Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 553 (sequence 575)
- Language
- German
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553 Der Jüngling, den wir hier begraben, ist in der Fülle seiner Kraft dahingerissen, fass am Anfang seines Mannesweges. Gott, der Allweise, hat ibm nicht Raum gegeben, seine Fehler und Schwächen — wer hätte die nicht? — zu verbessern, seine Tugenden und Vorzüge im Besten zu entfalten. Uns bleibt nur erinnerlich seine Freundlichkeit, sein gutmüthiges, wohlwollendes Entgegenkommen, das wohl tbat. Näher Befreundete wissen von seinem Diensteifer, seiner Gefälligkeit zu rühmen. Hat er doch auch die Veranlassung der Krankheit, der er gefallen ist, in dem Eifer gefunden, mit welchem er sich einem hochgeachteten Vereine in Feuersnotb unsrer geliebten ehrwürdigen Stadt angeschlossen. Wohl, meine Freunde, so wollen wir der Mutter unser Mitgefühl, dem Dahingeschiedenen eine Tbräne, uns aber einen Gedanken der Vergänglichkeit und einen Trost der Unsterblichkeit widmen. Dies ist ja das Heil der Gräber, das Heil, das uns aus Menschengrüften steigt — daß wir uns durchdringen mit dem Gedanken: Dein irdisch Sein ist vergänglich! Wo du stehest, wohin du schreitest — es kann deine letzte Spanne sein! Darum ermüde nicht, gerade darum strebe rastlos zum Ziele, darum erwirb dir Verdienst im Dulden und Schaffen, im Tragen und Wirken — denn was du hinter dir hast, das hast du gewonnen, das kannst du das Deine nennen, das bleibet dir — damit gebest du ein zum Vater, damit in das Land der Verheißung, darauf schreitest du an's Werk der Vollendung, das nicht der Erde ist! Wie die Kraft der Jugend fällt, wie die Flitter der Erde weichen, nicht bloß vom Sturm, auch vom leisen Windzug dahingetragen — wir lernen's auch an diesem Grabe — aber desto höher wird unser Herz gehoben, desto naher dem Vater, der den Geist gegeben, der den Geist nimmt, und der Erde den Staub läßt — Sein Name sei gepriesen in Ewigkeit. Amen! Gebet und Segen.