Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 320)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1655-9623568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
298 erleuchtet und klar macht? Nun sehen wir das ganze Ge- . triebe ein, die Kraft, welche die zahllosen Räder in Bewegung setzt und die Maschine in ewigem, unabänderlichem Gange erhält. — Die zweite Lampe zur Rechten: Der Ewige ist ein langmüthiger Gott, barmherzig und gnädig, der Sünden vergibt und Missethat verzeiht, der aber Nichts ungeahndet hingehen läßt (2. B. Mos. 3L, 6. 7.). Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes! Welche große und tröstende Lehre zugleich. Wir Erdenkinder, deren Tage flüchtig stnd und wenige, deren Geister gefangen sind in dem Staubgewande, in. den Banden der Sinne und Sinnlichkeit, unser Thun und Treiben ist nicht unbeachtet und unberücksichtigt. Das Wesen da droben würdigt uns, auf uns herabzublicken, unsere Handlungen wahrzunehmen, zu beurtheilen, zu lohnen, zu strafen. Der, vor dessen Blick Welten rollen wie Sandkörner, er blickt auch auf den Wandel des Menschen, ob er gerade ist. Ein Auge ist über uns wach, das selbst unsere Gedanken liefet. Eine Hand ist über uns ausgestreckt, die uns züchtigt, wie ein Bater seinen Sohn züchtigt. (5. B. Mos.) Und diese Hand ist gerecht; da gilt kein Ansehn der Person, nicht des Reichen und nicht des Armen, nicht des Glücklichen und nicht des Unglücklichen. Eine jede That gebiert ihre Folgen, die gute die guten, die böse die bösen. Dann aber, wenn wir die Folgen unsrer Handlungen erlitten haben, wenn die Sünde ihre Schmerzen, das Laster seine Qualen, die Leidenschaft ihre verzehrende Glut nach sich und mit sich gezogen: dann kommt die unbegrenzte Barmherzigkeit zu uns, und erhebt uns aus unserm Staube, und legt uns an die Vaterbruft, und begnadigt und läutert und reinigt uns vom Irdischen und von allen Fehlern: also lehrt es uns unsere Religion. Dies ist die Lampe, die alle Schatten unsers Lebens erhellt, alles Düstere des Lebens erleuchtet, daß wir auf unfern Wegen getröstet und gestärkt fürder ziehen zum Vater. — Und die dritte und letzte Lampe zur Rechten, hellflackernd durch vier Jahrtausende: