Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1378-9623291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 kommen zu werden; dazu wuchsest du heran, dazu erwachte dein Verstand, dazu sammeltest du Kenntnisse, dazu veredelten sich deine Gefühle, vollkommen zu werden; deshalb stoße die Versuchung von dir, deshalb vermeide die Sünde, deshalb wache über dich Tag für Tag, heute wie morgen, vollkommen zu werden. Und worin vollkommen? Nicht in den eiteln Künsten, durch welche du glänzest, nicht in schönen Gewändern, in zierlichen Geberden, in lügnerischen Redensarten, vollkommen in der Erfüllung des Berufes, vollkommen in der Liebe zu den Deinen, vollkommen in der Frömmigkeit vor Gott! Welchen Beruf du auch erwähltest, Wissenschaft, Kunst, Handel oder Gewerbe, werde vollkommen in ihm. Begnüge dich nicht mit Halbwissen, begnüge dich nicht mit Pfuscherei; und wenn du Meister geworden in deinem Beruf, erfülle ihn meisterhaft, vollkommen. Tödtlich ist der Müßiggang, tödtlich das Halbthun, die Nachlässigkeit. So, Leichtes, wie Schweres, was du übernommen, vollführe es treulich, werde nicht zum Lügner an dir, an deinem Berufe, am Leben! Vollkommen auch in der Liebe zu den Deinen — sie, die mit dir leiden und mit dir fröhlich sind, mit dir tragen und erwerben, mit dir gewinnen und verlieren, trage sie, Jüngling, in deinem Herzen! O, die Liebe ist die herrlichste Tugend des Sterblichen, und sie spendet nur Freuden, selbst in den bittersten Schmerzen. Wie schal sind die Freuden der Welt gegen die Liebe — was ist Ehre, was ist Reichthum, was ist Sinnenrausch gegen Liebe, gegen treue, zarte Liebe? Werde vollkommen in ihr! Verwunde nicht mit Worten, stoße nicht von dir mit Blicken, hintergeh nicht mit Thaten die, die dich lieben, und die du lieben sollst. Siehe, die Liebe ist der Stern dieses Lebens, und der verschwindet nicht, und wenn die Lichter alle verlöschen vor den Wolken, die darunter ziehen, sein Strahl bricht durch und trifft dein Auge, und erquicket dich! — Vollkommen endlich in der Frömmigkeit vor Gott. O, mein Jüngling, gebe dich nicht der Afterweisheit Jener hin, die in sprudelndem Ueber-