Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 286)
- Language
- German
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26L und Schande. Was einen Israeliten erhebt, erhebt Alle, was einen Israeliten erniedrigt, erniedrigt Alle; Alles, Alles trifft uns gemeinschaftlich, darum sind wir Brüder, und muffen Brüder bleiben, als Brüder uns umfangen, helfen, schützen, als Brüder uns lieben. Sind wir auch Bürger der Länder, in die uns die Hand der Vorsehung geführt, nennen und lieben wir auch das Land als unser Vaterland, wo wir das Licht der Welt erblickt, wo wir unsre Jugend verlebt, wo wir wirken und streben und des Lebens Bedürfnisse abthun, haben wir auch da alle Pflichten des rechtlichen Bürgers zu erfüllen, und erfüllen sie — wie der Himmel sich über alle Zonen, alle Gegenden, alle Länderstriche wölbt, und sie vereinigt und zusammeufaßt, so wölbet sich Israel über alle unsre Häupter, fasset alle unsre Herzen und Gemüther zusammen und vereinigt sie in Bruderliebe, in einen großen Brüderbund mit gemeinschaftlichen Interessen, mit gemeinsamen Streben und Preis. Meinet Einer, daß dies mit der allgemeinen Menschenliebe streitet? daß hier Israel die gesammte Menschheit beeinträchtigt? Nicht im Geringsten — daun müßte die Kindesliebe, die Gattenliebe, die Geschwisterliebe auch die allgemeine Menschenliebe schmälern, dann wäre es ein Mißgriff, daß die Bande des Bluts so eng gezogen sind. In dem großen, weiten Herzen trage die Deinen, und dann Israel, und dann die ganze Menschheit! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Und nun, meine Brüder, was könnte uns die Fremde mehr zur Heimath schaffen, wo kommet der Gruß der Heimath mehr zu uns, als wo wir Liebe finden, als wo eine Brust voll Bruderfreundlichkeit, voll Bruderanhänglichkeit, voll Brudertreue uns aufnimmt? Israeliten treffen wir überall! Ander Mauer China's, wie bei den Indiern am Chipvewaiflusse; dafür hat die lenkende Hand unsers Gottes gesorgt! Finden wir nun in den Israeliten überall Brüder — so haben wir überall eine Heimath, fühlen uns nirgends fremd, finden überall Ruhe, und diese Bruderliebe ist eine Hütte, zum Schirme am Tage vor der Hitze, zum Schutz und zur Bergung vor Sturm