoren der Glasgow-Bank, welche bekanntlich ihre Zahlungen von Millionen eingestellt, ist heute Morgen publicirt worden. Dasselbe lautet gegen den Direktor Patter und den Gerant Stronach auf je 18 Monate Gefängniß, gegen Taylor, Jnglis, Wright, Salmond und Stewart auf je 8 Monate Gefängniß. Rußland. Minsk. Ein hiesiges jüdisches Mädchen Namens Jsabella Zustmann, hat verschiedene Compositionen für Fortepiano und Orchester verfaßt, die dem Vernehmen nach bald durch den Druck veröffentlicht werden sollen. Bereits wurde eine derselben „Moskeoska" jüngst im hiesigen Opernhause gespielt. DaS talentvolle Mädchen steht erst in einem Alter von 14 Jahren. Frankreich' Paris. Nächster Tage wird der Directazz der Münze von Bordeaux, M. Drlebecque, welcher Ende vorigen Jahres verhaftet wurde, (wir verweisen auf unsere Notiz Paris in Nr. 51.) vor Gericht kommen. Er hatte von dem Agenten des Hauses Rothschild Silberbarren im Werthe von 1,375,140 Franc« zur Ausprägung in Fünffrancsstücke erhalten. Kurz vor dem Lieferungstermins erklärte der Direktor Herrn v. Rothschild, daß er nicht im Stande sei, das Geld zu liefern, indem er die Entwendung von Silber eingestand. Die Controlbeamten hatte er dadurch getäuscht, daß er bronzene mit einem Silbcrüberzuge versehene Barren an Stelle der entfernten vorzeigte. Rumänien. Bukarest, 28. Januar. In der heutigen Sitzung des Senats erklärte der Justizminister auf eine Anfrage Boereseu's^ daß die Regierung, sobald sie sich mit den Kammern in's Einvernehmen gesetzt haben würde, die Initiative wegen der Revision der Verfajsung ergreifen werde. <Es handelt sich um die aufdie Juden bezüglichen Bestimmungen.) — Die Devutirtenkammer nahm Iren Artikel 1 des Budgets des Ministeriums des AuswärtigM an und kann hierdurch die Ernennung bevollmächtigter Minister und diplomatischer Agenten in Berlin, Brüssel, Bern, Belgrad, Konstantinopel, London, Paris, Rom, Wien und Petersburg als genehmigt angesehen werden. Serbien. Belgrad, 26. Januar. Die Skupschtina hat die Regierungsvorlage, betreffend die Aushebung des Verfassungs-Artikels, welcher die Juden in Bezug auf die denselben zustehenden bürgerlichen Rechte beschränkt, einstimmig angenommen. — Bisher hatte die Skupschtina sich gegen diesen Beschluß gesträubt; man hat ab^x. eingesehen, daß die Anerkennung der Selbstständigkeit Serbiens — gemäß dem Berliner Vertrage — Seiten« der Mächte von der Ausführung der Gleichstellung der Juden abhängig ist. B. V. Z. Vermischtes. Als Beispiel von dem Erfolge der Annoncen theilt ein älterer Mitarbeiter dem „Berliner Tageblatt" mit: Es war im Jahre 1862 am 15. Februar, da saß ich im Garten bei und mit Herrn Johann Hoff, N. Wilhelmstr. 1. Wie haben Sie eS angestellt, Hr. Hoff, fragte ich im Laufe des Gespräches, „Ihrem Malzextrakt eine so außerordentliche Verbreitung zu verschaffen?" Herr Hoff drückte sein Sammetkäppchen nach hinten und antwortete: Das will ich Ihnen sagen, als ich die ersten tausend Thaler mit meinem Malzextrakte verdient hatte, sagte ich mir : die hast du nicht verdient, und steckte sie als Inserate in die Zeitungen. Als e« zehntausend geworden waren, sagte ich mir: die Hälfte davon hast du nicht verdient und steckte sie wiederum in die Zeitungen, und so fort. Nun rathen sie einmal, wie ich mit meinem Geschäft heute stehe?" Ich antwortete: „Nach dem, was ich darüber gehört, steht Ihr Geschäft fo|: Sie machen einen Umsatz von praeter propter jährlich 250,000 Thaler, 50,000 Thaler betragen die Kosten für das Malzbier und sonstige Auslagen, 100,000 Thaler zahlen Sie für Insertionen und 100,000 Thaler ist ihr reiner Verdienst." Herr Hoff sah mich etwas erstaunt an und fragte: „Wer hat Ihnen das gesagt!" „Der Eigenthümer des ,Publicisten^, Dr. Thiele." Da lachte der Malzkönig: „Das stimmt auffallend! Aber das kann ich Ihnen sagen, mit Schund hat man keine Aussicht auf Erfolg, und wenn man Millionen verinserirt." Das war vor 16 Jahren. — Seit einiger Zeit macht in hiesigen gesellschaftlichen Kreisen ein junger Künstler Aufsehen, von dessen Entwickelung man sich Bedeutendes versprechen zu können glaubt. Der junge Mann ist ein Neffe von Bogumil Dawison, aus Bessarabien gebürtig, ^r haj studirt und ist von der Wiener philosophischen Fakultät zum Doctor summa cum laude promovirt worden. In Wien war der mit bedeutenden Mitteln für die Schauspielkunst ausgestattete junge Mann während seiner Studienzeit als Hauslehrer thätig uM hat als solcher auch im Hause hes. Hofschauspieleich Sormenthal fungirk. Proben, die er in hiesigen PrivarkrWn von seinen deklamatorischen und mimischen Fähigkeiten abgelegt hat, sind sehr befriedigend gewesen und wir hören denn auch, daß der junge Mann — sein eigentlicher Name ist der wenig wohlklingende Moses Moritzsohn, sein Künstkernahme wird indeß Morriffon lauten — mit einem vor der Hand bescheidenen Gehalte für das Hoftheater in Meiningen engagirt ist. — Am letzten Donnerstag veranstaltete die jüdische Jugend von Ortakiöi, einer Vorstadt Konstantinopels, eine Theater-Vorstellung zu Gunsten ihrer Ortsarmen, bei welcher Schillers Räuber in Spanischer Sprache zur Aufführung gebracht wurden. Sämmtliche Darsteller waren Israeliten, welche, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ihre Rollen so vortrefflich spielten, daß die Gesellschaft ersucht wurde, das Stück nochmals zur Aufführung zu bringen, wozu dieselbe sich bereit erklärt hat. JHP* Briefkasten der Redaktion. Wir werden über die Eröffnung des Tempels zu Bonn in nächster Nummer berichten. Berichtigung. Beilage zur vor. Nr. Im Artikel ,der Sieg der reinen Vernunft muß es heißen in Spalte 2, Zeile 10 von oben: hätte er; ferner Spalte 3, Zeile 3 v. o. statt Wehre, Wahne. Hauptblatt: Im Gedichte der LebenSbaum muß eS Strophe 1, Zeile 4 heißen bittere statt bittern. /Lin junges Israel. Mädchen (15—16 Jahre) bei Kinder gesucht. Näheres bei S. Simson in Elberfeld. 2248 - /Lin in der bürgerlichen und feinen Küche, sowie in \E allen Hausarbeiten durchaus erfahrenes Mädchen sucht zur Wechselzeit Stelle als Haushälterin. Beste Zeugnisse. Fr.-Off. unter 8. 75. Postlagernd kanten am Rbrin. 2246 /Lin junges. Mädchen sucht Stelle zur Stütze der Vy Hausfrau und Mithülfe im Geschäft. Offerten unter 8. 400 durch die Expedition dieses Blattes erbeten, od. Postlagernd Blankenstein a. d. Ruhr. 2247 I Neueste Auflage: nvs bw rr-nn mit deutscher Uebersetzung von Dr. Fürstenthal und Illustrationen tn schöner typographischer Ausstattung ist so eben erschienen in der Verlagsbuchhandlung von Wolf Pafcheles, Prag, Altstädte'r Ring Nr. 5 neu, zur Messe in Leipzig Brühl 34, in Frankfurt a. d. Oder, Schmiedegasse 10. 2232