Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 513)
- Language
- German
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491 1. So ist denn das Leben dem Menschen nicht ertheilt zu trübem, tiefsinnigem Ernste, zn stumpfer Betrübniß, zu abgesagtem Hasse der Erde — freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und laß dein Herz fröhlich sein im Frühling deines Lebens, saget zuerst der weise Salomo zn euch. Durch das ganze Weltall hat der allgütige Schöpfer seine Gaben ausgeftreuet, über die ganze Erde bat er sie ausgegossen in Fülle und in unendlicher Schönbeit — aber was ist die herrlichste von allen seinen Gaben, das unschätzbarste seiner Geschenke? Das Leben selbst, das Leben des Menschen, sein böchstcs Werk. Und was ist in diesem Leben wiederum das Schönste? was ist die Krone des irdischen Daseins? Die Freude! Wenn sich das Herz erweitert, wenn die Gefühle sich stärker bewegen, wenn die Kraft des Verstandes sich hebt, und alle Thore des geistigen Menschen sind nun geöffnet, einziehen zu lassen die Freude, die reine, die wahre Freude: dann stehet der Mensch höber als je, dann füblt der Mensch die Nähe der segnenden Gottheit, die da Glückseligkeit bereitet hat für ihre Kinder, wenn auch auf Erden keine vollkommne. Dann strömet Dank durch das Auge und über die Lippen, dann ist der Mensch bereit, sich in die Arme seiner Mitmenschen zu werfen, und obne Unterschied des Standes, ohne Unterschied der Religion ausznüben das Gebot Mosis: liebe deinen Nächsten wie dich selbst! (3. B. Mos. K.!9, V. 18). — Die Freude ist das Element des Guten, und während der Gram, der Kummer, die Betrübniß, die Gleichgültigkeit, die Abgestumpftheit den Menschen selbstisch machen, daß er sich nur mit sich selbst beschäftigt: schließet die Freude das Herz des Menschen auf, macht ibn tbeilnabmvoll, treibt ihn an, auch Anderen diese herrliche Empfindung zu geben, und so mehret die Freude jegliche Tugend — die Freude der Wohlthätigkeit macht