Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 542 (sequence 564)
- Language
- German
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5L2 zu beschreiten? Bleibet Einer von uns zurück? Ist aber darum nicht auch unsre Zukunft dieselbe, und unsre Hoffnung keine andre? Was und worauf wir hoffen? Für unsre Fehler und Schwächen, für unsre Vergehen und Überschreiten auf Gottes Barmherzigkeit; für unsre Irrungen auf Gottes Gerechtigkeit; für unsre Gutthaten und Pflichterfüllung auf Gottes Lohn. Und so ist unsre Zukunft eine in Gott gesicherte, und so ist unsre Hoffnung das Helle klare Licht des Himmels, das den Tod verscheucht und ewiges Leben gebäret. Das ist die Zukunft auch dieses Geschiedenen, das ist die Hoffnung auch dieses Verblichenen — und da hauchet das Wehen des Friedens, des Trostes uns an und schließet jede Wunde. Und darum ihr, Söhne unsres verstorbenen Freundes, Knaben seid ihr noch,- aber ihr begreift schon die unendliche Wichtigkeit dieses Augenblicks. Ihr seid jetzt vaterlose Waisen — unter dieser Decke rubet das Herz, das so warm für euch schlug, wie keines mehr; ist das Auge geschlossen, das so liebevoll auf euch blickte. In euch fand er seinen größten Lohn, in euch lebte seine schönste Hoffnung. So gelobet euch in diesem verhängnißvollen Augenblick, unter diesem gewölbten Himmel, am offnen Grabe eures Vaters: zu werden, was er euch werden lassen wollte, Freude und Stütze eurer Mutter, tüchtige Männer, brave Israeliten! So ihr jemals irrre gehen wolltet, mag dieser Stunde Erinnerung warnend vor euch stehen; so ihr jemals irre gegangen, mag dieses Augenblickes Gelöbniß euch schnell zurückerufen. Dann wird euch Segen ersprießen fort und fort aus dem Gedächtniß eures Vaters, den ihr so früh verloren! — Gebet und Segen.