Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 560)
- Language
- German
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538 in Wonne und Glück uns entgegenkommt, aber wenn sie in Schrecken und vernichtendem Dräuen uns trifft, wie zittert das Herz! Und wenn dieser Gatte voll Liebe und Zärtlichkeit, und das verwitwete Weib sieht der zerbrochenen Krone nach, und wenn dieser Vater von treuer Sorgfalt und Aufopferung war, und die Kinder sind noch unerzogene, noch schwächliche Waisen, und wenn dieser Mann ein Biedermann, redlich im Wandel, zuverlässig, geschickt, emsig, ein guter Bürger -es ist fürwahr! ein bittrer Kelch, und solcher Kelch ward uns gereicht, ja, wir stehen an der Gruft eines solchen schnell dahingerafften Ehrenmannes, eines solchen unversehens von dannen gerissenen Gatten, eines Vaters, um den die eben noch glücklicken Kinder jammern! .... Aber, meine Freunde, wenn es einmal sicher ist, daß unser Leben eine kurze Pilgerung, Dem etwas länger, Dem weniger, aber immer mit gewissem Ziele: wo, frag' ich euch, können wir den Trost der Unsterblichkeit sichrer fassen, als an dem Grabe eines solchen Todten? Diese unvollendete Lebenszeit, sie ist ja Bürgschaft, daß der Allweise sie ihm jenseit angewiesen; diese mittenentzweigeschnittene Entwickelung, sie ist das rechte Pfand, daß sie drüben wieder angeknüpft wird; diese auseinandergerissenen Bande, sie sind das sicherste Zeugniß, daß die unerfüllte Liebe dort ihre Befriedigung finden wird. Ja, dieser Gott, der diesen Himmel gewölbt und diese Erde gegründet und diese Sonne gezündet, an einem solchen Grabe, durch den Mund eines solchen Todten ruft er vernehmlicher als je uns zu: Zage und bange nicht, Sterblicher; meine Liebe, meine Gerechtigkeit, meine^ Weisheit bürgt dir, daß du unsterblich bist. Dies ist die Offenbarung, die aus dem Geheimniß eines solchen Todes uns hervorgeht. Wohl, so wollen wir uns sagen: er hat ausgestritten, er ist nun hinweg über die Klippen, vorüber an den Abgründen, er braucht nicht mehr die Schlangenwege des Lebens zu gehen, er ist durch die Kämpfe und Niederlagen dieser