Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 237)
- Language
- German
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215 sangien, die drei Stationen, die drei Tagereisen des Lebens. Diese haben wir zu durchwandeln, ehe wir an's Ende der großen Stadt gelangen. — Und der Fromme beginnt und wandelt eine Tagereise weit. Wie, weiter nichts? Das ist Alles, was wir von seiner ersten Tagereise erfahren? Wohl dem, von dem die Welt nichts zu sagen weiß, wohl dem Volke, wohl dem Manne, wohl der Jungfrau, von denen die Welt stille schweigt, die in der Sülle leben ihrer Tugend und ihrem Glücke. So wandelt auch der Fromme durch seine erste Tagereise, unbekannt, er Allen unbekannt und ihm Alles unbekannt. Unschuld wohnt auf seinen Lippen, Unschuld blickt aus seinen Augen, er thut, was seines Werkes ist, was ihm vor den Händen liegt. Sein Herz ist rein, nur geschwellt von dem Himmelshauche der Andacht, von der Paradieseslust der Liebe, mit der er Gott und die Welt umfaßt uud umschlingt und an seine Brust drückt und an sein Herz legt. Und diese Reinheit und Unschuld des frommen Jünglings, der fromme,! Jungfrau, sie ist entzückend. Ob wir auch selbst vom Schmuze des Lebens befleckt seien, sie sind uns heilig und erscheinen uns hehr, wir achten und lieben sie. Aber wie selten werden sie jetzt gesunden! Wie wird das Herz des Knaben schon früh von wilder Leidenschaftlichkeit ergriffen, vom Ehrgeiz, vom Eigennutz, von der Lust und Sucht nach Genüssen! Wie wird das Herz des Mädchens schon früh von Eitelkeit, von Putzsucht, von Gefallsucht, von Neid und Eifersucht ergriffen — und beide vergiftet! Und die Eltern in schnödem Wahne führen sie hin, wie Opfer zur Schlachtbank, zu Tänzen und Bällen und allen Zirkeln der sinnlichen Welt — aber zu dem Hause des Herrn, zur Andacht und Frömmigkeit, zur Sittlichkeit und Zucht und Häuslichkeit selten — und freuen sich, die Blinden, da sie mit offenen Augen nicht sehen, wie die Unschuld und Reinheit ihrer Jünglinge und Jungfrauen zu Grabe geht, und sich niederlegt und nicht wieder ausfteht! Der Fromme aber wandelt seine Tagereise, und die Welt