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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 292

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 292 (sequence 314)
Language
German
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IRI
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292 schaft, die die geläuterte Tbat fordert; durch jene erlangen wir den Tbau, der das Todte belebet, durch diese werden wir zu Gott zurückgebracht. Dann aber spricht der Midrasch zuletzt: „So wie Eines der Zehnworte gesprochen worden, ward das Weltall mit Woblgerüchen erfüllt." Wohl, meine Freunde, welche auch die Herrlichkeiten dieser Schöpfung Gottes sind, welche sie insbesondere in dieser Blütben-, in dieser Lenzeszeit des Jahres sind, o dieses Lichtmeer, dieser Farbenglanz, diese Duftfülle, o diese Schönheit der Formen, diese Ordnung der Erscheinungen, diese Weisheit der Gebilde — wer spräche es zu Ende — dennoch ihren wahren Werth, ihren wirklichen Inhalt erhält diese Schöpfung erst durch die sittlich-religiöse Welt, die Gott mit dem Menschen in sie hineingebaut, für den Menschen mit Seinem Wort hineiugeschaffen hat. Denn all' dies Leben in der Natur, es ist doch nur die Erfüllung von Gesetzen, unbewußt den Wesen, an denen sie sich erfüllen; es ist keine Freiheit, es ist kein Selbstschaffen, es ist kein Wollen und Thun des Einzelnen darin: Gott ist allein darin mit seinen Gedanken und seinem Stoff. Aber diese sittlich-religiöse Welt, wo der Mensch mit seinem Geiste selbst denkt, selbst will und selbst bandelt, wo er sich aus sich selbst heraus mit Gott in Harmonie bringt, wo er, der Mensch, sich bildet und erhöht, wo er kämpft und siegt, wo er leidet und sich freut, wo er liebt und sich opfert und sich selbst überwindet, das ist die wahrhaftige, die böbere Welt, und ein einziges Menschenherz, das den Streit mit sich selbst zu Ende streitet und um Gottes und der Liebe willen sein innigstes Wünschen zu Boden wirft, ist mehr als eine Sonne, die ein Weltreich durchstrahlt, mehr als eine Erde, die zahllose Wesen trägt. Ja, die Verkündigung der Wahrheit für den zweifelnden Menschen, des Rechts für den schwankenden Menschen, der Liebe für den streitenden Menschen war der Wohlgeruch, der das Weltall erfüllte, der beseligende Duft, der die Schöpfung durchwallt.

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