Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 156)
- Language
- German
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134 Morgen wieder dämmerte — nur die Gnade des Herrn war's, daß wir nicht vernichtet wurden. II. 27Y -QN1 N2-IN — Ihr hofftet auf viel, aber wenig geht in Erfüllung (Haggai 1, 6.) — Diese Worte des Herrn durch Haggai waren der Morgengruß des zweiten Tages. Da ging trübe die Sonne auf, wie verschleiert vom Herbstnebel. Der Wille war da, aber die Kraft fehlte: schwer lastete das Joch des Persers, schwer des Aegypters, schwer des Griechen und Syrers. Unter Druck mußte man arbeiten, unter schelen Späheraugen vorwärts schreiten, unter neidischen Wächtern vollenden. Da fing an, wie ein unterirdischer Vulkan, der innere Groll im Volke mächtig zu werden, in fich hinein zog es fich zusammen, schroff und steil wie ein Fels stellte es sich in das Meer der umwogenden Nationen, und blickte trotzend auf die Feinde und auf sein Schicksal. Und mit gewaltigem Arme schleuderte der Makkabäer den Syrer von sich, und stellte sich aus Jerusalem wie aus eine an den Himmel gekettete Feste. — Im Heiligthum brannte die ewige Lampe hell und rein, dahin schauten von allen Enden die, so das Schicksal aus dem Lande geführt. Die Zeit ging schnell mit eiserner Sohle über das Volk hinweg, der Tag war kurz, der Nachmittag voller Dünste und Schwüle, die Luft war heiß und drückend — der Römer schlang seine langen Arme auch um das einsame Völkchen am Libanon. Vögte zehrten seine Kräfte aus, unsinnige Kaiser verlangten göttliche Ehren, erhielten sie nicht, vergalten aber reichlich diese Verleugnung. Da hob der Israelit seine Hand zum Himmel empor, und senkte sie kräftig auf das Haupt des Unterdrückers nieder-Wenn du einsam sitzest in der Kühle des Abends auf den weiten Trümmern eines zerbrochenen Tempels, und schauest hinab auf die elenden Hütten, gebauet auf die Asche großer Paläste, langer, stolzer Häuserreihen — und es spricht zu dir eine trauernde Stimme: