Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 522 (sequence 544)
- Language
- German
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522 dann diese selbst zu erlangen, dann ste uns zü erhalten, daß wir sie nicht wieder verlieren. Sehet, es ist uns nicht leicht gemacht auf Erden. Wir sollen nach dem Plane der göttlichen Vorsehung streben, ringen, kämpfen selbst um das tägliche Brod. Und da entstehet denn bei den Menschen untereinander Kampf. Neid und Mißgunst auf der einen Seite, Bedürfniß und Noth auf der andern verfeinden die Menschen gegeneinander, reizen, erregen sie, daß sie sich bekämpfen. O, meine Tbeuren, die sich lieben sollten wie Brüder, die liebreich durch das kurze Erdenleben sich helfen sollten, es ist traurig, aber es ist wahr, sie suchen so oft einander zu stürzen, einander zu verletzen und zu berauben. Was niedrig ist, will hinauf, was hoch ist, will das Niedere unterdrücken. Ein harter, schmerzlicher Kampf. — Und dazu gesellet sich das Geschick innerhalb der Familie selbst. O, wer bat es nicht empfunden, bitter empfunden, wenn die Sorge über die Schwelle unsres Hauses getreten, und die Herzen der Unsren mit Beängstigung erfüllet; wenn Mangel und Entbehrung, wenn Armuth in unsre Hütte gedrungen, und den Seelen der Unsren schwere Opfer abfordert und das Antlitz der Geliebten durchfurchet! Oder wenn Siechthum ein theures Glied der Familie auf das Lager wirft, und all' unsre Wacht und Pflege den Schmerz nicht abwenden, das Weh nicht lindern kann! . . . Oder wenn der Bote des Herrn in unsre Mitte gekommen, und ein geliebtes Wesen hinwegrufet, und wir müssen das theure Auge zudrücken, und den Leib dem Schooße der Erde übergeben auf immer — das sind harte, schmerzliche Kämpfe — und doch bleibt Niemand ' ihrer erledigt! Ja, meine Kinder, all' diese Kämpfe habet auch Ihr zu kämpfen — und dennoch noch mehr — den schwersten, heißesten Kampf, ich nannte ihn euch noch nicht — der ist: mit eurem eigenen Innern! Noch ist es Frieden in eurem Herzen, und wenn auch schon Streiflichter durch eure Seelen fuhren, wenn ihr auch schon manchmal gefehlt habet — es