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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 56

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 56 (sequence 78)
Language
German
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66 droben — oft spät, aber doch! Und wenn es ihnen außen so ergeht, wie ergeht es ihnen innen? Der Unschuldige greift nach seinem Stabe, er blickt nach dem Grabe seiner Hoffnungen und Arbeiten, dann blickt er hinauf zum Himmel und spricht: Du gabst, du nahmst, dein Name sei gepriesen! Aber auf der Stirn des Frevlers stehet das große, unauslöschliche Wahrzeichen: unstät und flüchtig; wenn auch nicht der Fuß, die Seele irret und irret umher, und sieht kein Heil, wie ein aufgeregtes Meer ist sein Gemüth, Woge drängt sich auf Woge, bis er zusammensinkt und seufzt: Ich habe es verdient, ich wollte es so!- Also geschehet es oft, m. Fr., öfters auch nicht. Nicht selten freilich wandelt der Sünder in seiner Verblendung ungefährdet bis an die Stunde seines Sterbens. Aber laßt uns nicht ungestüm von der Vorsehung sichtliche Fingerzeige fordern Tag für Tag, lasset euch vielmehr noch einmal an die Worte Koheleths erinnern: Und wenn auch der Sünder hundertmal Böses thut, und doch lange lebet, dennoch weiß ich, Seligkeit ist des Frommen Loos gewiß, weil er Gott fürchtet! Denn öffnet sich nicht hinter diesem Leben nun noch ein zweites, überirdisches? Einen Schleier zog zwar der Allweise vor dasselbe, daß unsere Augen nicht hineinschauen können, aber die Stimme der Offenbarung und die Stimme unserer innersten Seele rufen laut aus: Was hienieden unvergolten blieb, droben wird es zu Ende gerichtet! Der Fromme findet seinen Ersatz, der Frevler, der vom Herrn gelassen, seine Strafe drüben. Freunde, trösten wir uns doch jahrelang mit einer Hoffnung in die Zukunft, hält eine schöne Erwartung uns doch aufrecht und ertheilt uns Kraft, mag das Ziel auch fern sein: warum sollte die seligste Hoffnung, die beglückendste Erwartung, die Aussicht in das Jenseits unsere Brust verschlossen finden? — Meine Lieben, des ewigen Richters Gnade ist unbeschränkt, wir wissen nicht wie weit fie reichet, und wie daher der Herr es den Frevlern im Jenseits ergehen läßt —

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